Nachruf für Mini Weiß

mini weiß

Ein Freund ist gegangen. Nicht der erste in meinem Leben, auch nicht der erste Musiker, mit denen ich je spielte, aber als der Vorletzte (Franz Bail, ebenfalls Urwerk-Mitglied) ging, gab es den Blog noch nicht. Und ich empfinde es als Pflicht, hier nicht nur über unsere Primestone-Erlebnisse, größtenteils heiter und positiv, zu berichten, sondern auch über die traurigen Geschehnisse in unserem Umfeld: ganz besonders über dieses Geschehnis.img_0524 Fotos: Mini Weiß mit Urwerk40

Wenn jemand stirbt, löst das sehr unterschiedliche Gefühle in mir aus. Wenn ich ihn nicht kenne, lässt es mich ziemlich kalt – sonst würde man verrückt bei all den Toten, über die man täglich hört. Doch wenn ich ihn kenne, sind die Gefühle vielschichtig, je nachdem, ob flüchtiger Bekannte, guter Freund, Kollege, ob unsere Begegnungen überwiegend positiv oder negativ waren… Das ist normal, so kennt es jeder, glaube ich.

img_0835

Und je älter man ist, desto häufiger erlebt er, dass jemand in seinem Umfeld stirbt. Auch das ist normal, denn niemand lebt ewig, und das Umfeld altert mit einem. Nur, es ist nicht gleich, wer es ist und wie alt. Mich persönlich trifft am meisten, wenn der Tod jemanden ereilt, der jünger ist als ich. Das empfinde ich als ungerecht, obwohl ich selbstverständlich weiß, dass es unvermeidlich ist. Doch so ist es nun mal.

img_0547

In den letzten Jahren starben in meinem Verwandtschaft und Freundeskreis erschreckend viele, die jünger waren als ich. Zu denen gehört nun mein Musikerkollege und Freund Mini Weiß.
Mini lernte ich 1989 kennen, als wir Fireball gründeten. Dann folgte eine längere Pause, wir verloren uns aus den Augen, bis 2007, als ich bei Urwerk40 einstieg. Auch als ich Primestone gründete und Urwerk verließ, blieben wir in Kontakt, bis ich letztes Jahr von seinem Schlaganfall hörte. Ich wollte ihn besuchen, aber zwei Todesfälle in meiner Familie beschäftigten und berührten mich so stark, dass ich den Besuch immer wieder hinauszögerte.

img_0536

Und jetzt geht das nicht mehr, wofür ich mir Vorwürfe mache. Doch meine Empfindlichkeiten spielen hier keine Rolle. Mini war elf Jahre jünger als ich! Das ist das eigentlich Ungerechte, nicht der Tod selbst. Wenn man wenigstens sagen könnte, dass er selbst schuld war, aber nicht einmal das. Er lebte gesund, trank nicht, rauchte nicht, hatte eine tolle Familie, Freunde… Das Leben ist nicht fair, sang Grönemeyer vor Jahren.

img_0528

Trauer hat viele Gesichter. Oft ist Eigenliebe, Egoismus dabei, auch Heuchelei, manchmal sogar Erleichterung. Sterben die Eltern, der Lebenspartner, oder noch schlimmer das eigene Kind, ist jede Variante der Trauer erlaubt. Stirbt ein Musikerkollege, sind andere Gefühle im Spiel. Der Verlustschmerz ist vielleicht nicht so stark, aber trotzdem ist die pure Trauer da, denn jeder, der aus diesem sehr stark bindendem Umfeld für immer fehlt, hinterlässt eine große Lücke. Wenn man mit jemand zusammen Musik macht, entsteht eine starke Verbindung, die nur ein Musiker nachvollziehen kann; vielleicht ist das beim Bergkletterern oder beim Militär ähnlich, dort, wo man besonders aufeinander angewiesen ist. Beim Musizieren ist es, glaube ich, noch stärker. Dabei entsteht eine magische Atmosphäre, die mit nichts anderem vergleichbar ist. Sich gegenseitig durch musikalische Töne zu verständigen ist ein Privileg und eine Ehre, und darüber hinaus ein so starkes Gefühl der Verbundenheit, dass man es nicht mit Worten ausdrücken kann. Ich bin ziemlich vergesslich, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich mich an jeden erinnere, mit dem ich je auf einer Bühne stand, und das sind immerhin 52 Jahre.

539580_359636284110330_1073083993_n

Mini, ich habe mich absichtlich gehütet, über deine menschlichen Eigenschaften zu sprechen, denn das fände ich so trivial und unwichtig, dass es nicht der Rede wert ist. Und nicht etwa weil ich nichts Schlechtes sagen wollte. Nein, über dich könnte ich nur Gutes sagen. Doch will in diesem Nachruf alles vermeiden, was trivial ist. Und das einzig Wichtige ist, dass wir dich niemals vergessen werden.

__pfingen_6.3.10_057

Wow! Wow! WOWWW!!! Was für ein Abend!

11693857_971195179578158_9126912993437913019_n

Wow! Wow! WOWWW!!!
Was für ein Abend, was für ein Auftritt! Was für Atmosphäre, was für Publikum! Welche Ambiente!
Und so könnte ich fortsetzen, immer noch euphorisch, einen Tag später. Ja, Freunde (und Freundinnen, political Correctness…), das Jahr hat ungefähr 365 Tage, das Leben … Jahre (bitte Wunschalter eintragen!), und wie viele Stunden und Tage vergisst man? Seht ihr. Diese Tatsache ist unabhängig von Schulbildung, Karriere, Geld und sonstwas. Doch es gibt Tage, die man nie mehr vergisst. Der erste Schultag. Die Kommunion (oder wasweißich, bitte einfach dazudenken!). Die Hochzeit. Die zweite Hochzeit. Die dritte… Mahlzeit nach dem Ramadan. (Langsam werde ich wahnsinnig bei soviel Korrektheit!!). Und so fort.

rANU7Sk26TRL2H9inL_lOp9Y86eQLSacH1Pwx6MWTjc,qPzBokjjmRf8RFhawOUg31uu-SF3T8OtUsIOp7ea4p0,T0Mu6_1Om88cdqqVhipL19Xv1p3Nouwr4dR9N_zwZ94

Was ich damit sagen will: es gibt Tage, die so vollkommen sind, dass man sie nicht vergisst. Und ich glaube mit gutem Gewissen behaupten und dies gegegenebenfalls (Schreibfehler sind beabsichtigt und dienen der Ironie!) vor Zeugen eidessstattlich versichern zu können, dass dieser Tag zu jenen gehört.

