Nachruf für Mini Weiß

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Ein Freund ist gegangen. Nicht der erste in meinem Leben, auch nicht der erste Musiker, mit denen ich je spielte, aber als der Vorletzte (Franz Bail, ebenfalls Urwerk-Mitglied) ging, gab es den Blog noch nicht. Und ich empfinde es als Pflicht, hier nicht nur über unsere Primestone-Erlebnisse, größtenteils heiter und positiv, zu berichten, sondern auch über die traurigen Geschehnisse in unserem Umfeld: ganz besonders über dieses Geschehnis.img_0524 Fotos: Mini Weiß mit Urwerk40

Wenn jemand stirbt, löst das sehr unterschiedliche Gefühle in mir aus. Wenn ich ihn nicht kenne, lässt es mich ziemlich kalt – sonst würde man verrückt bei all den Toten, über die man täglich hört. Doch wenn ich ihn kenne, sind die Gefühle vielschichtig, je nachdem, ob flüchtiger Bekannte, guter Freund, Kollege, ob unsere Begegnungen überwiegend positiv oder negativ waren… Das ist normal, so kennt es jeder, glaube ich.

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Und je älter man ist, desto häufiger erlebt er, dass jemand in seinem Umfeld stirbt. Auch das ist normal, denn niemand lebt ewig, und das Umfeld altert mit einem. Nur, es ist nicht gleich, wer es ist und wie alt. Mich persönlich trifft am meisten, wenn der Tod jemanden ereilt, der jünger ist als ich. Das empfinde ich als ungerecht, obwohl ich selbstverständlich weiß, dass es unvermeidlich ist. Doch so ist es nun mal.

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In den letzten Jahren starben in meinem Verwandtschaft und Freundeskreis erschreckend viele, die jünger waren als ich. Zu denen gehört nun mein Musikerkollege und Freund Mini Weiß.
Mini lernte ich 1989 kennen, als wir Fireball gründeten. Dann folgte eine längere Pause, wir verloren uns aus den Augen, bis 2007, als ich bei Urwerk40 einstieg. Auch als ich Primestone gründete und Urwerk verließ, blieben wir in Kontakt, bis ich letztes Jahr von seinem Schlaganfall hörte. Ich wollte ihn besuchen, aber zwei Todesfälle in meiner Familie beschäftigten und berührten mich so stark, dass ich den Besuch immer wieder hinauszögerte.

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Und jetzt geht das nicht mehr, wofür ich mir Vorwürfe mache. Doch meine Empfindlichkeiten spielen hier keine Rolle. Mini war elf Jahre jünger als ich! Das ist das eigentlich Ungerechte, nicht der Tod selbst. Wenn man wenigstens sagen könnte, dass er selbst schuld war, aber nicht einmal das. Er lebte gesund, trank nicht, rauchte nicht, hatte eine tolle Familie, Freunde… Das Leben ist nicht fair, sang Grönemeyer vor Jahren.

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Trauer hat viele Gesichter. Oft ist Eigenliebe, Egoismus dabei, auch Heuchelei, manchmal sogar Erleichterung. Sterben die Eltern, der Lebenspartner, oder noch schlimmer das eigene Kind, ist jede Variante der Trauer erlaubt. Stirbt ein Musikerkollege, sind andere Gefühle im Spiel. Der Verlustschmerz ist vielleicht nicht so stark, aber trotzdem ist die pure Trauer da, denn jeder, der aus diesem sehr stark bindendem Umfeld für immer fehlt, hinterlässt eine große Lücke. Wenn man mit jemand zusammen Musik macht, entsteht eine starke Verbindung, die nur ein Musiker nachvollziehen kann; vielleicht ist das beim Bergkletterern oder beim Militär ähnlich, dort, wo man besonders aufeinander angewiesen ist. Beim Musizieren ist es, glaube ich, noch stärker. Dabei entsteht eine magische Atmosphäre, die mit nichts anderem vergleichbar ist. Sich gegenseitig durch musikalische Töne zu verständigen ist ein Privileg und eine Ehre, und darüber hinaus ein so starkes Gefühl der Verbundenheit, dass man es nicht mit Worten ausdrücken kann. Ich bin ziemlich vergesslich, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich mich an jeden erinnere, mit dem ich je auf einer Bühne stand, und das sind immerhin 52 Jahre.

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Mini, ich habe mich absichtlich gehütet, über deine menschlichen Eigenschaften zu sprechen, denn das fände ich so trivial und unwichtig, dass es nicht der Rede wert ist. Und nicht etwa weil ich nichts Schlechtes sagen wollte. Nein, über dich könnte ich nur Gutes sagen. Doch will in diesem Nachruf alles vermeiden, was trivial ist. Und das einzig Wichtige ist, dass wir dich niemals vergessen werden.

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Wow! Wow! WOWWW!!! Was für ein Abend!

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Wow! Wow! WOWWW!!!
Was für ein Abend, was für ein Auftritt! Was für Atmosphäre, was für Publikum! Welche Ambiente!
Und so könnte ich fortsetzen, immer noch euphorisch, einen Tag später. Ja, Freunde (und Freundinnen, political Correctness…), das Jahr hat ungefähr 365 Tage, das Leben … Jahre (bitte Wunschalter eintragen!), und wie viele Stunden und Tage vergisst man? Seht ihr. Diese Tatsache ist unabhängig von Schulbildung, Karriere, Geld und sonstwas. Doch es gibt Tage, die man nie mehr vergisst. Der erste Schultag. Die Kommunion (oder wasweißich, bitte einfach dazudenken!). Die Hochzeit. Die zweite Hochzeit. Die dritte… Mahlzeit nach dem Ramadan. (Langsam werde ich wahnsinnig bei soviel Korrektheit!!). Und so fort.

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Was ich damit sagen will: es gibt Tage, die so vollkommen sind, dass man sie nicht vergisst. Und ich glaube mit gutem Gewissen behaupten und dies gegegenebenfalls (Schreibfehler sind beabsichtigt und dienen der Ironie!) vor Zeugen eidessstattlich versichern zu können, dass dieser Tag zu jenen gehört.

Vor Jahren flog ich mit meiner Frau nach London, nur um ein Konzert in der Royal Albert Hall mit Eric Clapton su sehen. Manche meinten, ich sei verrückt, für ein einziges Konzert all inclusive 800 DM (!) auszugeben. Doch wieviel Geld gibt man jeden Tag aus, um diese Tage dann einfach zu vergessen? Dieses Konzert vergesse ich meinen Lebtag lang nicht, und das ist wohl eine Menge Geld wert.

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Und um so mehr gilt das, wenn der unvergessliche Tag nicht einen Pfennig (jawoll, Pfennig!) kostet. Möglicherweise bleibt sogar etwas hängen, wenn Jens gnädig mit uns ist. Aber das ist nicht der Punkt, sondern dass dieser Tag optimal war, optimaler geht es vielleicht gar nicht. Warum wohl?
Es war nicht einfach ein Primestone-Konzert, sondern der 10. Jahrestag vom Fiddler’s Green in Pfaffenhofen/Roth. Und Jens und Team war es gelungen, ein Fest der Superklasse zu zaubern.

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Am Anfang war… das Wetter. Es war trotz aller Unkenrufe und Regentropfen gnädig, nicht zu warm, nicht zu kalt, gerade ideal. Dann kamen die Groovies, eine Zwei-Mann Band, bestehend aus Eberhard und Heinz, seines Zeichens Hauptverantwortlicher für die Existenz von Jens, was für ein Glück für uns… Zu unserem großen Vergnügen mischten sie irische Folklore mit Evergereens, die sie mit beneidenswertem Enthusiasmus zum Besten gaben.

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Nach ihnen kamen die Männer von Primestone. Gestärkt vom guten Essen und freilich/reichlich Guinness rockten wir los, in dieser fantastischen Umgebung. Die Bühne stand im Hof von Fiddler’s, unter dem riesigen Walnussbaum. Und alles war voller Menschen, die Straße, der Pub, der Hof… Durch die Groovies angestachelt, war die Stimmung auch sofort da: es ist schon toll, wenn mehrere Bands hintereinander auftreten, vor allem wenn nicht alle im gleichen Stil spielen. So kam unser mit Blues, Reggae, Funk und Soul gespickter Classic Rock tierisch an, wir ernteten nach jedem einzelnen Song frenetischen Applaus.

