Archive | December 2014

Primestone – the beginnings

So! Genug gedichtet, zurück zur schnöden Prosa. Ich habe noch gar nicht erzählt, wie unsere Band entstand, warum und durch welche Umstände. Hiermit hole ich es nach: vielleicht interessiert sich jemand von unseren Freunden und Fans dafür!

Vor Kurzem starb eine entfernte Verwandte von mir – Großtante eines Großonkels oder so – im stolzen Alter von 97 Jahren. Was das mit Primestone zu tun hat? Abwarten!

Als der Großonkel sie einmal besuchte, fiel ihm der seltsame Geruch in der Wohnung auf. „Das bin nur ich,“ sagte die rüstige Greisin fröhlich. „Ich wasche mich nicht mehr.“ „Wieso denn?“ „Einfach. Ich wusch mich regelmäßig, bis ich neunzig war. Seitdem nicht mehr. Ich muss mir das nicht mehr antun!“

Ich kam gerade vom Klavierstimmen. Ein Kunde hatte mich versetzt, und so hatte ich zwei Stunden bis zum nächsten Termin. Und weil ich gerade durch Niederrieden fuhr, fiel mir mein alter Freund Wolli Güthler ein, der dort wohnte, und den ich bereits einige Jahre nicht gesehen hatte. Ich tat etwas, was ich immer wieder tue: etwas Verbotenes. Diesmal war es die Benutzung eines Handy während des Autofahrens. Seine Nummer war im Internet im Nu gefunden. Er war da. Wolli, hast du etwas Zeit? Ich komme!

Seit einer ganzen Weile beschäftigte mich ein ganz bestimmter Gedanke. Nach langen Jahren als Alleinunterhalter war ich seit einiger Zeit endlich Mitglied einer Band: Wir waren gut, aber… Die näheren Umstände sind Privatsache. Jedenfalls fehlte mir etwas. Ich war bereits über sechzig, und seit Jahrzehnten auf der Bühne. Und das letzte Mal, dass ich genau die Musik machte, die mir am besten gefiel, war im Jahr 1966. Seitdem habe ich so ziemlich alles gespielt, was unter die Kategorie Musik fiel: Klassik, Pop, Operette, Musical, Folk, Tanzmusik, Country, Rock, Jazz, Bayrisch, im Theater, in Tanzcafés, in Hotelbars, privat, in Kurhäusern, auf einem Lastwagen, in Stripteasebars, auf Open Air-Bühnen, im Orchestergraben, auf Hochzeiten, Geburtstagen, Beerdigungen… Nur, der Grund war jedes Mal, zumindest zum Teil (und meist doch ausschließlich): Geld. Klar, man musste leben, und das möglichst gut, aber irgendwann merkte ich, dass meine Lieblingsmusik neben der Stille das Vogelgezwitscher war. Und das war kein gutes Zeichen. Nicht für einen leidenschaftlichen Musiker.

Ungarns Antwort auf Jimi Hendrix

So ist das kein Leben… ich will eine neue Band!!

Und, wie bereits erwähnt, war ich mittlerweile über sechzig. Mit dem Alter ist das so eine Sache. Vielleicht um die negativen Seiten zu kompensieren, wird man, zumindest, ein bißchen weise, auch wenn Curd Jürgens anderer Meinung war. Und mit zunehmender Weisheit nimmt die Bereitschaft ab, Dinge zu tun, die anderen Menschen zwar gefallen mögen, aber einem selbst weniger. Drastisch gesagt, je oller, desto LMAA. Capito?