Vor Jahren flog ich mit meiner Frau nach London, nur um ein Konzert in der Royal Albert Hall mit Eric Clapton su sehen. Manche meinten, ich sei verrückt, für ein einziges Konzert all inclusive 800 DM (!) auszugeben. Doch wieviel Geld gibt man jeden Tag aus, um diese Tage dann einfach zu vergessen? Dieses Konzert vergesse ich meinen Lebtag lang nicht, und das ist wohl eine Menge Geld wert.

oNEl_UDgzpWHaOs3U39VVpLFJNAWwF7OKJKVWZNncyU,NJujrpCTWEIhF_N6Sx7sIY7zWG10cJnAKmH3CoYnjWQ

Und um so mehr gilt das, wenn der unvergessliche Tag nicht einen Pfennig (jawoll, Pfennig!) kostet. Möglicherweise bleibt sogar etwas hängen, wenn Jens gnädig mit uns ist. Aber das ist nicht der Punkt, sondern dass dieser Tag optimal war, optimaler geht es vielleicht gar nicht. Warum wohl?
Es war nicht einfach ein Primestone-Konzert, sondern der 10. Jahrestag vom Fiddler’s Green in Pfaffenhofen/Roth. Und Jens und Team war es gelungen, ein Fest der Superklasse zu zaubern.

b5c_ddGHapaaSjC8J4nCzYS0QFm94SDyHBRNG9Ca1FE,v5blerspjFO-dBzFS2f0nNhZkPhl6iFsE9nHe3mYr1E

Am Anfang war… das Wetter. Es war trotz aller Unkenrufe und Regentropfen gnädig, nicht zu warm, nicht zu kalt, gerade ideal. Dann kamen die Groovies, eine Zwei-Mann Band, bestehend aus Eberhard und Heinz, seines Zeichens Hauptverantwortlicher für die Existenz von Jens, was für ein Glück für uns… Zu unserem großen Vergnügen mischten sie irische Folklore mit Evergereens, die sie mit beneidenswertem Enthusiasmus zum Besten gaben.

itsrCdCxpEiYyqseXMzOhC8b2q9ZgapV8SUw86Oery4,JG2dNy0yASAy_2pdHN2lJ2zd9KRWKyW7Cv8hPMqykck,RbUD2BCqYh4fhPao-oqtt8oPX_BU2AkNRiYlM16JUx4

Nach ihnen kamen die Männer von Primestone. Gestärkt vom guten Essen und freilich/reichlich Guinness rockten wir los, in dieser fantastischen Umgebung. Die Bühne stand im Hof von Fiddler’s, unter dem riesigen Walnussbaum. Und alles war voller Menschen, die Straße, der Pub, der Hof… Durch die Groovies angestachelt, war die Stimmung auch sofort da: es ist schon toll, wenn mehrere Bands hintereinander auftreten, vor allem wenn nicht alle im gleichen Stil spielen. So kam unser mit Blues, Reggae, Funk und Soul gespickter Classic Rock tierisch an, wir ernteten nach jedem einzelnen Song frenetischen Applaus.

6OPnPrAUnv61dbGqM_Rcpg7mWnXRz9FYxnbx_h1L90c,U41OpZkfY66E9po2rk-xpycKvhLkvmp9aUhdoTeWtlI,Wf79rHbShHBrH033GBjP8eWhxp5JyXTJYQbxbYgcI0g

Und wir gaben alles. Unsere Spielzeit betrug lediglich 105 Minuten, die wir am Stück durchzogen, und so mussten wir nicht mit den Kräften sparen, weder beim Gesang noch mit den Instrumenten. Aus allen Rohren feuernd (was für ein Vergleich, dabei bin ich Beinahe-Pazifist…) verausgabten wir uns völlig, während langsam dunkel und die Menge vor uns immer größer wurde. Wolfi röhrte mit krebsrotem Schädel ins Mikro, Wolli bearbeitete die unzähligen Tasten wie ein Berserker, und Flogge, The Animal übertraf sich selbst, obwohl er seinen geliebten Teppich nicht dabei hatte, und der Herr Kaschper (das bin ich!) wechselte seine Waffen schneller als John Wayne… Die Reaktion des sehr gemischten Publikums war überwältigend, und so schaukelte sich die Stimmung bis zur Euphorie hoch, es war einfach der Wahnsinn, und ich übertreibe nicht, fragt doch jene, die dabei waren!

0TQ-qYFVda6NKGpoL4anNiy0cfaW5k9YbppOvJrEN9U,Tw1057JrlbYW2ogfVLFZJflQ6rvUp2gfYoOses_jH5Y

Wolfi röhrt mit krebsrotem…

Was mir sehr positiv auffiel: die Leute honorierten gerade die Songs am meisten, die wir abweichend vom Original spielten: Knockin’ On Heaven’s Door, California Dreamin’, Lonesome Loser usw. Dieser Umstand beweist zweierlei: dass wir den richtigen Weg gehen, und dass Jens’ Stammpublikum sachverständig ist – aber das wussten wir schon von unseren früheren Konzerten hier!