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Und wir gaben alles. Unsere Spielzeit betrug lediglich 105 Minuten, die wir am Stück durchzogen, und so mussten wir nicht mit den Kräften sparen, weder beim Gesang noch mit den Instrumenten. Aus allen Rohren feuernd (was für ein Vergleich, dabei bin ich Beinahe-Pazifist…) verausgabten wir uns völlig, während langsam dunkel und die Menge vor uns immer größer wurde. Wolfi röhrte mit krebsrotem Schädel ins Mikro, Wolli bearbeitete die unzähligen Tasten wie ein Berserker, und Flogge, The Animal übertraf sich selbst, obwohl er seinen geliebten Teppich nicht dabei hatte, und der Herr Kaschper (das bin ich!) wechselte seine Waffen schneller als John Wayne… Die Reaktion des sehr gemischten Publikums war überwältigend, und so schaukelte sich die Stimmung bis zur Euphorie hoch, es war einfach der Wahnsinn, und ich übertreibe nicht, fragt doch jene, die dabei waren!

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Wolfi röhrt mit krebsrotem…

Was mir sehr positiv auffiel: die Leute honorierten gerade die Songs am meisten, die wir abweichend vom Original spielten: Knockin’ On Heaven’s Door, California Dreamin’, Lonesome Loser usw. Dieser Umstand beweist zweierlei: dass wir den richtigen Weg gehen, und dass Jens’ Stammpublikum sachverständig ist – aber das wussten wir schon von unseren früheren Konzerten hier!

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Ein früheres Konzert hier

Im fliegenden Wechsel ging es anschließend weiter: vorne an der Straße spielten Miller Malone irische Folklore. Leider konnten wir sie nicht anhören, obwohl wir wussten, dass sie sehr gut sind: wir mussten in Windeseile unsere Sachen von der Bühne räumen, denn nach uns kam Jens’ eigene Band: The Cash.

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The Cash!

Stylish gekleidet gaben sie zu neunt (!) ein tolles Konzert mit Rock’ n Roll, Soul und Jazz. Frontfrau Jasmin Bihr wirbelte in Petticoats über die Bühne. Ihre Interpretation von Jailhouse Rock, Son Of A Preacher Man usw. war hervorragend, verstärkt durch die Bläsergruppe. Und während wir uns den Weg durch die dichte Menschenmenge bahnten – wir mussten ja unsere Sachen in den Autos verstauen – fiel mir etwas auf.

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the Primestone – a different perspectivity

Anfang der Neunziger, als ich bei Fireball spielte – eine ganz ähnliche Musik – war das ganz anders. Nach den Konzerten schleppten wir unsere Instrumente in den mit Menschen prall gefüllten Zelten mühsam zum Ausgang, und jedes Mal, wirklich jedes Mal wurden wir von besoffenen Männern daran gehindert, sie gaben nicht nur den Weg nicht frei, sie pöbelten uns sogar an, stellten uns ein Bein, fassten nach unseren Instrumenten. Es war zum Verzweifeln, und brachte mich damals beinahe dazu, mit dem Ganzen aufzuhören. Hier dagegen öffnete sich die Menge freiwillig, die Leute entschuldigten sich sogar, wenn wir sie zufällig anrempelten. Dabei war die Masse so dicht, man kam wirklich kaum durch. Auch das zeigt die positive, friedliche Stimmung des Fiddlers-Publikums, die wesentlich dazu beitrug, diesen Abend unvergesslich zu machen. Danke, Jens und Team, danke, Publikum; wir kommen wieder!

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Plattenspieler: Kultobjekt zum Meditieren und Lernen

Ich weiß, dieser Artikel hat recht wenig mit Primestone zu tun. Aber mit Musik. Mit dem guten alten, altmodischen Hören von Musik im 20. Jahrhundert, als es noch nicht so viel Stress, Hektik und vor allem keine digitalen Tonträger gab.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: ich vergehe hier nicht vor lauter Nostalgie. Nur, wie fast jede Epoche, hat auch jene von den 50-ern bis zu den späten 80-ern ihr Gutes. Auch in der Musik. Und darüber möchte ich einige Worte (und vielleicht sogar Sätze) verlieren.
Es war wieder einmal Zeit, meinen ollen Kabuff zu entrümpeln. Dort sammelten sich im Laufe der letzten Jahre diverse Möbelstücke, Bücher, Kleidung, nicht benötigter technischer Kram. Dabei fiel mir mein uralter Dual-Plattenspieler, den ich bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr wahrgenommen habe, in die Hände.

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Plattenspieler! Zwar hörte ich schon oft, Platten seien wieder trendy, aber von so etwas lasse ich mich nicht beeinflussen, sonst würde ich auch bis zum Knie heruntergelassene Hosen, mittelalterlich anmutende Kapuzen und ferrarirote Schuhe tragen. Ein Bild für die Götter, in meinem Alter… Nein, nein. Nur, ich erinnerte mich an den typisch warmen Klang der Platten, so frei von zischenden Hochtönen und dröhnenden Bässen, wie sie heute so „in“ sind, aber mit sonoren Mitten, weichen Höhen und knurrendem, sauberem Bass. Ich wurde neugiereig. Ich habe zwar einen tollen Flachbildfernseher, aber dessen Ton ist so grauslig, dass ich ihn in meine Stereoanlage integriert habe: zwei riesige Celestion-Hifi-Boxen (gebraucht, 250 Juros), von einem mindestens 35 Jahre alten Receiver von Harman Kardon (selbstverständlich Röhren, Ebay für’n Huni!) angetrieben. Die modernste 5.1 Digitalanlage klingt daneben wie eine rostige Blechbüchse, das können Sie mir glauben! Die Grundlage hatte ich also bereits.

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Das Anschließen jedoch verlief, sagen wir mal, nicht ganz rund. Doch das dachte ich mir schon. Das alte, verstaubte Ding reinigen. Ein Zwischendeck in meine Fernsehkommode einbauen. Den Receiver mühsam herausnehmen, um an die Rückseite zu gelangen. Festzustellen, dass der Plattenspieler (gibt es nicht ein kürzeres Wort dafür, verdammt, zum Beispiel Plaplayer oder so?) ein Netzgerät braucht, das ich nicht habe, obwohl ich eine ganze Kiste Netzgeräte in eben diesem Kabuff bunkere. Media Markt, 30 Euro – ich bin doch blöd – wieder daheim, Anschließen. Geht nicht. Wackelkontakt. Reciever beginnt zu spinnen. Wackelkontakt. Gemacht, alles eingebaut. Plaplayer: geht nicht. Raus damit. Öffnen. Kontakt hinbiegen. Wieder rein. Wiederholung. Wiederholung. Und nochmal Wdhg.
Und dann dreht sich der Teller. Hurra! Platten, wo sind meine alten Platten? Kabuff. Staub, Suche. Da sind sie! Welche auflegen? Zauberflöte, Humble Pie, Schlagerparade, Tom Jones?
Tom Jones! Bitte nicht schlagen, aber ich mag den alten Kerl. Das hat mit Nostalgie nur so viel zu tun, dass ich vor 46 Jahren mit einem hervorragenden Pianisten spielte, der gerne Tom Jones sang. Und ich erinnere mich gern an gute Musiker.

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Also, ich lege eine LP von Tom Jones auf. Und drehe den betagten Reciever bis zur Hälfte auf. Und horche. Und da ist es wieder, dieser unverwechselbar warm-mittig klingende Sound der Röhrenanlage mit Plattenspieler, den man digital einfach nicht hinbekommt, egal was man tut. Freilich, etwas Gehör braucht man auch dazu, doch wer es hat, kann mir beipflichten: dieser Sound ist unschlagbar. Und noch etwas:
Der gute alte Tom ist ein fabelhafter Sänger, das muss man anerkennen, auch wenn man den Stil nicht mag. Und, im Gegensatz zur CD, wenn eine Platte endlich läuft, dann lässt man sie auch laufen, und springt nicht alle zehn Sekunden zum nächsten Stück, nur weil man ein Lied nicht so mag. Es ist einfach zu aufwendig: hingehen, Deckel heben, Nadel vorsichtig anfassen – aua, Kratzer! – hoffen, dass man den Anfang des nächsten Songs genau trifft… Nix Fernbedienung, nix Bluetooth und Smartphone. Nee, ich lasse es lieber laufen.
Und damit beginnt eine Art Meditation. Das Ding zwingt einen zur Ruhe. Ruhe! Abwarten können. Zuhören. Entspannen. Und plötzlich befindet man sich in einem Zustand, den man eigentlich längst vergessen hat. Entschleunigung. Ein Scheiß-Wort, aber treffend. Yoga, autogenes Training, Meditation.