Nicht dass ich nicht käuflich wäre. Wenn die Bezahlung stimmt, singe ich jetzt noch Einen Stern, wenn es sein muss. Aber bei Atemlos endet meine Toleranz. Nie werde ich begreifen, dass eine so unfassbar gute Sängerin, die auch noch makellos aussieht, auf diesen Schßdrck angewiesen ist. Klar, die Kohle. Doch sie ist noch so jung. Ich dagegen… klar, oder? Summa summarum, Jobs, die man nur wegen der Kohle macht, sind immer noch OK, bis zu einem bestimmten Punkt. Allein. Als Alleinunterhalter hat man die Computerbegleitung hinter sich, die einem sehr wenig Freiheiten lässt. Außerdem kann eine kleine Geburtstagsgesellschaft in den seltensten Fällen eine ganze Band bezahlen. Doch in einer Band sah ich immer weniger ein, dass ich Kompromisse machen musste. Eine Band ist mehr als nur die Ansammlung von Musikern: in ihr finden Interaktionen statt wie sonst nirgendwo auf der Welt, sie ist zu schade dafür, sie dazu zu missbrauchen, irgendwelche Hits runterzuleiern… Jedenfalls begann es in mir zu rumoren. Ich stellte mir vor, so ähnlich wie einst, in einer Band zu sein, die nur das spielt, was ihr gefällt. Keine Kompromisse! Nicht beim Bier, und nicht in der Musik.

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Keine Kompromisse…

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…beim Bier!

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich will nicht über das Publikum herziehen. You don’t have change the world, sangen bereits die Beatles. Das Publikum ist, wie es ist, und wenn der Geschmack schlecht ist, dann nicht weil die Leute blöd sind, sondern weil die Medien sie permanent zu verblöden versuchen. Erziehung ist ein zweischneidiges Schwert: sie funktioniert in beide Richtungen.

Und hier kommt die Großtante des Großonkels ins Spiel. Fünf Jahrzehnte lang bediente ich jeden Geschmack, nur meinen eigenen nicht – oder nur in Ausnahmefällen. Und im Alter von 64 Jahren beschloss ich, mich – in dieser Beziehung – nicht mehr zu waschen. Klar, für Geld hin und wieder doch, aber wenn es um eine BAND geht, in der ganz andere Möglichkeiten stecken, wollte ich, im übertragenen Sinne, vor Dreck starren. Im Klartext: nur noch die Musik machen, die mir hundertprozentig zusagte, den Rest wollte ich mir nicht mehr antun, ganz wie die Großtante. Dann macht das Spielen in einer Band richtig Spaß. Und Wolli kannte ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit in den frühen 90-ern bei Fireball und wusste genau, dass auch er genauso tickte – und den gleichen Musikgeschmack wie ich hatte.

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Auch sie wäscht sich nicht wirklich…

Unser Gespräch war lang und kurzweilig. Die Zeit war bei uns beiden reif. Auch Wolli war der ewig gleichen Popmusik überdrüssig. Wir wollten etwas anderes machen. Es sollte eine Musik sein, die im Blues seine Wurzeln hatte, den wir beide liebten. Also Classic Rock. Er ist vielfältig, biegsam, breit gefächert, und vereinnahmt auch andere Stilrichtungen. Außerdem war sie seinerzeit eine Revolution, die ihre Zeit so stark veränderte wie keine andere Musik je zuvor – und danach. Und noch eins: wir wollten zwar covern – warum, habe ich bereits in einem früheren Beitrag erörtert – aber offen sein für eigene Ideen. Kein Nachspielen wie ein Sklave, sondern mit Variationen und Improvisationen anreichern, auch mal etwas verändern… Etwas Humor sollte auch mit einfließen. Und: die Band sollte klein sein, die kleinste mögliche Formation. Je mehr Leute, desto schwieriger die ganze Organisation: Proben, Auftritte, Urlaub, Krankheit – und der auf einen gemeinsamen Nenner zu bringende Musikgeschmack… Ein Gitarrentrio kam für mich nicht infrage, das ist nicht mein Geschmack, außerdem könnte ich dort kein Saxofon spielen. Und ein Keyboard macht eine Band um ein Vielfaches variabler und spannender. (Vor allem wenn es Wolli ist…) Und auch wegen der Herausforderung: einen Song, der im Studio mit unzähligen Spuren entstand, nur zu viert zu spielen, ist nicht einfach. Ein Quartett also. Über die restlichen Mitglieder waren wir uns auch einig, und sogar ziemlich sicher, dass sie mitmachen würden, denn es ging um unseren früheren Kollegen bei Fireball: Wolfi Preuß, die Skarabeus-Legende mit der unverwechselbaren Stimme, den ich bei Urwerk40 wiedersah; und Flogge Lutz, der groovige und leidenschaftliche Rock-Drummer, den ich bei der früheren Band kennen lernte, und der keinen Ton zuviel oder zuwenig spielte (und sprach).