10931681_892175557479363_8764023656309998670_o

Ein früheres Konzert hier

Im fliegenden Wechsel ging es anschließend weiter: vorne an der Straße spielten Miller Malone irische Folklore. Leider konnten wir sie nicht anhören, obwohl wir wussten, dass sie sehr gut sind: wir mussten in Windeseile unsere Sachen von der Bühne räumen, denn nach uns kam Jens’ eigene Band: The Cash.

Neue-Platte-Let-s-Rock-Let-s-Roll-The-Cash-fetzt-jetzt-richtig

The Cash!

Stylish gekleidet gaben sie zu neunt (!) ein tolles Konzert mit Rock’ n Roll, Soul und Jazz. Frontfrau Jasmin Bihr wirbelte in Petticoats über die Bühne. Ihre Interpretation von Jailhouse Rock, Son Of A Preacher Man usw. war hervorragend, verstärkt durch die Bläsergruppe. Und während wir uns den Weg durch die dichte Menschenmenge bahnten – wir mussten ja unsere Sachen in den Autos verstauen – fiel mir etwas auf.

VqIMIS1qUBPYKJri3TNYmb2YE7PlqcUH7iV18s0TJCA,a9A9NRUnpWBFhgRnzoBHZfacwKbXekF8y08nPU3_r9c

the Primestone – a different perspectivity

Anfang der Neunziger, als ich bei Fireball spielte – eine ganz ähnliche Musik – war das ganz anders. Nach den Konzerten schleppten wir unsere Instrumente in den mit Menschen prall gefüllten Zelten mühsam zum Ausgang, und jedes Mal, wirklich jedes Mal wurden wir von besoffenen Männern daran gehindert, sie gaben nicht nur den Weg nicht frei, sie pöbelten uns sogar an, stellten uns ein Bein, fassten nach unseren Instrumenten. Es war zum Verzweifeln, und brachte mich damals beinahe dazu, mit dem Ganzen aufzuhören. Hier dagegen öffnete sich die Menge freiwillig, die Leute entschuldigten sich sogar, wenn wir sie zufällig anrempelten. Dabei war die Masse so dicht, man kam wirklich kaum durch. Auch das zeigt die positive, friedliche Stimmung des Fiddlers-Publikums, die wesentlich dazu beitrug, diesen Abend unvergesslich zu machen. Danke, Jens und Team, danke, Publikum; wir kommen wieder!

eyDuMwCKO5C-Zwm_OYkV_13PzLDJLU-3BrZCJqKEzWA,C0F2iiE4mUb_EKnHAiDdxHmGZ58BoLVTu6Ycc_47gvw

Plattenspieler: Kultobjekt zum Meditieren und Lernen

Ich weiß, dieser Artikel hat recht wenig mit Primestone zu tun. Aber mit Musik. Mit dem guten alten, altmodischen Hören von Musik im 20. Jahrhundert, als es noch nicht so viel Stress, Hektik und vor allem keine digitalen Tonträger gab.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: ich vergehe hier nicht vor lauter Nostalgie. Nur, wie fast jede Epoche, hat auch jene von den 50-ern bis zu den späten 80-ern ihr Gutes. Auch in der Musik. Und darüber möchte ich einige Worte (und vielleicht sogar Sätze) verlieren.
Es war wieder einmal Zeit, meinen ollen Kabuff zu entrümpeln. Dort sammelten sich im Laufe der letzten Jahre diverse Möbelstücke, Bücher, Kleidung, nicht benötigter technischer Kram. Dabei fiel mir mein uralter Dual-Plattenspieler, den ich bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr wahrgenommen habe, in die Hände.

dual-cs-721_167068
Plattenspieler! Zwar hörte ich schon oft, Platten seien wieder trendy, aber von so etwas lasse ich mich nicht beeinflussen, sonst würde ich auch bis zum Knie heruntergelassene Hosen, mittelalterlich anmutende Kapuzen und ferrarirote Schuhe tragen. Ein Bild für die Götter, in meinem Alter… Nein, nein. Nur, ich erinnerte mich an den typisch warmen Klang der Platten, so frei von zischenden Hochtönen und dröhnenden Bässen, wie sie heute so „in“ sind, aber mit sonoren Mitten, weichen Höhen und knurrendem, sauberem Bass. Ich wurde neugiereig. Ich habe zwar einen tollen Flachbildfernseher, aber dessen Ton ist so grauslig, dass ich ihn in meine Stereoanlage integriert habe: zwei riesige Celestion-Hifi-Boxen (gebraucht, 250 Juros), von einem mindestens 35 Jahre alten Receiver von Harman Kardon (selbstverständlich Röhren, Ebay für’n Huni!) angetrieben. Die modernste 5.1 Digitalanlage klingt daneben wie eine rostige Blechbüchse, das können Sie mir glauben! Die Grundlage hatte ich also bereits.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das Anschließen jedoch verlief, sagen wir mal, nicht ganz rund. Doch das dachte ich mir schon. Das alte, verstaubte Ding reinigen. Ein Zwischendeck in meine Fernsehkommode einbauen. Den Receiver mühsam herausnehmen, um an die Rückseite zu gelangen. Festzustellen, dass der Plattenspieler (gibt es nicht ein kürzeres Wort dafür, verdammt, zum Beispiel Plaplayer oder so?) ein Netzgerät braucht, das ich nicht habe, obwohl ich eine ganze Kiste Netzgeräte in eben diesem Kabuff bunkere. Media Markt, 30 Euro – ich bin doch blöd – wieder daheim, Anschließen. Geht nicht. Wackelkontakt. Reciever beginnt zu spinnen. Wackelkontakt. Gemacht, alles eingebaut. Plaplayer: geht nicht. Raus damit. Öffnen. Kontakt hinbiegen. Wieder rein. Wiederholung. Wiederholung. Und nochmal Wdhg.
Und dann dreht sich der Teller. Hurra! Platten, wo sind meine alten Platten? Kabuff. Staub, Suche. Da sind sie! Welche auflegen? Zauberflöte, Humble Pie, Schlagerparade, Tom Jones?
Tom Jones! Bitte nicht schlagen, aber ich mag den alten Kerl. Das hat mit Nostalgie nur so viel zu tun, dass ich vor 46 Jahren mit einem hervorragenden Pianisten spielte, der gerne Tom Jones sang. Und ich erinnere mich gern an gute Musiker.