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Und dabei entdeckt man mehrere Dinge:
Dieser Kerl ist, wie gesagt, ein fabelhafter Sänger, mit einer kraftvollen, männlichen Stimme, die man im heutigen Pop-Business nicht findet. Mit Verlaub, die meisten Popsänger heute haben ein furchtbares, dünnes, pubertäres Gesäusel drauf, das ich nicht hören kann, echte Rockmusik mal ausgenommen. Denn dort sind noch richtige Männer – und Frauen – am Werk, keine süüüßßß (lispelnd aussprechen!) aussehende, gecastete Halbwüchsige, die von der Musik nicht die leiseste Ahnung haben… (Damit hier die Verbindung zu diesem Blog geknüpft wird!)

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Und aus den eben genannten Gründen sprang ich nicht auf, um etwas anderes aufzulegen, nur weil ich vielleicht zum ebenfalls guten alten Eric oder Led Zeppelin zappen möchte, lusthalber. Ich hörte die A-Seite schön geduldig zu Ende, eine knappe halbe Stunde lang. Dann drehte ich die Scheibe ehrfürchtig um – Vorsicht, Wackelkontakt, Nadelspitze! Und lehnte mich zurück. Und lernte.
Ja, als Musiker lernt man nämlich ein Leben lang, sonst ist man keiner. Von Tom Jones lernte ich – nicht erst jetzt, sondern schon damals – dass man jeden einzelnen Ton, jede Silbe so sorgfältig, so minuziös artikulieren kann, als ob das Leben davon abhinge. Darin ist er ein Meister. Und mit dieser Stimme und dieser Technik kann man Gefühle transportieren, die berühren. Das geht übrigens nicht nur beim Singen, sondern auch auf allen Instrumenten: sorgfältig spielen, präzise intonieren, der Musik Seele einhauchen.
Und so verharre ich vor meiner alten Stereoanlage, mit geschlossenen Augen, bei einer Musik, deren Hälfte mir nicht einmal zusagt, und genieße trotzdem. Und meditiere. Und lerne. Lerne vom Plattenspieler, was man von einer CD so, in dieser Intensität, nicht lernen kann.

Doppelspiel einer jungen alten Band (Don’t think twice, it’s alright…)

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Primestone – eine scheinbar alte, in Wirklichkeit aber junge Band

Ja, wer uns kennt, weiß: wir sind beides, jung und alt. (Es macht Spaß, damit zu kokettieren!) Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Vorteil, weil wir eine große Bühnenerfahrung haben und Nachteil, weil eine neu gegründete Band mehrere Jahre braucht, bis sie sich etabliert. Da ist jede Hilfe willkommen! Und bei unseren letzten zwei Auftritten bekamen wir kräftige Schützenhilfe von unseren Freunden von Helter Skelter – Danke, Jungs (und 1 Mädel!)!

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Sie fragten uns vor einigen Wochen, ob wir bereit seien, als Support mit ihnen aufzutreten. Und ob wir bereit waren! Freilich nicht nur, weil wir wussten, zu ihnen kommen mehrere Tausend Leute, und dieser Umstand eine hervorragende Reklame für unsere junge/alte Band ist, sondern weil sie wirklich eine großartige Band sind, und vor ihnen aufzutreten (und zu bestehen) eine große Herausforderung ist.

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Bestehen wir vor einem Publikum, dass eigentlich wegen HS da ist?

Der erste gemeinsame Auftritt fand am 4.7.15 in Ulm statt: es war eine Jubiläumsfeier der Firma EVO Busse. Bei brütender Hitze bauten wir auf in der großen Werkhalle, die man zu diesem Zweck vollständig geleert hatte. Und bekamen eine Kostprobe von der Logistik von Helter Skelter (und der Fa. EVO, natürlich): es war einfach alles perfekt organisiert. Der Aufbau der großen Anlage – die Roadies arbeiteten unermüdlich seit 6 Uhr früh; das Umfeld – aufmerksame und sehr hilfsbereite Frauen und Männer von der Firma, die uns unterstützten, wo sie nur konnten; die Verpflegung – Essen und Trinken in Hülle und Fülle, sogar in einem eigens dafür gestellten, relativ kühlen Raum.

Doch nun zum Konzert: Nach sorgfältigem Soundcheck eröffneten wir den Auftritt mit unserem ersten eigenen Song We Are Primestone, den unser Wolfi für uns komponierte. Die Halle war noch nicht voll, doch das Publikum war sofort dabei, und augenblicklich auf unserer Seite. Super! Die anfängliche Spannung wich sofort. Jetzt darf ich zugeben: etwas Lampenfieber war da, (auch wenn wir alte Hasen sind – oh, schon wieder das Alter…), denn wir sind eine Clubband, und nur zu viert auf der riesigen Bühne…

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Zu viert auf der riesigen Bühne…

Und wir rockten! Bei der infernalen Hitze floss der Schweiß in unsere Augen, die Hände klebten an den Instrumenten, aber das war egal, denn es fühlte sich großartig an. Und während wir spielten, strömten die Menschen herein, es wurden immer mehr… und als Wolfi nach einer dreiviertel Stunde zur Schlusssequenz von Davy’s On The Road Again ansetzte, sangen sie mit, und wollten anschießend ZUGABE! ZUGABE!

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Wolli’s on the road again!

Und obwohl wir diesen Wunsch aus Zeitgründen nicht erfüllen konnten, genossen wir die Reaktion des Publikums sehr, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man von einer Vorband Zugabe will.

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Two Animals rock the stage!

Anschließend mischten wir uns unter das Volk, empfingen Komplimente, und als Helter Skelter loslegte, feierten wir mit, denn diese Band ist wirklich Spitzenklasse, das kann ich euch sagen!

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Helter Skelter bei EVO

Sechs Tage später. Wieder sind wir Vorband von Helter Skelter, diesmal vielleicht sogar wichtiger als letzte Woche, denn es ist ein Heimspiel – Erkheim – und öffentlich: es ist der 50. Erkheimer Volksfest.

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Der Ablauf im Vorfeld ist ähnlich professionell wie beim letzten Mal. Dann stehen wir auf der Bühne im riesigen Zelt, die Plätze vor uns ordentlich besetzt, und legen los. Wir haben unser Programm geringfügig geändert – es ist gar nicht leicht, die Songs zusammenzustellen, die uns in 45 Minuten repräsentieren sollen – und spielen uns den Leib aus der Seele – oder umgekehrt, wenn ihr wollt… Denn bei einem so kurzen Auftritt hat man kein Sicherheitsdenken im Kopf, die Kraft muss nicht für vier Stunden reichen, man kann fetzen, was das Zeug hält, und das machen wir auch. Es ist gigantisch, wenn man nur das spielt, was man liebt, und das jeder von uns, denn wir haben schon bei der Gründung der Band beschlossen, nur Songs zu spielen, die jedem von uns uneingeschränkt gefallen. Und das Erkheimer Publikum spürt das, feuert uns vom Anfang an an (an an? An an an!!), es ist großartig, wenn man als Vorband so gut ankommt. Und als die letzten Töne erklingen, wollen die „Zugabe!“-Rufe nicht enden, es ist unglaublich.

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How does it feel?… wenn das Publikum ZUGABE ruft? Fäntästik!

Fazit im Nachhinein: der Auftritt als Support war eine sehr interessante – und positive – Erfahrung. Vor allem der Zwang, die zu spielenden Songs so auszuwählen, dass sie nicht nur unser Konzept und Können ausdrücken, sondern auch noch ein in sich stimmiges Ganzes bilden. Gar nicht leicht! Und zu erfahren, wie viel Konzentration es erfordert, ein technisch anspruchsvolles Lied am Anfang des Programms mit der gleichen Qualität abzuliefern, wie bei einem 3-Stunden-Gig erst in der zweiten Stunde, gut aufgewärmt und freigespielt. Und, und, und… Eine tolle Erfahrung, die wir nicht missen wollen.

