Archive | February 2014

Rock’n Roll Lifestyle – Lenin vs. Keith Richards?

Vor einigen Jahren lernte ich beim Skifahren David, einen nicht einmal so jungen Australier kennen. Er sah aus wie Jesus, übte im Hotelzimmer Saxofon, kam in löchrigen Socken zum Frühstück – my soft shoes – sagte er. Wir unterhielten uns stundenlang, er erzählte, er sei ein government hater, ein rebel, dabei hatte er einen ganz normalen Beruf: Informatiker. Auf seine Familie war er nicht gut zu sprechen: sie hatte ihn verstoßen, „because of my rock and roll lifestyle“, wie er sagte.

Ein Bekannter von mir liebt Rockmusik. Vor allem die härtere Gangart. Iron Maiden, Metallica… Er kleidet sich auch so: Lederhose, Lederjacke, Nieten, die ganze Palette. Natürlich fährt er Harley. Ansonsten ist er ein lammfrommer Bursche, im Beruf führt er sich kreuzbrav auf, Politik interessiert ihn nicht, was in der Gesellschaft geschieht, geht ihm am A… vorbei, überhaupt, er führt ein unauffälliges, angepasstes Leben. Ist das rock and roll lifestyle?

Wer mich kennt, weiß, dass ich völlig „normal“ aussehe: keine ausgefallene Kleidung, keine langen Haare (weil ich keine mehr habe…), ich bin freundlich, nett und umgänglich. Und ich liebe den Rock’n Roll. Führe ich ein rock and roll lifestyle?

Vor gut zwanzig Jahren sah ich eine Fernsehsendung mit und über Keith Richards. Er erwies sich im Interview als außerordentlich intelligent und nachdenklich. Ein Satz von ihm hat es mir besonders angetan. Er sagte: „Wenn Sie glauben, der Rüstungswettbewerb und die wirtschaftliche Lage hätten dem Kommunismus in Osteuropa den Garaus gemacht, irren Sie sich. Es war der Rock’n Roll!“

Ich bin dort aufgewachsen, mitten im Ostblock. Erwachsen wurde ich in der ersten Hälfte der 60-er Jahre, noch als Halbwüchsiger gründete ich meine erste Band… Wir klebten am Radio, saugten die Musik des Westens in uns auf, spielten die Songs der Beatles, Rolling Stones, Yardbirds nach. Diese Musik war verboten, wie Jeans und lange Haare auch, trotzdem spielten wir sie und kleideten uns auch so. Über die Jeans zogen wir brave Hosen an, unsere langen Haare versteckten wir unter Mützen. Manche von uns wurden eingefangen und auf dem Revier kahlgeschoren und verprügelt. Bei unseren Konzerten war die Polizei ebenfalls anwesend, die Beamten notierten die Titel unserer Lieder. Englisch konnte keiner von ihnen, und so sagten wir die Songs an: „Jetzt spielen wir ein Lied vom sowjetischen Komponisten Solowjow…“ Es folgte My Generation von den Who.

Die kommunistische Ideologie wurde uns seit der Geburt eingeflößt, im Kindergarten, in der Schule, in den Medien, in Jugendorganisationen, die Pflicht waren, und trotzdem kannte ich nicht einen einzigen Menschen, der wirklich daran glaubte. Früher vielleicht, ja, aber irgendwann gingen jedermann die Augen auf, in unserer Stadt in West-Ungarn sowieso, wir konnten ja Radio und Fernsehen aus dem Westen empfangen (obwohl auch das verboten war), und merkten den riesigen Unterschied, nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem in der persönlichen Freiheit. Die Alten hatten sich vielleicht mit ihrem Schicksal abgefunden, aber eine ganze Generation – my generation – war vom süßen Gift der Freiheit durchdrungen und wartete nur auf die erste Gelegenheit, um auszubrechen. Der Kommunismus war zwar überall, im Fernsehen, in der Zeitung, in den Reden der Funktionäre, auf Transparenten und Plakaten, nur nicht in unseren Köpfen. Und so geschah es dann eines Tages, das System zerbrach, fiel ohne irgendeinen triftigen Grund einfach in sich zusammen, die Menschen wollten es nicht mehr, sie hatten innerlich gekündigt, wollten frei sein, sagen dürfen, was sie dachten, reisen dürfen, ihr Leben selbst gestalten, ohne Zwang und Bevormundung. Die Mauern fielen, die Diktatoren mussten gehen. Der Rock’n Roll hat dem Kommunismus den Garaus gemacht.