tom_jones-the_best_of_tom_jones_a

Also, ich lege eine LP von Tom Jones auf. Und drehe den betagten Reciever bis zur Hälfte auf. Und horche. Und da ist es wieder, dieser unverwechselbar warm-mittig klingende Sound der Röhrenanlage mit Plattenspieler, den man digital einfach nicht hinbekommt, egal was man tut. Freilich, etwas Gehör braucht man auch dazu, doch wer es hat, kann mir beipflichten: dieser Sound ist unschlagbar. Und noch etwas:
Der gute alte Tom ist ein fabelhafter Sänger, das muss man anerkennen, auch wenn man den Stil nicht mag. Und, im Gegensatz zur CD, wenn eine Platte endlich läuft, dann lässt man sie auch laufen, und springt nicht alle zehn Sekunden zum nächsten Stück, nur weil man ein Lied nicht so mag. Es ist einfach zu aufwendig: hingehen, Deckel heben, Nadel vorsichtig anfassen – aua, Kratzer! – hoffen, dass man den Anfang des nächsten Songs genau trifft… Nix Fernbedienung, nix Bluetooth und Smartphone. Nee, ich lasse es lieber laufen.
Und damit beginnt eine Art Meditation. Das Ding zwingt einen zur Ruhe. Ruhe! Abwarten können. Zuhören. Entspannen. Und plötzlich befindet man sich in einem Zustand, den man eigentlich längst vergessen hat. Entschleunigung. Ein Scheiß-Wort, aber treffend. Yoga, autogenes Training, Meditation.

yogi

Und dabei entdeckt man mehrere Dinge:
Dieser Kerl ist, wie gesagt, ein fabelhafter Sänger, mit einer kraftvollen, männlichen Stimme, die man im heutigen Pop-Business nicht findet. Mit Verlaub, die meisten Popsänger heute haben ein furchtbares, dünnes, pubertäres Gesäusel drauf, das ich nicht hören kann, echte Rockmusik mal ausgenommen. Denn dort sind noch richtige Männer – und Frauen – am Werk, keine süüüßßß (lispelnd aussprechen!) aussehende, gecastete Halbwüchsige, die von der Musik nicht die leiseste Ahnung haben… (Damit hier die Verbindung zu diesem Blog geknüpft wird!)

justin

Und aus den eben genannten Gründen sprang ich nicht auf, um etwas anderes aufzulegen, nur weil ich vielleicht zum ebenfalls guten alten Eric oder Led Zeppelin zappen möchte, lusthalber. Ich hörte die A-Seite schön geduldig zu Ende, eine knappe halbe Stunde lang. Dann drehte ich die Scheibe ehrfürchtig um – Vorsicht, Wackelkontakt, Nadelspitze! Und lehnte mich zurück. Und lernte.
Ja, als Musiker lernt man nämlich ein Leben lang, sonst ist man keiner. Von Tom Jones lernte ich – nicht erst jetzt, sondern schon damals – dass man jeden einzelnen Ton, jede Silbe so sorgfältig, so minuziös artikulieren kann, als ob das Leben davon abhinge. Darin ist er ein Meister. Und mit dieser Stimme und dieser Technik kann man Gefühle transportieren, die berühren. Das geht übrigens nicht nur beim Singen, sondern auch auf allen Instrumenten: sorgfältig spielen, präzise intonieren, der Musik Seele einhauchen.
Und so verharre ich vor meiner alten Stereoanlage, mit geschlossenen Augen, bei einer Musik, deren Hälfte mir nicht einmal zusagt, und genieße trotzdem. Und meditiere. Und lerne. Lerne vom Plattenspieler, was man von einer CD so, in dieser Intensität, nicht lernen kann.

Doppelspiel einer jungen alten Band (Don’t think twice, it’s alright…)

11024785_978868425476742_7637754367542245516_o

Primestone – eine scheinbar alte, in Wirklichkeit aber junge Band

Ja, wer uns kennt, weiß: wir sind beides, jung und alt. (Es macht Spaß, damit zu kokettieren!) Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Vorteil, weil wir eine große Bühnenerfahrung haben und Nachteil, weil eine neu gegründete Band mehrere Jahre braucht, bis sie sich etabliert. Da ist jede Hilfe willkommen! Und bei unseren letzten zwei Auftritten bekamen wir kräftige Schützenhilfe von unseren Freunden von Helter Skelter – Danke, Jungs (und 1 Mädel!)!

helter primestone

Sie fragten uns vor einigen Wochen, ob wir bereit seien, als Support mit ihnen aufzutreten. Und ob wir bereit waren! Freilich nicht nur, weil wir wussten, zu ihnen kommen mehrere Tausend Leute, und dieser Umstand eine hervorragende Reklame für unsere junge/alte Band ist, sondern weil sie wirklich eine großartige Band sind, und vor ihnen aufzutreten (und zu bestehen) eine große Herausforderung ist.

11225097_978870138809904_4063152936589318124_o (1)

Bestehen wir vor einem Publikum, dass eigentlich wegen HS da ist?