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Wolfis Hemd hält dem technischen Anspruch stand…

Noch etwas. Helter Skelter. Wenn man mitten im Publikum steht, hat man keine Ahnung, was hinter dem Ganzen steckt. Man sieht die Lichter, hört die Musik. Dass die Jungs kolossal gut sind, weiß man bereits. Was man nicht weiß, welche Arbeit dahinter steckt. Es gehört mehr als nur Fleiß und Organisationsfähigkeit dazu. Um eine Show in dieser Qualität abzuliefern, muss man besessen sein
Die riesige Anlage. Das Lichtequipment. Die Anzahl der Instrumente. Die Werbung. Die ganze Logistik. Der Zeitaufwand. Risiken eigehen. Wasweißich. Und nochmal wasweißich.

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Besessen…

Also, wer das in dieser Größenordnung betreibt, muss tatsächlich besessen sein. Alles muss stimmen. Nichts darf schiefgehen. Und vor allem: der Wille, das in dieser Dimension durchzuführen, muss da sein. Da muss man innerlich brennen, das kann man nicht mit geschäftlichem Kalkül planen, denn bei dem Aufwand ist es gar kein so großes Geschäft. Nein, das geht nur, wenn man es bedingungslos liebt, und bereit ist, dafür körperlich, seelisch, geistig, und auch finanziell, alles zu geben.
Ich glaube, wir bleiben doch eine Clubband.
Oder??

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Besessen…

Verdamp lang her??

So verdamp lang her ist es nicht, seit wir dieses Lied beim letzten Mal in Inning spielten: im September 2014. Und es wird auch nicht verdamp lang dauern, bis wir wieder dort sind, denn nicht nur das Publikum war begeistert, sondern auch das Spectacel-Team: Im Februar kommen wir wieder! Doch von vorne – oder noch weiter zurück, denn wir auch am Samstag davor einen Auftritt hatten, von dem ich noch nicht berichtete. Also, vom Anfang an:

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Rock Cafe Augsburg, 30.5.2015. Was für ein Laden! Angesichts der Ausstattung könnte manch etabliertes Hard Rock Cafe vor Neid erblassen: Autenthizität überall, und eine geräumige Bühne, auf der sogar Flogge mit seinem wichtigsten Instrument, dem unvermeidlichen Teppich Platz hat! Entsprechend launig rocken wir los, obwohl noch nicht viel los ist: tolles Wetter, gegenüber das Spectrum, Pfingstferien – und natürlich wieder einmal Fußball. DFB-Pokal Doofmund-Wolfsburg, was uns aber schnurzegal ist. Und wir haben Unterstützung: Andinger und Eberhard, unsere alten Kumpels sind da, und kurz darauf erscheinen auch einige Fans aus der Brauerei 1516 – Primestone legt den Grundstein für eine solide Fangemeinde! Und Augsburg rockt, das wissen wir mittlerweile.

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Andinger!!

Wir haben sogar eine Uraufführung: Wolfi schrieb den Song „We Are Primestone“, einen fetzigen Shuffle, den wir sogar zweimal spielen. Das Publikum ist begeistert, und das ist etwas besonderes, denn selbst gemachte Songs kommen in der Regel nicht gut an – es sei man hat bereits viele Fans…

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Die Fans aus der Brauerei 1516

Auch das Rock-Cafe -Team ist begeistert, obwohl der Laden nicht voll ist. Überhaupt, sie sind sehr nett zu uns, richtig liebenswürdig: Gell, ihr kommt wieder?! Aber sicher!

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Von links: Wolfi, Flogges Animal, Pätär

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Auf dieser Bühne hat sogar Flogges Teppich Platz!

Nächster Auftritt:

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Sechs Tage später, am Freitag, den 5.6.15 im Spectacel Inning. Auch hier sind die Vorzeichen nicht gut: Kaiserwetter, Affenhitze + ein großes Festival in der Nähe. Doch all das ist uns egal, denn auch hier haben wir mittlerweile eine solide Fangemeinde! Die meisten, die kommen, begrüßen uns persönlich und sagen, sie hätten schon auf uns gewartet, so gut hatten wir ihnen im letzten Jahr gefallen. Ein toller Empfang, auch das Team – Paul, Martin und Gabi – begrüßt uns freudig und sehr herzlich. Bei hervorragendem Flammkuchen und viel alkoholfreiem (und geben wir zu: auch einiges an alkoholunfreiem!) Bier lassen wir es uns gut gehen, bei der Hitze verständlich. Und auch sonst.

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Falls jemand sein Instrument vergisst…

Dann beginnen wir. Die Stimmung steht augenblicklich, wir brauchen dem Publikum gar nicht einzuheizen, nicht nur wegen des Wetters… So macht das Spaß! Dabei ist es richtig anstrengend: es herrscht im Lokal eine schwüle Hitze, mein Schweiß fließt von der Stirn ins Auge, brennt, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit (und keine Hand frei), denn wir fetzen wie die Teufel. Apropos Teufel, ich werde nie verstehen, warum man Rockmusik immer mit dem Antichrist in verbindung bringt, denn Musik ist immer göttlich, selbst dann, wenn gewisse Herrschaften sich dabei Hörner aufsetzen… Und über die martialisch aussehende und teuflische Symbole benutzende Heavy-Fraktion muss ich immer schmunzeln, denn das sind in Wirklichkeit lammfromme Burschen (und Mädels) und können keiner Fliege den Flügel krümmen. Aber gut. Das Auge singt auch mit, heißt es…
Übrigens, manchmal zahlt sich das aus, denn die einzige Band, die an fünf Orten gleichzeitig auftreten kann, ist Slipknot, mit ihren Masken. Wer weiß schon, wer dahinter steckt?

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Ohne Masken…

Zurück zu Primestone! Wie schon gesagt: Hitze. Die Hand klebt an der Gitarre, und die Läufe gelingen manchmal nicht, aber das ist jetzt egal, denn die Stimmung ist wichtiger! Wolfi ist gut bei Stimme, nur muss er vor jedem Lied einen kräftigen Schluck nehmen, auch dann, wenn Wolli und ich singen: das ist verdächtig… Lassen wir ihm den Spaß!

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Wolfi hat seine Kehle befeuchtet…

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…weil Peter singt.

Und dieses Publikum ist unübertroffen. Bei einer gut gelungenen Gesangseinlage oder einer Improvisation bekommen wir sogar mitten im Stück Szenenapplaus, was sonst nur im Jazz üblich ist. Und zum Ende der zweiten Runde kündigen wir Wolfis Primestone-Song an. Riesiger Erfolg! Und so geht es weiter, bis wir nach vier Stunden die letzte (und danach die allerletze) Zugabe spielen: nach längerer Zeit wieder einmal Hey Jude. Und da geschieht etwas Besonderes: die Leute kommen alle nach vorne zu uns, singen mit und wollen gar nicht aufhören… Wir sind im siebten Himmel.

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Wolli im siebten Himmel

Dieses Publikum! In den Pausen wurden wir abgefangen, unsere Hände geschüttelt, umarmt, es hagelte Komplimente. Eine reife Dame – nicht so reif wie ich! – erzählte in einem Atemzug vom letzten ACDC-Konzert und von ihren Enkelkindern. Eine andere küsste uns ungeniert ab. Und nach Schluss konnte es von Packen und Gehen keine Rede sein, das ließen die Fans nicht zu. Es wurde sehr, sehr spät; und jede Minute hat sich gelohnt!

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Schrumpf-Flogge oder Riesengitarre?

P.S. Danke, Publikum, danke, Paul, Gabi, Martin! Und ein Extra-Dank an Holger Hoffmann, der uns foto- und videografiert hat!! Und wie bereits gesagt: im Februar kommen wir wieder!