Und ich lebe immer noch dieses Leben. Ich lehne mich auf gegen Ungerechtigkeiten, lasse mir den Mund nicht verbieten, und denke und spreche frei und ohne Furcht, auch wenn mir das so manche Nachteile einbrockt. Falsche politische Entscheidungen, Diskriminierung von Minderheiten, Mobbing am Arbeitsplatz, Lobbyismus, Korruption: nicht mit mir. Ich protestiere, wo ich nur kann, dulde keine Obrigkeit über mir, lasse mir nichts gefallen, kurz: ich bin, vielleicht nicht dem Aussehen und Benehmen nach, aber trotzdem, ein Rebell. Ich lasse mich nicht verbiegen. Nicht einmal das Alter konnte diese Lebenseinstellung ändern: ich spiele mit PrimeStone den Rock’n Roll, und lebe, wie so viele aus my generation, den rock and roll lifestyle.

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CONTRA…

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Fotos von unserem Spiel im Grünen Haus

Leider ist der Fotoapparat mitten drin ausgefallen! Trotzdem hier einige Bilder:

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Nur der Schädel ist verschwommen: der Sound ist scharf!

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Wolli schmunzelt: habe ich tatsächlich so oft daneben gegriffen?

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Gleicher Blickwinkel, gleicher Griff: derselbe Song! Welcher?

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Stuck In The Middle With You!

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Psychedelische Blicke…

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…und ein vorwurfsvoller von Wolfi…

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Gleiche Einstellung, gleicher Akkord: kein Wunder, dass die Kamera genug hat und aussteigt!

Falls noch jemand fotografiert hat: bitte melden! (Aber nur, wenn ich einen anderen Akkord greife!)

14.2.2014. Auftritt im Grünen Haus, Memmingen

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Möglicherweise hat das Grüne Haus noch nie so viele Leute über 40 erlebt, Damen natürlich ausgenommen. Zu unserer größten Überraschung war der Keller schon vor 21 Uhr fast voll, und so legten wir los. Und obwohl Sven und Basch, unsere Freunde von der Technik die Anlage gar moderat laufen ließen, wackelten bald die Wände! Bereits bei den ersten Songs kam eine Stimmung auf, die unsere Erwartungen bei Weitem übertraf. Bei unserem ersten Heimspiel waren natürlich viele persönliche Freunde anwesend, und das spornte uns zusätzlich an. Tatsächlich, in so kurzer Zeit nach der Gründung von PrimeStone haben wir bereits eine kleine Fangemeinde! Und das verpflichtet. So rockten wir ab wie der Teufel…

Ein Versuch der Selbstanalyse:

Songauswahl: gut? Eben die größten Rock-Klassiker der frühen Jahre, bis Anfang der 80-er. Gabi, meine viel bessere Hälfte sagt, die Zuhörer haben entrückte Gesichter, als ob sie wieder die Sixties and Seventies erlebten…

Können: geht so. Wir sind keine Virtuosen, es gibt viel bessere. Aber wir grooven!

Bühnenpräsenz: na ja. Ich bin immer noch viel zu statisch. Doch wichtiger als die Show ist unsere visuelle Authentizität: die grauen Köpfe, die Natürlichkeit und die sichtbare Spielfreude. Und wir kommen tatsächlich aus dieser wichtigen, prägenden Zeit des Rock, das sieht und fühlt man.

Abwechslung: Anleihen aus Blues, Soul, Funk, Reggae – allesamt Teile der Rockmusik – hauchen unserer Musik mehr Leben ein. Auch der Wechsel der Instrumente in dieser Minimalbesetzung trägt dazu bei. Wolli spielt neben seinen Keyboards eine exzellente Rhythmusgitarre, ich neben der Gitarre Saxofon und Harp, und noch wichtiger ist Wolfis absolut unverwechselbare und vielschichtige Stimme. Flogge darf hier auch nicht fehlen: in so vielen verschiedenen Stilrichtungen gleichermaßen zu grooven ist alles andere als einfach. Und der technische Beitrag von Sven und Basch ist perfekt. Man glaubt nicht, wie schwer ist es, den jeweiligen Sound zu solch unterschiedlichen Stücken zu mischen!

Einsatzfreude. Wir spielen jedes Lied, als ob unser Leben davon abhinge. Der Grund ist – neben dem tollen Publikum natürlich – dass wir die Stücke mehr als demokratisch auswählen: nicht mit Mehrheit, sondern einstimmig. Nur Songs kommen infrage, die jedem von uns gefallen. Beim leisesten Zweifel lassen wir es bleiben.