Der erste gemeinsame Auftritt fand am 4.7.15 in Ulm statt: es war eine Jubiläumsfeier der Firma EVO Busse. Bei brütender Hitze bauten wir auf in der großen Werkhalle, die man zu diesem Zweck vollständig geleert hatte. Und bekamen eine Kostprobe von der Logistik von Helter Skelter (und der Fa. EVO, natürlich): es war einfach alles perfekt organisiert. Der Aufbau der großen Anlage – die Roadies arbeiteten unermüdlich seit 6 Uhr früh; das Umfeld – aufmerksame und sehr hilfsbereite Frauen und Männer von der Firma, die uns unterstützten, wo sie nur konnten; die Verpflegung – Essen und Trinken in Hülle und Fülle, sogar in einem eigens dafür gestellten, relativ kühlen Raum.

Doch nun zum Konzert: Nach sorgfältigem Soundcheck eröffneten wir den Auftritt mit unserem ersten eigenen Song We Are Primestone, den unser Wolfi für uns komponierte. Die Halle war noch nicht voll, doch das Publikum war sofort dabei, und augenblicklich auf unserer Seite. Super! Die anfängliche Spannung wich sofort. Jetzt darf ich zugeben: etwas Lampenfieber war da, (auch wenn wir alte Hasen sind – oh, schon wieder das Alter…), denn wir sind eine Clubband, und nur zu viert auf der riesigen Bühne…

erkheim1

Zu viert auf der riesigen Bühne…

Und wir rockten! Bei der infernalen Hitze floss der Schweiß in unsere Augen, die Hände klebten an den Instrumenten, aber das war egal, denn es fühlte sich großartig an. Und während wir spielten, strömten die Menschen herein, es wurden immer mehr… und als Wolfi nach einer dreiviertel Stunde zur Schlusssequenz von Davy’s On The Road Again ansetzte, sangen sie mit, und wollten anschießend ZUGABE! ZUGABE!

11713935_978870415476543_7279075169007712883_o

Wolli’s on the road again!

Und obwohl wir diesen Wunsch aus Zeitgründen nicht erfüllen konnten, genossen wir die Reaktion des Publikums sehr, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man von einer Vorband Zugabe will.

887581_978869128810005_3724744076886425362_o

Two Animals rock the stage!

Anschließend mischten wir uns unter das Volk, empfingen Komplimente, und als Helter Skelter loslegte, feierten wir mit, denn diese Band ist wirklich Spitzenklasse, das kann ich euch sagen!

evobus_14

Helter Skelter bei EVO

Sechs Tage später. Wieder sind wir Vorband von Helter Skelter, diesmal vielleicht sogar wichtiger als letzte Woche, denn es ist ein Heimspiel – Erkheim – und öffentlich: es ist der 50. Erkheimer Volksfest.

Erkheimer-Volksfest

Der Ablauf im Vorfeld ist ähnlich professionell wie beim letzten Mal. Dann stehen wir auf der Bühne im riesigen Zelt, die Plätze vor uns ordentlich besetzt, und legen los. Wir haben unser Programm geringfügig geändert – es ist gar nicht leicht, die Songs zusammenzustellen, die uns in 45 Minuten repräsentieren sollen – und spielen uns den Leib aus der Seele – oder umgekehrt, wenn ihr wollt… Denn bei einem so kurzen Auftritt hat man kein Sicherheitsdenken im Kopf, die Kraft muss nicht für vier Stunden reichen, man kann fetzen, was das Zeug hält, und das machen wir auch. Es ist gigantisch, wenn man nur das spielt, was man liebt, und das jeder von uns, denn wir haben schon bei der Gründung der Band beschlossen, nur Songs zu spielen, die jedem von uns uneingeschränkt gefallen. Und das Erkheimer Publikum spürt das, feuert uns vom Anfang an an (an an? An an an!!), es ist großartig, wenn man als Vorband so gut ankommt. Und als die letzten Töne erklingen, wollen die „Zugabe!“-Rufe nicht enden, es ist unglaublich.

11741212_978868678810050_4683543692270375238_o

How does it feel?… wenn das Publikum ZUGABE ruft? Fäntästik!

Fazit im Nachhinein: der Auftritt als Support war eine sehr interessante – und positive – Erfahrung. Vor allem der Zwang, die zu spielenden Songs so auszuwählen, dass sie nicht nur unser Konzept und Können ausdrücken, sondern auch noch ein in sich stimmiges Ganzes bilden. Gar nicht leicht! Und zu erfahren, wie viel Konzentration es erfordert, ein technisch anspruchsvolles Lied am Anfang des Programms mit der gleichen Qualität abzuliefern, wie bei einem 3-Stunden-Gig erst in der zweiten Stunde, gut aufgewärmt und freigespielt. Und, und, und… Eine tolle Erfahrung, die wir nicht missen wollen.

10995610_978869265476658_8170599457494577588_o

Wolfis Hemd hält dem technischen Anspruch stand…

Noch etwas. Helter Skelter. Wenn man mitten im Publikum steht, hat man keine Ahnung, was hinter dem Ganzen steckt. Man sieht die Lichter, hört die Musik. Dass die Jungs kolossal gut sind, weiß man bereits. Was man nicht weiß, welche Arbeit dahinter steckt. Es gehört mehr als nur Fleiß und Organisationsfähigkeit dazu. Um eine Show in dieser Qualität abzuliefern, muss man besessen sein
Die riesige Anlage. Das Lichtequipment. Die Anzahl der Instrumente. Die Werbung. Die ganze Logistik. Der Zeitaufwand. Risiken eigehen. Wasweißich. Und nochmal wasweißich.