Doppelpack Nr. 2

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Und schon wieder ein Doppelpack, nur unter besserem Vorzeichen! Denn wir spielten am 27.3. im Keller Seifertshofen und am 1.4. (April, April!) in der Brauerei 1516 in Augsburg.
Keller? Natürlich nicht, der Saal ist im ersten Stock der großen Wirtschaft. Die Besitzer sind Horst und Fredl Keller, und sind sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Betragen ähnlich: nämlich supernett! Wir sind das erste Mal da, und dementsprechend ist nicht sehr viel los, damit haben wir gerechnet. Doch mehrere Freunde und Bekannte tauchen auf, zu unserer großen Freude: Tina Lutz mit Tochter – wer ist jünger? Ich kann es nicht feststellen!; Gerhard Duyle, der größte Tausendsassa weltweit (über ihn berichtete ich bereits in meinem anderen Blog!) mit Jolanta; Benny Hiller, der wie immer, wenn er dabei ist, beim Aufbauen hilft und tolle Fotos macht (siehe hier!); der unverwüstliche Pesa; Otto Klösel, der berühmt-berüchtigte Drummer der ersten Stunde mit Betty; und, und, und…

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So ist vom Anfang an eine tolle Stimmung in der Bude. Wir feuern aus allen Rohren, als ob tausend Leute da wären, und so fühlt es sich auch an, denn die Tanzfläche vor uns ist voll. Wenn wir hier eine erweiterte Probeeinheit erwarteten, dann sollten wir uns irren, denn es ist ein waschechtes Konzert, ohne Wenn und Aber. Wir feiern, und das Publikum mit uns. Denn wie sagte ein Freund aus Österreich mal zu mir? „Jo hearst, wos hot man sonst im Leeebn, außer dem büßchen Fääieern?“ Der Ami würde sagen: we had a good time together – und das ist der Punkt. Was sage ich: Eckpunkt! Die Keller-Brüder sind entzückt (wir auch von ihnen), und planen mit uns ein Open Air-Sommerfest. Und wir sind zu allen Schandtaten bereit!

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Und gleich einige Tage später: Brauerei 1516 in Augsburg, die tolle Rock-Kneipe, der man das von außen gar nicht ansieht. Direkt im Bahnhofsgebäude, am Tag voll von Reisenden, Durstigen und Hungrigen. Doch am Donnerstagabend verwandelt sich die brave Gaststätte zur Rock-Hölle. Insider wissen das und kommen aus aller Welt. Wie auch an diesem Mittwoch.

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Ja, Mittwoch, denn am Gründonnerstag ist in Augsburg Musikverbot, und so stehen wir an diesem Tag auf der Bühne und hoffen, dass das Publikum trotzdem kommen würde. Und wir werden nicht enttäuscht: es kommt. Wir sind nicht zum ersten Mal hier: letztes Jahr am 3. April hatten wir schon mal die Ehre, und auch damals war es gigantisch. Wie jetzt auch. Ein fachkundiges, sensibles, begeistertes Publikum treibt uns zur Höchstleistung, und richtig euphorisch absolvieren wir das Konzert, dass die Wände wackeln! Und das, obwohl unser Wolfi am Vormittag eine Zahn-OP hatte. Der Kerl ist einfach unverwüstlich. Doch er ist nicht allein: letztes Jahr waren Wolli und ich hier angeschlagen. Doch einen echten Rocker härtet das nur ab: und wenn der Körper voller Adrenalin ist, merkt man von irgendwelchen Gebrechen sowieso nix!

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Auch hier trafen wir auf Freunde: aus Burgau kamen alte Fans, die uns prompt ein Konzert dort versprachen – wir kommen sehr gerne! Und aus mehreren Mündern hörten wir Komplimente wie dieses: „Ihr macht etwas ganz anderes als die anderen Rockbands, sonst hört man hier jede Woche das Gleiche!“ Augsburg, du schöne Stadt, du wirst uns immer sympathischer! So sehr, dass wir am 30. Mai wieder hier spielen werden: im Rock-Café.

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Wochenende 6.-7. März 2015: wie eine Wechseldusche…

Letztes Wochenende hatten wir ein Doppelspiel, das ich Wechseldusche nenne, denn es war tatsächlich eine, wenn auch nicht wörtlich. Nicht jedes Spiel kann ein Erfolg sein, vor allem wenn die Band noch keinen großen Namen hat. Aus diesem Grund werde ich das Lokal, in dem der erste Auftritt stattfand, auch nicht nennen. Es genügt, wenn ich verrate, dass es weit außerhalb unseres bisherigen Wirkungskreises lag. Wir hatten bereits dort gespielt, und die Direktion rief uns extra an und bat um einen erneuten Auftritt, an ihr lag es also nicht. An uns ebenfalls nicht, meine ich, denn wir gaben unser Bestes. Am Publikum auch nicht, denn sie verstanden uns einfach nicht, und dafür können sie nix. Doch von vorne:

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Wechseldusche gefälligst?

Eine riesige Bühne, groß wie ein Schwimmbecken im Freibad. Noch weiß ich nicht, wie stimmig die Allegorie ist, denn wir werden baden gehen… Doch der Sound, den Sven uns zaubert, ist großartig. Wir beginnen. An die 20 Leute haben sich in den riesigen Saal verirrt, und sie kommen sofort auf die Tanzfläche, und tanzen einen munteren Foxtrott – während wir Gimme Some Lovin’ spielen. Im Internet stand zwar etwas von einem Classic-Rock-Konzert, doch das Volk nimmt es nicht ganz ernst, und tanzt auf Santana Chachacha, was wenigstens ansatzweise stimmt. Und die Schar der Besucher wächst stetig, auf mindestens 60 Personen, bei einer Kapazität von etwa 1000… Bei Beatles und Supertramp sind sie noch munter, doch auf Baker Street, sonst unser größter Reißer, folg nur ein lahmer Applaus, und bei Cream verlassen sie fluchtartig die Tanzfläche.

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Baden gegangen…

Doch wie es heißt, kalte Dusche härtet ab, und so ist es auch: wir rocken, dass die Wände wackeln! Der stellvertreternde Chef schmeißt eine Runde, die Bedienungen fallen uns um den Hals (wenigstens etwas Positives!) – also was den Laden betrifft, können wir uns nicht beklagen. Nur das Publikum ist wie eine schlechte Ehefrau: liebt uns zwar, versteht uns jedoch nicht die Bohne. Kaum dass wir richtig rockig werden – Crossroads, usw. – laufen sie uns weg. Bei den richtigen Gassenhauern dagegen, die sogar Foxtrott- und Rumba-Fans kennen, wie Honky Tonk Women oder Smoke On The Water (schon wieder Wasser…), zappeln sie vor uns wieder. Lauwarm…

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Foxtrott auf Rolling Stones…

Die Band ist frustriert, klar. Doch auch die kälteste Dusche trocknet irgendwann aus. Die Moral der Geschicht’: solange man auf der Bühne ist, muss man trotzdem lächeln. Und: wir müssen uns mit kleinen Schritten einen guten Ruf, ein größeres Stammpublikum erkämpfen, um eigene Veranstaltungen organisieren zu können. Dann können wir nämlich auch die Werbung in die eigene Hand nehmen, um das für uns richtige Publikum anzulocken. Denn, um im Wasser zu bleiben: mit dem Strom schwimmen und Sachen wie Rockin’ All Over The World spielen werden wir nicht, das ist sicher.

Nächster Tag, im KT’s Irish Pub in Bad Wörishofen. Bad Wörishofen, sad Wörishofen, mad…? Nee, wir bleiben beim Wasser-Vergleich! Kommt noch eine kalte Dusche, oder wird sie diesmal warm, zur Abwechslung, für unsere (seelische) Gesundheit? Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: mit Pubs haben wir bisher sehr gute Erfahrungen, und die Stimme der Besitzerin klang nett. Wir sind guter Hoffnung…

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Wolli ist guter Hoffnung…

die dann bei Weitem übertroffen wird! Ein blitzsauberer, netter, gemütlicher Laden, die Chefin nicht nur nett, sondern auch noch jung und attraktiv, wie ihre Mutter auch, und die drei Bedienungen sind zusammen nicht so alt wie ich. Pärfäkt! Dazu fällt mir leider wirklich kein Wasser- oder Dusche-Vergleich ein!

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Groß genug für Flogge?

