Archive | January 2015

Konzert in Neustädtlein, mal gaaaanz anders: Überraschung!

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Am 2. Januar durften wir wieder in der kultigen Tanzmetropole in Neustädtlein auftreten. Es war ein tolles Konzert, mit  unglaublichem Publikum, hilfsbereitem Team und Wahnsinns-Stimmung. Und mit einem Vorfall. Anstelle den üblichen Bericht abzugeben, möchte ich darüber schreiben: ich denke, es ist nicht ganz uninteressant – und eine “nette” Abwechslung im Blog. Vorausschicken möchte ich, dass als das Konzert vorbei war, kam der Lokalbesitzer, Herr Meiser zu uns auf die Bühne, und sagte mit strahlendem Gesicht, das ganze Publikum sei hoch zufrieden mit uns gewesen, alle hätten uns hoch gelobt, kein Einziger hätte gesagt, er sei unzufrieden mit uns gewesen.

Was er da noch nicht wissen konnte: es war doch jemand, der einiges zu bemängeln hatte: am nächsten Tag erreichte uns eine Mail, die ich hier publiziere, freilich ohne den Namen des Absenders. Viel Spaß!

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war gestern zahlender Gast in Neustädtlein – wie letztes Jahr schon einmal. Sie machen gute Musik – alle vier Musiker haben sehr gute Anlagen und haben sehr gute Fähigkeiten. Natürlich würde ich mich nicht zu einer mail aufraffen, Wenn es da nicht gewisse Verbesserungsvorschläge geben würde. – und glauben Sie mir : Ich habe mich um auch andere Sache zu kümmern.

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1) Ich zahle 13 Euro Eintritt – andere Gruppen spielen bis 2:00 Uhr – für 10 Euro…. und da sind viel mehr Besucher ! Sie hören um 0:30 Uhr schon auf….und lassen sich ab 0:00 Uhr noch betteln. Machen Sie Ihren Job dort auf der Bühne nicht gerne ? Verdienen Sie nicht gerne etwas Geld mit Ihren Auftritt? (Anmerkung von mir: Beginn war um 20.30 Uhr!)

Um jetzt mal als ein Mann zu sprechen, der Ihre Interessen vertritt : Das Publikum zahlt nicht für Ihre Eitelkeit – es zahlt für einen schönen Abend; dafür sollen Sie – und das Tanzlokal Neustädtlein – sorgen; mithin ist es eine Verachtung Ihrerseits, das Personal zu ridiculisieren – das Lokal könnte noch Getränke verkaufen und Einnahmen generieren…WESHALB verhindern Sie dieses? Sie bekommen eine Gefälligkeit von der Fam. Meißner ( denn da sind nunmal wenige Besucher ) um sich einen Namen zu machen – und Sie danken es mit Verachtung….Ihr Verhalten und Ihre professionelle Auffassung sind völlig daneben!

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Ihre Titelabfolge hat – noch – keine Struktur. Sie müssen auf einen Höhepunkt im Abend hin arbeiten – dieser Höhepunkt liegt gegen ca. 1:30 Uhr – solange sollten Sie auch das Publikum unterhalten und fürs Geschäft sorgen!

” A Whiter Shade of Pale” und “Hotel California” sind sehr persönliche Lieder von Ihnen – haben aber nichts mit dem Publikum zu tun! Der Applaus von einigen sollte Sie auf keinen falschen Weg führen – Sie müssen Publikum generieren… WAS einige Wenige denken streichelt vielleicht Ihre Seele – hat aber nichts mit dem Geschäft zu tun. Sie? – Sie stehen erst am Anfang und sollten sich auf das wesentliche konzentrieren.