40-DSC_1623-468x311

Besessen…

Also, wer das in dieser Größenordnung betreibt, muss tatsächlich besessen sein. Alles muss stimmen. Nichts darf schiefgehen. Und vor allem: der Wille, das in dieser Dimension durchzuführen, muss da sein. Da muss man innerlich brennen, das kann man nicht mit geschäftlichem Kalkül planen, denn bei dem Aufwand ist es gar kein so großes Geschäft. Nein, das geht nur, wenn man es bedingungslos liebt, und bereit ist, dafür körperlich, seelisch, geistig, und auch finanziell, alles zu geben.
Ich glaube, wir bleiben doch eine Clubband.
Oder??

11722309_978870178809900_342334357849128588_o

Besessen…

Verdamp lang her??

So verdamp lang her ist es nicht, seit wir dieses Lied beim letzten Mal in Inning spielten: im September 2014. Und es wird auch nicht verdamp lang dauern, bis wir wieder dort sind, denn nicht nur das Publikum war begeistert, sondern auch das Spectacel-Team: Im Februar kommen wir wieder! Doch von vorne – oder noch weiter zurück, denn wir auch am Samstag davor einen Auftritt hatten, von dem ich noch nicht berichtete. Also, vom Anfang an:

11262395_955574837806101_8663850530964336618_o

Rock Cafe Augsburg, 30.5.2015. Was für ein Laden! Angesichts der Ausstattung könnte manch etabliertes Hard Rock Cafe vor Neid erblassen: Autenthizität überall, und eine geräumige Bühne, auf der sogar Flogge mit seinem wichtigsten Instrument, dem unvermeidlichen Teppich Platz hat! Entsprechend launig rocken wir los, obwohl noch nicht viel los ist: tolles Wetter, gegenüber das Spectrum, Pfingstferien – und natürlich wieder einmal Fußball. DFB-Pokal Doofmund-Wolfsburg, was uns aber schnurzegal ist. Und wir haben Unterstützung: Andinger und Eberhard, unsere alten Kumpels sind da, und kurz darauf erscheinen auch einige Fans aus der Brauerei 1516 – Primestone legt den Grundstein für eine solide Fangemeinde! Und Augsburg rockt, das wissen wir mittlerweile.

11201824_835736293178803_8035485705053590314_n

Andinger!!

Wir haben sogar eine Uraufführung: Wolfi schrieb den Song „We Are Primestone“, einen fetzigen Shuffle, den wir sogar zweimal spielen. Das Publikum ist begeistert, und das ist etwas besonderes, denn selbst gemachte Songs kommen in der Regel nicht gut an – es sei man hat bereits viele Fans…

11313013_955575337806051_2720216297891387393_o

Die Fans aus der Brauerei 1516

Auch das Rock-Cafe -Team ist begeistert, obwohl der Laden nicht voll ist. Überhaupt, sie sind sehr nett zu uns, richtig liebenswürdig: Gell, ihr kommt wieder?! Aber sicher!

11220880_835740839845015_1661825337331336358_n

Von links: Wolfi, Flogges Animal, Pätär

11391330_835736516512114_5533919538900567522_n

Auf dieser Bühne hat sogar Flogges Teppich Platz!

Nächster Auftritt:

11412329_958384564191795_1527786450881938282_n

Sechs Tage später, am Freitag, den 5.6.15 im Spectacel Inning. Auch hier sind die Vorzeichen nicht gut: Kaiserwetter, Affenhitze + ein großes Festival in der Nähe. Doch all das ist uns egal, denn auch hier haben wir mittlerweile eine solide Fangemeinde! Die meisten, die kommen, begrüßen uns persönlich und sagen, sie hätten schon auf uns gewartet, so gut hatten wir ihnen im letzten Jahr gefallen. Ein toller Empfang, auch das Team – Paul, Martin und Gabi – begrüßt uns freudig und sehr herzlich. Bei hervorragendem Flammkuchen und viel alkoholfreiem (und geben wir zu: auch einiges an alkoholunfreiem!) Bier lassen wir es uns gut gehen, bei der Hitze verständlich. Und auch sonst.

11391771_958384354191816_8592961311471909236_n

Falls jemand sein Instrument vergisst…

Dann beginnen wir. Die Stimmung steht augenblicklich, wir brauchen dem Publikum gar nicht einzuheizen, nicht nur wegen des Wetters… So macht das Spaß! Dabei ist es richtig anstrengend: es herrscht im Lokal eine schwüle Hitze, mein Schweiß fließt von der Stirn ins Auge, brennt, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit (und keine Hand frei), denn wir fetzen wie die Teufel. Apropos Teufel, ich werde nie verstehen, warum man Rockmusik immer mit dem Antichrist in verbindung bringt, denn Musik ist immer göttlich, selbst dann, wenn gewisse Herrschaften sich dabei Hörner aufsetzen… Und über die martialisch aussehende und teuflische Symbole benutzende Heavy-Fraktion muss ich immer schmunzeln, denn das sind in Wirklichkeit lammfromme Burschen (und Mädels) und können keiner Fliege den Flügel krümmen. Aber gut. Das Auge singt auch mit, heißt es…
Übrigens, manchmal zahlt sich das aus, denn die einzige Band, die an fünf Orten gleichzeitig auftreten kann, ist Slipknot, mit ihren Masken. Wer weiß schon, wer dahinter steckt?

Holger Hofmanns Foto

Ohne Masken…

Zurück zu Primestone! Wie schon gesagt: Hitze. Die Hand klebt an der Gitarre, und die Läufe gelingen manchmal nicht, aber das ist jetzt egal, denn die Stimmung ist wichtiger! Wolfi ist gut bei Stimme, nur muss er vor jedem Lied einen kräftigen Schluck nehmen, auch dann, wenn Wolli und ich singen: das ist verdächtig… Lassen wir ihm den Spaß!

11401311_958385014191750_7697407812059313314_n

Wolfi hat seine Kehle befeuchtet…

11430136_958385067525078_248360344918867801_n

…weil Peter singt.