Macht nix. Wir rocken, und diesmal ist das Publikum die beste Ehefrau aller Zeiten: nicht nur unsere Fans, mit Andinger an der Spitze, sondern sogar das Jungvolk, mit dem wir eigentlich gemischte Erfahrungen haben. An einem Tisch vor uns sitzen junge Leute, die uns zunächst ignorieren und herumschreien, doch irgendwann sind sie dann ganz still. Wir haben sie bekehrt! In den Pausen bekommen wir sogar Komplimente von ihnen!

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Bereits durchgeschwitzt?

Dann ist Schluss. Wir trocknen uns ab, nicht nur wegen der diesmal warmen Dusche, sondern weil wir buchstäblich durchgeschwitzt sind. Es war ein hartes und lehrreiches Wochenende, wechselhaft, was die Dusche betrifft. Und baden gegangen sind wir nicht!

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Schelklingen, 28.2.2015: die Moral der Geschicht’

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Ja, es war wieder ein erfolgreiches, tolles Konzert. Das Stellwerk war voll, das Team und das Publikum großartig. Doch anstelle den Ablauf zu beschreiben, wie immer, erzähle ich etwas anderes. (Was? Anderes? Also hätte ich es mit Großbuchstabe schreiben müssen? Ich blicke da nicht mehr durch! Vielleicht sollte man jedes Wort mit einem Großbuchstaben beginnen, sicherheitshalber, oder, eigentlich leichter, gar keins, fertig! Aaaahhh!)

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Mein neuer Doubleneck!!

Denn wir gewannen bei diesem Auftritt wichtige Erkenntnisse, die uns anspornen werden, uns zu verbessern. Klar, die technischen Fertigkeiten auf den Instruments gehören dazu, sind aber erstens irgendwann ausgereizt, zweitens in unserem Fall eher zweitrangig. Wichtiger ist die Songauswahl, die Präsentation, die eigentliche technische und mentale Logistik des Ablaufs. Und in diesem kleinen, intimen Lokal, in dem wir sehr nahe am Publikum waren – und auch an uns, denn die Bühne war winzig – konnten wir die Regung jedes Einzelnen sehr gut beobachten: wie sie die Songs aufnahmen, darauf reagierten. Und stellten fest, dass wir noch einiges (Groß schreiben? Sch…drauf!!) besser machen konnten. Einige Beispiele:
Wir begannen recht kräftig, und spielten richtige Kracher, von denen wir wussten, dass sie gut ankommen würden. Und gingen damit baden. Das Publikum war zwar wohlwollend, aber keineswegs euphorisch. Crossroads zum Beispiel, ein Lied, mit dem wir gewöhnlich die Leute von den Stühlen reißen, verpuffte beinahe wirkungslos. Gegen Ende der ersten Runde „hatten“ wir die Leute zwar, aber nach der zweiten Runde meinten einige (klein geschrieben, verdammt!!!), wir hätten uns gegenüber der ersten Runde stark gesteigert. Klar, jeder sieht das anders, und auch das jeweilige Publikum ist unterschiedlich zusammengesetzt und hat dem jeweiligen Lokal entsprechend andere Erwartungen, aber trotzdem gibt es allgemein gültige Regeln, die man beachten sollte: dass man sein Pulver nicht zu früh verschießt, gehört auch dazu.
Außerdem stimmten die Lautstärkenverhältnisse auf der kleinen Bühne nicht. Wolli fühlte sich gestört durch meine laute Gitarrenbox, für mich war das Schlagzeug zu laut, und der Bass war für alle zu wuchtig, außer Wolfi, der ganz vorne stand. Denn wir anderen (!!!) waren sehr nahe an der Wand, wo der Bass immer am lautesten ist. Fazit: die Boxen anders stellen, ein ausgiebiger Soundcheck, bei dem auch diese Faktoren kontrolliert werden…

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Zum Glück war das Erfolgserlebnis, das uns das großartige Publikum bescherte, um einiges (???) stärker als diese Störfaktore. DANKE, STELLWERK! (zur Sicherheit alles groß geschrieben – und ich meine es auch so!)
P.S. Leider hatten wir diesmal keinen Fotografen dabei; deshalb nehme ich andere Bilder. SORRY!

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SORRY!!

Fiddler’s Green am 24.1.2015

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Jens, Inhaber, Musiker, Tonmischer, Logistikfachmann und mehr…

Wieder im Fiddler’s Green in Pfaffenhofen/Roth, bei Jens, diesmal ohne Fußball! Große Vorfreude, unser erstes Konzert hier am 19. Mai (siehe dort!) war so toll, dass wir sogar mit Erwartungen hingehen, was ansonsten gar nicht so gut ist, denn Erwartungen können zu Enttäuschung und Frustration führen. Doch nicht hier, im Fiddler’s! Das Lokal ist vom Anfang an brechend voll, obwohl Jens den Eintritt gegenüber dem letzten Mal um einen ganzen Euro erhöht hat – mit Derartiges hatten wir bereits schlechte Erfahrungen. Doch jetzt murrt keiner. Das ist übrigens der Unterschied zu manchem anderen Laden: das Publikum ist wissend und kundig, und meckert nicht über den Eintrittspreis (wie ein gewisser Herr aus meinem vorherigen Bericht)!

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Das kundige Publikum!

Ja, das Publikum ist kundig, auch was die Musik selbst betrifft. Das wussten wir, und deshalb haben wir unsere Setlist anders zusammengestellt als sonst. Unser erster Set anderswo ist eine Art Herantasten: wir spielen bewährte und nicht allzu harte Standards wie Free Me, Get Back oder You Ain’t Seen Nothin’ Yet – große Songs zwar, aber doch Mainstream, und erst ab der zweiten Runde wagen wir uns an speziellere Sachen wie bluesige oder soulige Stücke (Superstition, Crossroads usw.) heran. Anders im Fiddler’s: hier wissen wir, dass man auch mit „Hardcore“ beginnen kann. Und so machen wir es auch. Der Herr Dr. aus Neustädtlein würde einen Herzinfarkt kriegen bei so vielen für ihn falschen Liedern! Sorry, werter Herr, Rockin’ All Over The World und Atemlos spielen wir nicht… Statt dessen:
Cream, Stevie Wonder und Steely Dan zünden sofort. Es ist nicht wohlwollender Applaus, den wir bekommen, sondern begeisterte Ovation. Yeah Baby, we are home again! Euphorisch spielen wir die Runde zu Ende. Und jetzt erlauben Sie mir, etwas persönlich zu werden, denn ich habe Besuch!

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Feri aus Budapest, allein am Tisch – Knoblauch??

Mein Cousin, Bruder und bester Freund, Feri aus Budapest ist anwesend. Er kam extra, um uns zu hören, denn ursprünglich planten wir ein gemeinsames Skifahren in Österreich, aber er wollte mich unbedingt mit meiner „neuen“ Band hören, und kam extra hierher. Doch Halt, zuerst muss ich etwas erklären, denn ich sehe schon das Unverständnis: Bruder und Cousin zugleich, wie geht das?? Dabei ist es ganz einfach. Seine Eltern – meine Tante und mein Onkel – adoptierten mich als Kind, und so wurde aus dem Cousin gleichzeitig auch ein Bruder. Doch ich glaube, zumindest bei der ersten Nachkriegsgeneration war Derartiges gar nicht so selten. Da ging es gezwungenermaßen drunter und drüber, und möglicherweise ist mancher aus dieser Zeit sogar sein eigener Onkel – und weiß es nicht einmal…

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Adoptiert?