Die Summe dieser Komponenten macht möglicherweise den Erfolg aus. Oder nicht. Vielleicht sehen Sie das anders: wir freuen uns nicht nur über Kommentare, sondern bitten Sie darum!

Aktuelle Fotos posten wir bald!

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Momentaufnahmen

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 Das erste Konzert am 30. Juni 2012

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Was man nicht alles tut…

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…für die Kultur! (Kulturwerkstatt Memmingen, 24.11.2012)

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Die dritte Hand…

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Wolli, the guitar man

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Kultur darf auch Spaß machen! (Kulturwerkstatt, 27.4.2013)

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Aber bitte nicht gleichzeitig!

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Wolli, Peter,…

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…Flogge und Wolfi in Action

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Im “Rotlicht-Milieu”…

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…bei Betty.

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Auch der Keyboarder ist sichtbar,…

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…wenn er Gitarre spielt.

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Alles in Bewegung – Bewegung ist alles!

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Headbanging!

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Let’s dance!

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Who shot the sheriff?

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Unser Motto: Otto!

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Äktschn! (Balzheim, 11.1.2014)

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Smoke on the… ?

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Vier Hälse…

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…oder sechs?

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Der größte Laden…

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…mit der kleinsten Bühne. (Kennedy’s, München)

Gedanken nach einem Live-Konzert

Ich werde nicht verraten, wann und wo es war und wer spielte: das gehört sich nicht. Zwei Bands traten nacheinander auf. Die erste haute mich nicht um, war aber ganz amüsant – ein paar Leute auf der Bühne, witzig angezogen, denen man ansah (und -hörte), dass sie keine Profis waren. Der Groove stimmte nicht ganz, die Technik auch nicht, die Songauswahl, na ja, das ist natürlich Geschmacksache… Doch sie hatten sichtlich Spaß, und das Publikum ebenfalls. Sie waren witzig, gut gelaunt, und lieferten eine ganz gute Performance.

Nach zwei Stunden und einer kurzen Pause kam dann die zweite Band. Wie der Teufel legten sie los, wow, was für ein Sound, was für Klamotten, professionelles Gebaren auf der Bühne! Und die Instrumentalisten, was soll ich sagen, Weltklasse.

Und das war es, was mich sofort stutzig machte. Wie bekommt man einen derartigen Sound live hin? Dabei waren Schlagzeug und Amps nicht mal richtig mikrofoniert. Ich begann, sie genauer zu beobachten. Der Drummer bearbeitete permanent seine Snare und die Toms, und trotzdem hörte man ununterbrochen die Hi-Hat. Der Keyboarder bekam sämtiche Sounds mit einer einzigen winzigen Tastatur, der Bassist kratzte irgendwie herum und trotzdem war sein Sound aus Beton und mit dem Schlagzeug verschmolzen, und während ich eine einzige, messerscharfe Akkordfolge hörte, griff der Gitarrist auf einmal zwei…

Summa summarum, der Leser ahnt es sicher schon: die Begleitung kam größtenteils vom Computer. Und obwohl mehrere Sänger auf der Bühne eine tolle Performance boten und die Songs Klasse waren, war für mich der Abend gelaufen.

Ich will mich nicht darüber auslassen, ob das Publikum es gemerkt hatte und ob es ihm egal war. Im Grunde ist nur die Stimmung wichtig, die dabei entsteht, und die war OK. Nur, es war ein Live-Konzert angekündigt, und dann erwarte ich auch ein solches. Um einem Computer zuzuhören, habe ich nicht bezahlt.

Dabei benutze selbst eins, wenn ich als Alleinunterhalter auftrete, wie alle anderen auch. Doch das ist etwas ganz anderes. Das weiß man, das erwartet man sogar, denn man möchte eine komplette Musik hören, auch wenn nur ein Mann (oder eine Frau) spielt. Doch ein Livekonzert sollte auch ein solches bleiben. 

Interessanterweise meinten unsere anwesenden Freunde, die erste Band sei besser gewesen. Dabei sie waren keine Fachleute und merkten nichts vom Computer – außerdem klang die zweite Band um Klassen besser. Doch ihr Gefühl war instinktiv in der Lage, zwischen Sein und Schein zu unterscheiden.

Und das ist einer der Grundsätze von PrimeStone: niemals werden wir eine Technik einsetzen, die das Echte verfälscht. Verschiedene Keyboardsounds und Gitarreneffekte sind in Ordnung, solange wir live spielen. Aber niemals wird unser Publikum bei uns etwas hören, was nicht von Hand erzeugt ist. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Philosophie. Lieber nehmen wir Fehler, Stolperer und Unvollkommenheiten  in Kauf: aber PrimeStone ist und bleibt authentisch. Wie die erste Band an diesem Abend.