Mit den Rolling Stones haben Sie schon mal ein paar Klassiker aufgenommen – da sind aber noch die “Gassenhauer” zu spielen; ob es AC/DC oder ZZ Top sind, ob es KISS oder Deep Purple sind, ob es Led Zeppelin oder Spencer Davis Group sind, ob es Dazy, Dozy, Mick and Ditch oder T.Rex sind….für Cream und Emersson, Lake and Palmer ist es nicht das Publikum hier!
Auch diese komischen Eagles sind – wenn sie auch ein legendäres Konzert gaben – eine Randgruppe. CCR und Joe Cocker, Queen und Beatles sind dagegen “IN” – und diese haben auch “legendäre Konzerte”gegeben – dieser Ausdruck genügt doch für jedes Konzert, WO der Künstler mal nicht unter Drogen stand – oder gerade mal Nicht unter Drogen und einen “lichten Moment” hatte.

Also : relativieren solche Presseaussagen. Für Sie ist es wichtig, dass Publikum zu Ihren Auftritten kommt – nichts sonst !

Mit freundlichen Grüßen,

Dr jur. XXXXXXXXXXX

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Nicht schlecht, oder? Er nennt das “Verbesserungsvorschläge”! Nun, wir schalteten uns zusammen, gingen in uns, waren sehr, sehr zerknirscht, und dann schrieb ich eine unterwürfige und reumütige Antwort: 

Sehr geehrter Herr Dr. XXXXX,

herzlichen Dank für Ihre „Verbesserungsvorschläge“! Bevor ich Ihnen angemessen antworte, schildere ich kurz eine Szene vom besagten Abend, obwohl auch ich mich um andere Sachen zu kümmern habe: Als die Veranstaltung vorbei war, kam der Besitzer der Tanzmetropole, Herr Meiser zu uns, und sagte freudestrahlend, so ziemlich Wort für Wort:

„Jungs, ihr wart großartig! Und stellt euch vor, nicht ein einziger Gast war unzufrieden! Alle sagten, es sei hervorragend gewesen. Das passiert sehr, sehr selten!“

Also, ich nehme mal an, wenn selbst der Lokalbesitzer so enthusiastisch reagiert, kann es so schlimm nicht gewesen sein. Denn niemand als er kann besser beurteilen, was für sein Lokal gut ist, meinen Sie nicht auch? Kein Wort über falsches Programm, zu kurze Spielzeit usw. Interessant, nicht?

Doch in einem Punkt hat er sich offensichtlich geirrt: jemand war doch unzufrieden: Sie. Das ist natürlich Ihr gutes Recht. Alles ist Geschmackssache, auch die Musik. Doch was Sie ansonsten bemängeln, kann ich leider nicht unbeantwortet lassen. Ob es Ihnen dann gefallen wird, das ist ebenfalls Geschmackssache, mit dem gleichen Ergebnis: mir wird es gefallen, Ihnen nicht. Ich gehe mal Punkt für Punkt auf Ihre Vorwürfe ein.