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Das erste Bandfoto, noch ganz inoffiziell.

Die zwei waren dann auch sofort Feuer und Flamme. Wolfi hatte die gleichen musikalischen Wurzeln wie ich, und Flogge war trotz seines zarten Alters ein glühender Classic-Fan, das wusste ich. Die Band war geboren. Kriterien: nur Songs, die jedem von uns gefallen. Demokratie in der Band, ehrlich und geradeaus. Nur die größten Klassiker aller Zeiten. Und persönliche Freiheiten in der Musik, sprich: Mut zu Experimenten, Variationen, Improvisationen, zum eigenen Stil.

Bei den darauf folgenden Gesprächen und Proben kamen dann weitere Ansprüche dazu. Unser Programm sollte wie aus einem Guss sein. Und die Volksmusik des Doppelkontinents Amerika – Blues, Soul, Latin, Reggae – sollte es zu einer Einheit verbinden. Und es sollten auch Lieder dabei sein, die nicht unbedingt jeder spielt. Wir wollten keine Party-Rockband sein.

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Wolli überlegt…

Nur noch der Name fehlte. Die zu finden dauerte wesentlich länger als die Bandgründung. Wir gingen die gesamte Musikgeschichte durch, Cocaine, Abracadabra, Evil Ways, Easy Living… aber laut Internet war jeder dieser Titel bereits von einer Band als Name vereinnahmt – oder es gefiel uns nicht. Andere Worte fielen, englische, auch deutsche. Nichts passte wirklich. Irgendein Wort, das bloß gut klingt und ansonsten nichtssagend ist, wollten wir nicht, denn der Name sollte auch unser Konzept ausdrücken. Unseren ersten Gig im August 2010 bei der Hochzeit vom Helter Skelter-Keyboarder Sascha spielten wir noch unter dem Namen No Respect. Außerdem mussten wir anschließend für anderthalb Jahre die Band stilllegen, um Altlasten abzuwerfen und das Ganze richtig vorzubereiten. Richtig geprobt haben wir erst ab Ende 2011. Und einen Namen hatten wir immer noch nicht. Ein Vorschlag folgte dem anderen, ein Dutzend Namen kamen und gingen, wurden zerkaut, zerstritten und überschlafen. Bis eines Tages Wolli auftauchte, und den Namen Primestone in die Runde warf. Denn wir hatten auch den Namen Urgestein erwogen. Er sah im Wörterbuch nach und fand die Bezeichnung “primery stone”, die zwar eine andere Bedeutung hatte – reinster Stein, also Diamant – aber gut klang, auch wenn sie etwas zu lang war. Er kürzte kurzerhand ab, und das war es!

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…und findet einen Namen:

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Das war es! Bingo. Das Wort saß. Eine Minute Beratung, fünf Minuten Recherche, ob es ihn bereits gab; die Entscheidung war gefallen. Primestone. Qualitätsstein. Der Name ist Programm und Anspruch in einem.

Und die Großtante kann in Frieden ruhen.

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Ode an die Traube Bellenberg in altgriechischen Versen

Möglicherweise mute ich den PrimeStone-Fans etwas zu. Doch ich will nicht immer die gleich Lobpreisung schreiben: diesmal dachte ich, wenn schon Lobpreisung, dann richtig, so wie die alten Griechen es taten, in ihren großen Epen Ilias und Odyssee. Liebe Leser, wenn es euch nicht gefällt, meldet euch: ich mache es dann in Neugriechisch… (Smileyyy…)

Göttin, steh mir bei beim großen Vorhaben, den Auftritt
der greisen, doch wackeren Männern von Primestone, der Lauten, zu preisen,
die im schönen Berge des Bellens das Rock-Opfer bringen.
Immerzu die gleichen schnöden Floskeln zu dreschen
war ich müde und suchte nach anderen Mitteln: so kam ich
auf die Idee des griechischen Versfuß. Athene, du weise
Gottheit geflügelter Zeilen, steh mir bei und helfe!