So. Ich bitte um Verzeihung für diesen kleinen Umweg! Zurück zur zweiten Runde. Mit der bewährten Mischung setzen wir das Programm fort, und legen, was Energie und Intensität betrifft, noch eins drauf. Eine tolle Stimmung! Und dann entlassen wir mit dem bewährten Baker Street die Leute – und uns – in die Pause. Wir werden abgefangen, gelobt, man klopft uns auf die Schulter. Und Cousiruder (oder Brudousin) Feri strahlt. Und riecht nach Knoblauch. Ein Ungar, klar doch, oder? Übrigens, Feri ist Schriftsteller, und wird über uns schreiben. Und uns in Ungarn weiterempfehlen! Wer weiß, vielleicht kommt hier eines Tages ein Bericht über ein Primestone-Tournee in Ungarn…

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Ungarn, fast so schön wie… im Fiddler’s…

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wo Wolfi, die Legende die Bude rockt…

Dritte Runde. Jetzt rockt die Bude, denn wir setzen auf Stimmung – Dylan, BAP, Stones! Und mitten drin eine schöne Abwechslung: Wolfi Preuß, unser Frontmann, Bassist und Legende, in Unehren ergraut, feiert seinen 64. Geburtstag. Zusammen mit dem Publikum singen wir ein Ständchen für ihn, dann werden Wunderkerzen angezündet, und Wolfi wird von einem Teil des weiblichen Publikums abgeknutscht. Ich muss zusehen, dass wir auch an meinem Geburtstag spielen, denn in meinem Alter ist so etwas gar nicht selbstverständlich – vor allem, wenn die Damen so jung sind… (Smileyzeichen unbedingt!) Dann noch Free, Clapton, und, etwas gemäßigt, Beatles und Procul Harum beenden den offiziellen Teil. Und die Zugaben richten sich, auch etwas anders als sonst, an den kundigen Rocker: While My Guitar Gently Weeps, Don’t Let Me Down (Beatles) und Long As I Can See The Light glätten die brodelnde Fläche und führen zum (hoffentlich) wohlverdienten Ende. Das Publikum ist selig und wir erst! Schade, dass der Herr Anwalt aus Neustädtlein nicht da ist…

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…und dafür Wunderkerzen bekommt! Ein Wunder?

Konzert in Neustädtlein, mal gaaaanz anders: Überraschung!

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Am 2. Januar durften wir wieder in der kultigen Tanzmetropole in Neustädtlein auftreten. Es war ein tolles Konzert, mit  unglaublichem Publikum, hilfsbereitem Team und Wahnsinns-Stimmung. Und mit einem Vorfall. Anstelle den üblichen Bericht abzugeben, möchte ich darüber schreiben: ich denke, es ist nicht ganz uninteressant – und eine “nette” Abwechslung im Blog. Vorausschicken möchte ich, dass als das Konzert vorbei war, kam der Lokalbesitzer, Herr Meiser zu uns auf die Bühne, und sagte mit strahlendem Gesicht, das ganze Publikum sei hoch zufrieden mit uns gewesen, alle hätten uns hoch gelobt, kein Einziger hätte gesagt, er sei unzufrieden mit uns gewesen.

Was er da noch nicht wissen konnte: es war doch jemand, der einiges zu bemängeln hatte: am nächsten Tag erreichte uns eine Mail, die ich hier publiziere, freilich ohne den Namen des Absenders. Viel Spaß!

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war gestern zahlender Gast in Neustädtlein – wie letztes Jahr schon einmal. Sie machen gute Musik – alle vier Musiker haben sehr gute Anlagen und haben sehr gute Fähigkeiten. Natürlich würde ich mich nicht zu einer mail aufraffen, Wenn es da nicht gewisse Verbesserungsvorschläge geben würde. – und glauben Sie mir : Ich habe mich um auch andere Sache zu kümmern.

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1) Ich zahle 13 Euro Eintritt – andere Gruppen spielen bis 2:00 Uhr – für 10 Euro…. und da sind viel mehr Besucher ! Sie hören um 0:30 Uhr schon auf….und lassen sich ab 0:00 Uhr noch betteln. Machen Sie Ihren Job dort auf der Bühne nicht gerne ? Verdienen Sie nicht gerne etwas Geld mit Ihren Auftritt? (Anmerkung von mir: Beginn war um 20.30 Uhr!)

Um jetzt mal als ein Mann zu sprechen, der Ihre Interessen vertritt : Das Publikum zahlt nicht für Ihre Eitelkeit – es zahlt für einen schönen Abend; dafür sollen Sie – und das Tanzlokal Neustädtlein – sorgen; mithin ist es eine Verachtung Ihrerseits, das Personal zu ridiculisieren – das Lokal könnte noch Getränke verkaufen und Einnahmen generieren…WESHALB verhindern Sie dieses? Sie bekommen eine Gefälligkeit von der Fam. Meißner ( denn da sind nunmal wenige Besucher ) um sich einen Namen zu machen – und Sie danken es mit Verachtung….Ihr Verhalten und Ihre professionelle Auffassung sind völlig daneben!

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Ihre Titelabfolge hat – noch – keine Struktur. Sie müssen auf einen Höhepunkt im Abend hin arbeiten – dieser Höhepunkt liegt gegen ca. 1:30 Uhr – solange sollten Sie auch das Publikum unterhalten und fürs Geschäft sorgen!

” A Whiter Shade of Pale” und “Hotel California” sind sehr persönliche Lieder von Ihnen – haben aber nichts mit dem Publikum zu tun! Der Applaus von einigen sollte Sie auf keinen falschen Weg führen – Sie müssen Publikum generieren… WAS einige Wenige denken streichelt vielleicht Ihre Seele – hat aber nichts mit dem Geschäft zu tun. Sie? – Sie stehen erst am Anfang und sollten sich auf das wesentliche konzentrieren.

Mit den Rolling Stones haben Sie schon mal ein paar Klassiker aufgenommen – da sind aber noch die “Gassenhauer” zu spielen; ob es AC/DC oder ZZ Top sind, ob es KISS oder Deep Purple sind, ob es Led Zeppelin oder Spencer Davis Group sind, ob es Dazy, Dozy, Mick and Ditch oder T.Rex sind….für Cream und Emersson, Lake and Palmer ist es nicht das Publikum hier!
Auch diese komischen Eagles sind – wenn sie auch ein legendäres Konzert gaben – eine Randgruppe. CCR und Joe Cocker, Queen und Beatles sind dagegen “IN” – und diese haben auch “legendäre Konzerte”gegeben – dieser Ausdruck genügt doch für jedes Konzert, WO der Künstler mal nicht unter Drogen stand – oder gerade mal Nicht unter Drogen und einen “lichten Moment” hatte.

Also : relativieren solche Presseaussagen. Für Sie ist es wichtig, dass Publikum zu Ihren Auftritten kommt – nichts sonst !

Mit freundlichen Grüßen,

Dr jur. XXXXXXXXXXX

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Nicht schlecht, oder? Er nennt das “Verbesserungsvorschläge”! Nun, wir schalteten uns zusammen, gingen in uns, waren sehr, sehr zerknirscht, und dann schrieb ich eine unterwürfige und reumütige Antwort: 

Sehr geehrter Herr Dr. XXXXX,

herzlichen Dank für Ihre „Verbesserungsvorschläge“! Bevor ich Ihnen angemessen antworte, schildere ich kurz eine Szene vom besagten Abend, obwohl auch ich mich um andere Sachen zu kümmern habe: Als die Veranstaltung vorbei war, kam der Besitzer der Tanzmetropole, Herr Meiser zu uns, und sagte freudestrahlend, so ziemlich Wort für Wort:

„Jungs, ihr wart großartig! Und stellt euch vor, nicht ein einziger Gast war unzufrieden! Alle sagten, es sei hervorragend gewesen. Das passiert sehr, sehr selten!“

Also, ich nehme mal an, wenn selbst der Lokalbesitzer so enthusiastisch reagiert, kann es so schlimm nicht gewesen sein. Denn niemand als er kann besser beurteilen, was für sein Lokal gut ist, meinen Sie nicht auch? Kein Wort über falsches Programm, zu kurze Spielzeit usw. Interessant, nicht?

Doch in einem Punkt hat er sich offensichtlich geirrt: jemand war doch unzufrieden: Sie. Das ist natürlich Ihr gutes Recht. Alles ist Geschmackssache, auch die Musik. Doch was Sie ansonsten bemängeln, kann ich leider nicht unbeantwortet lassen. Ob es Ihnen dann gefallen wird, das ist ebenfalls Geschmackssache, mit dem gleichen Ergebnis: mir wird es gefallen, Ihnen nicht. Ich gehe mal Punkt für Punkt auf Ihre Vorwürfe ein.