Und dieses Publikum ist unübertroffen. Bei einer gut gelungenen Gesangseinlage oder einer Improvisation bekommen wir sogar mitten im Stück Szenenapplaus, was sonst nur im Jazz üblich ist. Und zum Ende der zweiten Runde kündigen wir Wolfis Primestone-Song an. Riesiger Erfolg! Und so geht es weiter, bis wir nach vier Stunden die letzte (und danach die allerletze) Zugabe spielen: nach längerer Zeit wieder einmal Hey Jude. Und da geschieht etwas Besonderes: die Leute kommen alle nach vorne zu uns, singen mit und wollen gar nicht aufhören… Wir sind im siebten Himmel.

11423392_958384974191754_471434785274114563_n

Wolli im siebten Himmel

Dieses Publikum! In den Pausen wurden wir abgefangen, unsere Hände geschüttelt, umarmt, es hagelte Komplimente. Eine reife Dame – nicht so reif wie ich! – erzählte in einem Atemzug vom letzten ACDC-Konzert und von ihren Enkelkindern. Eine andere küsste uns ungeniert ab. Und nach Schluss konnte es von Packen und Gehen keine Rede sein, das ließen die Fans nicht zu. Es wurde sehr, sehr spät; und jede Minute hat sich gelohnt!

11401405_958384544191797_5168667092652530485_n

Schrumpf-Flogge oder Riesengitarre?

P.S. Danke, Publikum, danke, Paul, Gabi, Martin! Und ein Extra-Dank an Holger Hoffmann, der uns foto- und videografiert hat!! Und wie bereits gesagt: im Februar kommen wir wieder!

Doppelpack Nr. 2

11081206_925378670825718_8128919418616544664_n

Und schon wieder ein Doppelpack, nur unter besserem Vorzeichen! Denn wir spielten am 27.3. im Keller Seifertshofen und am 1.4. (April, April!) in der Brauerei 1516 in Augsburg.
Keller? Natürlich nicht, der Saal ist im ersten Stock der großen Wirtschaft. Die Besitzer sind Horst und Fredl Keller, und sind sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Betragen ähnlich: nämlich supernett! Wir sind das erste Mal da, und dementsprechend ist nicht sehr viel los, damit haben wir gerechnet. Doch mehrere Freunde und Bekannte tauchen auf, zu unserer großen Freude: Tina Lutz mit Tochter – wer ist jünger? Ich kann es nicht feststellen!; Gerhard Duyle, der größte Tausendsassa weltweit (über ihn berichtete ich bereits in meinem anderen Blog!) mit Jolanta; Benny Hiller, der wie immer, wenn er dabei ist, beim Aufbauen hilft und tolle Fotos macht (siehe hier!); der unverwüstliche Pesa; Otto Klösel, der berühmt-berüchtigte Drummer der ersten Stunde mit Betty; und, und, und…

11074480_925378864159032_8924792742325127895_n

So ist vom Anfang an eine tolle Stimmung in der Bude. Wir feuern aus allen Rohren, als ob tausend Leute da wären, und so fühlt es sich auch an, denn die Tanzfläche vor uns ist voll. Wenn wir hier eine erweiterte Probeeinheit erwarteten, dann sollten wir uns irren, denn es ist ein waschechtes Konzert, ohne Wenn und Aber. Wir feiern, und das Publikum mit uns. Denn wie sagte ein Freund aus Österreich mal zu mir? „Jo hearst, wos hot man sonst im Leeebn, außer dem büßchen Fääieern?“ Der Ami würde sagen: we had a good time together – und das ist der Punkt. Was sage ich: Eckpunkt! Die Keller-Brüder sind entzückt (wir auch von ihnen), und planen mit uns ein Open Air-Sommerfest. Und wir sind zu allen Schandtaten bereit!

11102768_925376384159280_2129862771047078116_n

Und gleich einige Tage später: Brauerei 1516 in Augsburg, die tolle Rock-Kneipe, der man das von außen gar nicht ansieht. Direkt im Bahnhofsgebäude, am Tag voll von Reisenden, Durstigen und Hungrigen. Doch am Donnerstagabend verwandelt sich die brave Gaststätte zur Rock-Hölle. Insider wissen das und kommen aus aller Welt. Wie auch an diesem Mittwoch.

11041820_928106177219634_5300446579790574522_n

Ja, Mittwoch, denn am Gründonnerstag ist in Augsburg Musikverbot, und so stehen wir an diesem Tag auf der Bühne und hoffen, dass das Publikum trotzdem kommen würde. Und wir werden nicht enttäuscht: es kommt. Wir sind nicht zum ersten Mal hier: letztes Jahr am 3. April hatten wir schon mal die Ehre, und auch damals war es gigantisch. Wie jetzt auch. Ein fachkundiges, sensibles, begeistertes Publikum treibt uns zur Höchstleistung, und richtig euphorisch absolvieren wir das Konzert, dass die Wände wackeln! Und das, obwohl unser Wolfi am Vormittag eine Zahn-OP hatte. Der Kerl ist einfach unverwüstlich. Doch er ist nicht allein: letztes Jahr waren Wolli und ich hier angeschlagen. Doch einen echten Rocker härtet das nur ab: und wenn der Körper voller Adrenalin ist, merkt man von irgendwelchen Gebrechen sowieso nix!

11112940_928106530552932_7934580287989036170_n

Auch hier trafen wir auf Freunde: aus Burgau kamen alte Fans, die uns prompt ein Konzert dort versprachen – wir kommen sehr gerne! Und aus mehreren Mündern hörten wir Komplimente wie dieses: „Ihr macht etwas ganz anderes als die anderen Rockbands, sonst hört man hier jede Woche das Gleiche!“ Augsburg, du schöne Stadt, du wirst uns immer sympathischer! So sehr, dass wir am 30. Mai wieder hier spielen werden: im Rock-Café.