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Auftritt im Grünen Haus, Memmingen am 14.2.2014. EINTRITT FREI! (Spenden erwünscht…)

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Unser erster Auftritt in Memmingen steht bevor! Die Proben und Übungsstunden häufen sich, wir haben sogar Lampenfieber. Doch das ist normal. Ohne Lampenfieber kein guter Auftritt, das weiß jeder, der eine Bühne betritt. Und das Üben… Musiker sind weit unterbezahlt, denn die Stunden des Übens und Probens werden bei den ohnehin spärlichen Honoraren leider nicht einkalkuliert. Das hat aber auch sein Gutes: niemand könnte sich Livemusik leisten, würde man pro Übungsstunde nur 5 Euro verlangen… Außerdem macht es Spaß.

Apropos Spaß, vor einigen Jahren rief mich jemand an, er möchte mich engagieren (ich bin auch Alleinunterhalter). Wir haben schon alles besprochen, Tag, Uhrzeit, Location usw. Er wollte schon auflegen, als ich ihn aufmerksam machte, dass ein wichtiger Punkt noch nicht erwähnt wurde: mein Honorar. “Was für Honorar?”, fragte er verwundert, “ich dachte, es macht Ihnen Spaß!”

Wir hoffen, dass es am 14. Februar uns und Euch allen Spaß machen wird!

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PRIMESTONE – Auftritt am 31.1.2014 im Kennedy’s, München

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Das Lokal, direkt im Herzen der Stadt, ist ja riesig und voll von überwiegend jungen Menschen. Aha… Die Bühne dagegen winzig, rätselhaft, wie wir dort Platz finden sollen. Dann geht es doch, Stage á la Ölsardine… Bald ist es auch unten so, es ist nicht zu glauben, der Laden ist proppenvoll, und das Publikum… wie werden sie unsere Dino-Musik akzeptieren? Ich glaube, hier haben wir nichts zu verlieren: Augen auf und durch!

Erste Runde. Ignoranz. Na ja, wir spielen auch nicht Bruno Mars oder Lady Gaga. Wir nehmen die Sache sportlich und haben eine gute Zeit auf der Bühne. Das Publikum nimmt uns noch nicht wahr, aber je dicker die Nußschale, desto besser schmeckt der Kern – wenn er nicht vertrocknet ist. Apropos, einen Guinness, bitte, das ist schließlich ein Pub!

Zweite Runde. Auf einmal wendet sich das Blatt, aus der Gleichgültigkeit entwächst Neugier, dann Begeisterung. Es läuft! Die Auswahl der Songs, die Abwechslung, und Songs wie Sultans Of Swing reißen das Ruder herum. Eine junge Frau in Rot beobachtet mich sichtlich beeindruckt, vermutlich wundert sie sich, dass jemand in diesem Alter noch die Finger bewegen kann.. Oder ich erinnere sie an ihren Großvater.

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Pause. Erste Gratulationen, Anerkennung. Dass sie so reagieren würden, damit haben wir nicht gerechnet. Woran es wohl liegt? Ich vermute, es ist die Authentizität. Jährlich werden von den Musikhochschulen junge Musiker entlassen, die um Lichtjahre besser sind als wir, aber wir sehen auch so aus, wie diese Musik klingt. Und es ist our music, the music of our generation, das hört und sieht man. Gutes Zeichen: als wir begonnen haben, sahen wir mehr Hinterköpfe als Gesichter. Jetzt nur noch Gesichter, das ist ein euphorisches Gefühl!

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Die dritte Runde macht dann alles klar. Green Onions, der Reggae-Dreier, Baker Street und Hotel California überzeugen auch die letzten Zweifler, das Publikum vor uns flippt aus. Und wir mit ihnen.

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Und die vierte Runde macht den Sack zu und aus der skeptischen Jugend überzeugte Fans. Wir werden angefeuert, beklatscht, gefilmt, fotografiert… ein Traum. Und dann: ZUGABE, ZUGABE! Aus den vorgesehenen 30 Minuten wird eine Stunde, Verdamp lang her, “bitte nochmal Baker Street!”, und als letzter Song: Long As I Can See The Light…

Es ist Schluss. Mehrere Leute stürmen die Bühne, schütteln unsere Hände, gratulieren. Gell, ihr kommt wieder, fragt der freundliche Geschäftsführer. Jo freilich! Bei der Verpflegung (Super Essen, freundliches Personal!) und bei dem Publikum… DANKE! Durchgeschwitzt, erledigt und glücklich treten wir die Heimfahrt an.

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