  1. Der Eintritt. Die zu zahlende Summe bestimmen nicht wir, sondern der eben erwähnte – und hoch zufriedene – Herr Meiser. Was es für seine Bands verlangt, ist seine Sache. Nicht unsere. Und auch nicht Ihre. Außerdem erstaunt es mich immer wieder, wie manche Menschen über den Wert des Geldes denken. Für 13 Euro bekommen Sie sonst gerade mal eine Pizza oder 2 Stunden Kinovergnügen. Für vier Stunden schweißtreibende Rockmusik ist es in Ihren Augen zu viel – auch das ist Ihr gutes Recht.
  2. Stellen Sie sich vor, wir machen unseren Job sehr, sehr gerne. Sonst würden wir, die allesamt nicht darauf angewiesen sind, für die relativ niedrigen Gagen – ich spreche nicht über Neustädtlein, sondern allgemein – gar nicht auftreten. So gerne, dass wir uns vier Stunden lang (incl. Pausen, sonst würden wir es gar nicht schaffen) bis zur Erschöpfung abrackern. Was wir machen, ist keine Tanzmusik, bei der der halbe Sound vom Computer kommt, sondern echte Livemusik, Rockmusik, die sehr, sehr anstrengend ist. Da Sie so viel über Musik wissen, müssten Sie auch dies eigentlich wissen. Ich weiß definitiv, dass kaum eine Rockband länger als vier Stunden durchhält. Übrigens, bei einer Musikvorführung ist nicht die Länge, sondern die Qualität ausschlaggebend. Und was Sie über das angebliche „Betteln lassen“ sagen, ist gängige Praxis: die Band hört auf, das Publikum will Zugaben, und bekommt sie. Ich gehe seit Jahrzehnten zu verschiedenen musikalischen Aufführungen, und es ist immer, überall so. Auch bei uns.
  3. Wenn Ihr Vorwurf, das Personal zu ridiculisieren, stimmen würde, wäre Herr Meiser der erste, der sich darüber beschweren würde, meinen Sie nicht auch? Doch er tut es nicht, im Gegenteil, er ist sehr zufrieden – obwohl wir diesen Vorwurf von ihm akzeptieren würden. Von Ihnen dagegen tun wir das nicht.
  4. Was die Gefälligkeit der Fam. Meiser und unsere angebliche Verachtung betrifft, habe ich bereits in den obigen Zeilen beantwortet. Ihr Vorwurf ist lächerlich!
  5. Die Titelabfolge. Primestone ist keine Partyrockband, denn davon gibt es genug. Wir haben ein ganz bestimmtes Konzept. Wir spielen Classic Rock, und zwar genau die Songs, die ihre Wurzeln im Blues oder anderen ursprünglichen Richtungen haben. Ein anderes Kriterium ist, dass wir nicht wahllos alles Mögliche spielen, sondern nur das, was uns auch liegt. Und vor allem das, was uns vier ohne Einschränkungen gefällt. Und, werter Herr XXXX, das ist die absolute Hauptsache: weil wir eben ohne Einschränkung unseren Spaß auf der Bühne haben wollen. Musik, nur anderen zuliebe gemacht, kommt bei uns nicht in die Tüte! Denn, und auch das ist ein Teil unseres Konzepts, wir wissen, dass das Publikum dies spürt, und uns auch deshalb mag. Weil die Leute merken, dass wir authentisch sind und alles geben. Das wissen wir aus Erfahrung. Es gibt sehr viele Menschen, denen dieses Konzept sehr gut gefällt, das wurde uns seit der Gründung der Band im Jahr 2011 immer wieder bestätigt. Uns ist wohl bewusst, dass es noch eine Menge Songs gibt, die wir nicht spielen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass man an einem einzigen Abend die ganze Musikgeschichte durchspielt, unter anderem auch solche Stücke, die uns nicht liegen und wir sie deshalb schlecht interpretieren würden. Und was Ihre Bewertung der einzelnen Bands betrifft, ist das Geschmackssache, und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Da würde ich Ihnen empfehlen, sich an eine Band (bitte nicht an uns!) zu wenden, die Ihre Lieblingssong von Ihren Lieblingsbands einstudieren soll. Das würde allerdings ein wenig mehr als 13 Euro kosten…Aus diesen Gründen weise ich Ihre „Verbesserungsvorschläge“ hiermit zurück, denn es sind keine. Es sind dilettantische und hochnäsige Belehrungen, von einem Laien, der glaubt, von der Musik mehr zu verstehen als die Musiker selbst. Jawohl, es ist Hochnäsigkeit, wenn ich das sagen darf, auch wenn es sonst nicht meine Art ist, zu verallgemeinern,  typische Akademiker-Hochnäsigkeit, die ich auf die gleiche Weise beantworte, denn auch ich habe studiert – nur erlaube ich mir in de Regel nicht, mich auf eine solche Weise zu äußern – mit dieser Ausnahme. Herr XXXX, ich habe unter anderem auch Musik studiert. Darüber hinaus stehe ich mittlerweile seit über fünfzig Jahren auf der Bühne, habe alles gespielt: Rock, Pop, Klassik, Musicals, Jazz usw., und weiß sehr wohl, was ich tue, und brauche keine Zurechtweisungen von jemandem, der keine Ahnung hat, und seine Dreistigkeit auch noch überheblich „Verbesserungsvorschlag“ nennt. Kritik kann ich es auch nicht nennen, nicht mit diesen Begründungen, und nicht auf diesem Niveau. Wenn Ihnen unsere Musik nicht gefällt, müssen Sie uns nicht besuchen. Zu etwas Anderem haben Sie nicht das Recht. Einen Brief wie den Ihren habe ich in den bereits erwähnten 50 Jahren noch nicht bekommen: ich danke Ihnen für dieses einmalige Vergnügen!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Peter Gaspar

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Ja, und als ich diese Zeilen zu Papier brachte, beruhigte ich mich erst mal, und las es ein paarmal durch. Und beschloss, den Brief nicht abzuschicken. Denn eine angemessene Antwort, in der man sich mit den “Argumenten” des Gegners auseinandersetzt, erhebt ihn auf das gleiche Niveau, und diese Genungtuung wollte ich ihm dann doch nicht gönnen. Statt dessen verfasste ich einen kürzeren Brief. Und was ich darin schilderte, hat sich tatsächlich zugetragen:

Sehr geehrter Herr Dr. XXXX,

im Mai 2013 nahm ich an einer fünfwöchigen Tournée quer durch Japan teil. Wir spielten auf Open Airs vor jeweils mehreren tausend Menschen, in Tokio, Yokohama, Osaka, Tochigi, Kyoto usw. Unsere Zuschauer waren jedes Mal euphorisch, entzückt und dankbar. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, wir lebten in einem permanenten Zustand der Euphorie. An einem der letzten Tage in Osaka war mir ein großer, blonder Typ aufgefallen, der inmitten von Tausenden Japanern herumsprang, tanzte und klatsche. Als das Konzert vorbei war, winkte er mich zu sich. Freudestrahlend ging ich zu ihm. Nachdem er mich freundlich begrüßte, setzte er mir Punkt für Punkt auseinander, was wir alles falsch machten, warum, und wie er es machen würde. Er war ein deutscher Akademiker…

Meine Antwort befriedigte ihn nicht, und damit waren wir quitt. Aber im Gegensatz zu Ihnen hatte er wenigstens den Mumm, mir seine Meinung dort an Ort und Stelle zu sagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Gaspar

P.S. Als unser Konzert in der Tanzmetropole vorbei war, kam Herr Meiser, den Sie so vehement verteidigen, zu uns auf der Bühne und bedankte sich überschwänglich. Er sagte kein Wort über zu kurze Spielzeit, Publikumsverachtung, falsches Programm und Ähnliches. Und lud uns ein, wieder bei ihm zu spielen. Übrigens: für 13 Euro bekommen Sie unter anderem drei Bier, eine Pizza, oder eine Kinokarte. Und ein vierstündiges, schweißtreibendes, aus ganzem Herzen vorgetragenes Rockkonzert.

Übrigens, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Akademiker, ich habe viele solche Bekannte und Freunde, und einigen von ihnen verdanke ich sogar mein Leben. Ich war nur ein bißchen aufgebracht, gelinde gesagt. Was aber auch Fakt ist: solche Miesmacher können zwar nicht unsere Freude an der Musik schmälern. Aber einen Abend ganz schön verderben. Dabei sind sie es gar nicht wert…

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