10628510_928107863886132_1863484802229449833_n

Wochenende 6.-7. März 2015: wie eine Wechseldusche…

Letztes Wochenende hatten wir ein Doppelspiel, das ich Wechseldusche nenne, denn es war tatsächlich eine, wenn auch nicht wörtlich. Nicht jedes Spiel kann ein Erfolg sein, vor allem wenn die Band noch keinen großen Namen hat. Aus diesem Grund werde ich das Lokal, in dem der erste Auftritt stattfand, auch nicht nennen. Es genügt, wenn ich verrate, dass es weit außerhalb unseres bisherigen Wirkungskreises lag. Wir hatten bereits dort gespielt, und die Direktion rief uns extra an und bat um einen erneuten Auftritt, an ihr lag es also nicht. An uns ebenfalls nicht, meine ich, denn wir gaben unser Bestes. Am Publikum auch nicht, denn sie verstanden uns einfach nicht, und dafür können sie nix. Doch von vorne:

katzen-moegen-kein-wasser-von-wegen_11

Wechseldusche gefälligst?

Eine riesige Bühne, groß wie ein Schwimmbecken im Freibad. Noch weiß ich nicht, wie stimmig die Allegorie ist, denn wir werden baden gehen… Doch der Sound, den Sven uns zaubert, ist großartig. Wir beginnen. An die 20 Leute haben sich in den riesigen Saal verirrt, und sie kommen sofort auf die Tanzfläche, und tanzen einen munteren Foxtrott – während wir Gimme Some Lovin’ spielen. Im Internet stand zwar etwas von einem Classic-Rock-Konzert, doch das Volk nimmt es nicht ganz ernst, und tanzt auf Santana Chachacha, was wenigstens ansatzweise stimmt. Und die Schar der Besucher wächst stetig, auf mindestens 60 Personen, bei einer Kapazität von etwa 1000… Bei Beatles und Supertramp sind sie noch munter, doch auf Baker Street, sonst unser größter Reißer, folg nur ein lahmer Applaus, und bei Cream verlassen sie fluchtartig die Tanzfläche.

10625082_766649616743692_217099872957309763_n

Baden gegangen…

Doch wie es heißt, kalte Dusche härtet ab, und so ist es auch: wir rocken, dass die Wände wackeln! Der stellvertreternde Chef schmeißt eine Runde, die Bedienungen fallen uns um den Hals (wenigstens etwas Positives!) – also was den Laden betrifft, können wir uns nicht beklagen. Nur das Publikum ist wie eine schlechte Ehefrau: liebt uns zwar, versteht uns jedoch nicht die Bohne. Kaum dass wir richtig rockig werden – Crossroads, usw. – laufen sie uns weg. Bei den richtigen Gassenhauern dagegen, die sogar Foxtrott- und Rumba-Fans kennen, wie Honky Tonk Women oder Smoke On The Water (schon wieder Wasser…), zappeln sie vor uns wieder. Lauwarm…

frumba

Foxtrott auf Rolling Stones…

Die Band ist frustriert, klar. Doch auch die kälteste Dusche trocknet irgendwann aus. Die Moral der Geschicht’: solange man auf der Bühne ist, muss man trotzdem lächeln. Und: wir müssen uns mit kleinen Schritten einen guten Ruf, ein größeres Stammpublikum erkämpfen, um eigene Veranstaltungen organisieren zu können. Dann können wir nämlich auch die Werbung in die eigene Hand nehmen, um das für uns richtige Publikum anzulocken. Denn, um im Wasser zu bleiben: mit dem Strom schwimmen und Sachen wie Rockin’ All Over The World spielen werden wir nicht, das ist sicher.

Nächster Tag, im KT’s Irish Pub in Bad Wörishofen. Bad Wörishofen, sad Wörishofen, mad…? Nee, wir bleiben beim Wasser-Vergleich! Kommt noch eine kalte Dusche, oder wird sie diesmal warm, zur Abwechslung, für unsere (seelische) Gesundheit? Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: mit Pubs haben wir bisher sehr gute Erfahrungen, und die Stimme der Besitzerin klang nett. Wir sind guter Hoffnung…

10426685_792658894153210_4289594962594473038_n

Wolli ist guter Hoffnung…

die dann bei Weitem übertroffen wird! Ein blitzsauberer, netter, gemütlicher Laden, die Chefin nicht nur nett, sondern auch noch jung und attraktiv, wie ihre Mutter auch, und die drei Bedienungen sind zusammen nicht so alt wie ich. Pärfäkt! Dazu fällt mir leider wirklich kein Wasser- oder Dusche-Vergleich ein!

10408056_808370012575764_2589407913170014535_n

Groß genug für Flogge?

Macht nix. Wir rocken, und diesmal ist das Publikum die beste Ehefrau aller Zeiten: nicht nur unsere Fans, mit Andinger an der Spitze, sondern sogar das Jungvolk, mit dem wir eigentlich gemischte Erfahrungen haben. An einem Tisch vor uns sitzen junge Leute, die uns zunächst ignorieren und herumschreien, doch irgendwann sind sie dann ganz still. Wir haben sie bekehrt! In den Pausen bekommen wir sogar Komplimente von ihnen!

11046180_792658860819880_8288303679648874235_n

Bereits durchgeschwitzt?

Dann ist Schluss. Wir trocknen uns ab, nicht nur wegen der diesmal warmen Dusche, sondern weil wir buchstäblich durchgeschwitzt sind. Es war ein hartes und lehrreiches Wochenende, wechselhaft, was die Dusche betrifft. Und baden gegangen sind wir nicht!

katzen-moegen-kein-wasser-von-wegen_22