Nur zu logisch ist mein Wunsch, dies auf diese Weise
zu tun: die stolzen Eltern gaben mir den Namen
Peter: dies ist das griechische Wort für Fels. Doch wiederum
heißt der Fels auf Englisch ROCK. Da schließen sich Kreise!

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Hurtig beginnen wir das Spiel, das laute, vor vollem
Hause, denn viele waren gekommen, um unsere Gruppe
zu hören, voller Erwartung. Doch vorher will ich die Schar der
schönen Halle, Traube genannt, nach den runden Früchten des
Weinbergs, besingen: allen voran die holde, schlanke
Chrissy. Ihr Lächeln, ihr Haupthaar, das blonde; doch auch ihren Liebreiz.
Auch die And’ren im Team sind fleißig und stets zu Hilfe,
uns mit Speis’ und Trank gar reichlich und rasch versorgend.

Unter den Gästen sind viele, die wir gut kennen. Dieter, der
Hüllen schiebt seinen mächtigen Leib durch das Fußvolk zu uns her;
sie fliegen wie Stroh nach links und rechts durch seine Fülle.
Caro, des Keyboarders zarte und flinke Gattin ist auch da.
Und Fräsi, der sonst seinen mächtigen Bass durch die Luft schwingt. Sogar
der wackere Pesa, der seine Helter und Skelter durch alle
Bühnen des Landes scheucht, und nebenberuflich die armen
Sünder verteidigt vor der Gewalt des großen Staates,
beehrt uns heute, und lobende Worte entflieh’n seinem Munde.

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Denn wir entfachen ein’ Sturm mit unseren Lauten, Trommeln
und tief tönenden Bässen und breiten Tasten, mit strahlendem
Teppich des gold’nen Klanges, und singen aus voller Kehle
die Lobpreisung dessen, den wir alle als obersten Gott
erkennen: ER schwebt über alle Wipfeln mit strahlendem Antlitz.
Nicht Ruh’ herrscht dort, wo er ist. Nein! Getöse begleitet
ihn, der Brandung des Meeres gleichend, die tosend und brüllend
gegen den Fels schlägt: daher kommt sein ruhmreicher, donnernder Name:

ROCK nennen wir ihn, niederen Würmer der Erde. Mal ist er
rau und ung’stüm, doch manchmal sanft, der edle Hauptgott.
Ihn preisen wir Vier hier, und zweihundert tobende Gäste.

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Opfertrank fließt in Strömen die durstigen Kehlen hinunter,
bei manchen gar reichlich: sie werden berauscht durch den Saft der Gerste,
der ohne Unterlass durch ihre Kehlen rauscht. Sie singen
laut und falsch ihre eigenen heidnischen Verse. Ich mahne sie
streng, sie gehorchen, vor Ehrfurcht erblassend. Doch die Mehrheit
ist durch und durch auf unserer Seite, sie feuern uns an und
treiben zu Leistung’, wie nie zuvor gekannt, so rasend.

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Doch viel Jungvolk strömt in den Laden, die Gottheit missachtend:
sie kommen nicht wegen uns in die Kneipe. And’re Gelüste
treiben fortwährend sie durch die heiligen Hallen: Gar staunend
sehen sie plötzlich die alten Säcke, die spielen, als ob es
ums Leben ginge: die Saiten und Stöcke brechen, die Tasten
fliegen, die Töne fetzen als Opfer an die Gottheit.

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Gebannt steh’n sie da, die Jungen und Schönen, bekehrt durch der Alten’
Gehabe: mächtig ergreift sie die Ehrfurcht und Demut vor IHM.
Und ROCK, der Gott aller Götter schließt sie in die Arme,
die gnädig und huldvoll ausbreitend er ihnen entgegenstreckt.

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Das Opfer vollbracht, verneigen sich die grauen Greise
dort oben. Doch die Menge lässt sie noch nicht geh’n. Sie müssen
weit’re Gesänge zum Loben des großen Gottes anstimmen, erst
später ist das Volk, jung und alt, gesättigt und friedlich.
So geht der Abend zu Ende. Und ROCK, der mächtige Hauptgott
lächelt hinunter vom Berg, dem Olymp, von Wolken umgeben,
und ist sehr zufrieden.

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