  1. Der Eintritt. Die zu zahlende Summe bestimmen nicht wir, sondern der eben erwähnte – und hoch zufriedene – Herr Meiser. Was es für seine Bands verlangt, ist seine Sache. Nicht unsere. Und auch nicht Ihre. Außerdem erstaunt es mich immer wieder, wie manche Menschen über den Wert des Geldes denken. Für 13 Euro bekommen Sie sonst gerade mal eine Pizza oder 2 Stunden Kinovergnügen. Für vier Stunden schweißtreibende Rockmusik ist es in Ihren Augen zu viel – auch das ist Ihr gutes Recht.
  2. Stellen Sie sich vor, wir machen unseren Job sehr, sehr gerne. Sonst würden wir, die allesamt nicht darauf angewiesen sind, für die relativ niedrigen Gagen – ich spreche nicht über Neustädtlein, sondern allgemein – gar nicht auftreten. So gerne, dass wir uns vier Stunden lang (incl. Pausen, sonst würden wir es gar nicht schaffen) bis zur Erschöpfung abrackern. Was wir machen, ist keine Tanzmusik, bei der der halbe Sound vom Computer kommt, sondern echte Livemusik, Rockmusik, die sehr, sehr anstrengend ist. Da Sie so viel über Musik wissen, müssten Sie auch dies eigentlich wissen. Ich weiß definitiv, dass kaum eine Rockband länger als vier Stunden durchhält. Übrigens, bei einer Musikvorführung ist nicht die Länge, sondern die Qualität ausschlaggebend. Und was Sie über das angebliche „Betteln lassen“ sagen, ist gängige Praxis: die Band hört auf, das Publikum will Zugaben, und bekommt sie. Ich gehe seit Jahrzehnten zu verschiedenen musikalischen Aufführungen, und es ist immer, überall so. Auch bei uns.
  3. Wenn Ihr Vorwurf, das Personal zu ridiculisieren, stimmen würde, wäre Herr Meiser der erste, der sich darüber beschweren würde, meinen Sie nicht auch? Doch er tut es nicht, im Gegenteil, er ist sehr zufrieden – obwohl wir diesen Vorwurf von ihm akzeptieren würden. Von Ihnen dagegen tun wir das nicht.
  4. Was die Gefälligkeit der Fam. Meiser und unsere angebliche Verachtung betrifft, habe ich bereits in den obigen Zeilen beantwortet. Ihr Vorwurf ist lächerlich!
  5. Die Titelabfolge. Primestone ist keine Partyrockband, denn davon gibt es genug. Wir haben ein ganz bestimmtes Konzept. Wir spielen Classic Rock, und zwar genau die Songs, die ihre Wurzeln im Blues oder anderen ursprünglichen Richtungen haben. Ein anderes Kriterium ist, dass wir nicht wahllos alles Mögliche spielen, sondern nur das, was uns auch liegt. Und vor allem das, was uns vier ohne Einschränkungen gefällt. Und, werter Herr XXXX, das ist die absolute Hauptsache: weil wir eben ohne Einschränkung unseren Spaß auf der Bühne haben wollen. Musik, nur anderen zuliebe gemacht, kommt bei uns nicht in die Tüte! Denn, und auch das ist ein Teil unseres Konzepts, wir wissen, dass das Publikum dies spürt, und uns auch deshalb mag. Weil die Leute merken, dass wir authentisch sind und alles geben. Das wissen wir aus Erfahrung. Es gibt sehr viele Menschen, denen dieses Konzept sehr gut gefällt, das wurde uns seit der Gründung der Band im Jahr 2011 immer wieder bestätigt. Uns ist wohl bewusst, dass es noch eine Menge Songs gibt, die wir nicht spielen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass man an einem einzigen Abend die ganze Musikgeschichte durchspielt, unter anderem auch solche Stücke, die uns nicht liegen und wir sie deshalb schlecht interpretieren würden. Und was Ihre Bewertung der einzelnen Bands betrifft, ist das Geschmackssache, und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Da würde ich Ihnen empfehlen, sich an eine Band (bitte nicht an uns!) zu wenden, die Ihre Lieblingssong von Ihren Lieblingsbands einstudieren soll. Das würde allerdings ein wenig mehr als 13 Euro kosten…Aus diesen Gründen weise ich Ihre „Verbesserungsvorschläge“ hiermit zurück, denn es sind keine. Es sind dilettantische und hochnäsige Belehrungen, von einem Laien, der glaubt, von der Musik mehr zu verstehen als die Musiker selbst. Jawohl, es ist Hochnäsigkeit, wenn ich das sagen darf, auch wenn es sonst nicht meine Art ist, zu verallgemeinern,  typische Akademiker-Hochnäsigkeit, die ich auf die gleiche Weise beantworte, denn auch ich habe studiert – nur erlaube ich mir in de Regel nicht, mich auf eine solche Weise zu äußern – mit dieser Ausnahme. Herr XXXX, ich habe unter anderem auch Musik studiert. Darüber hinaus stehe ich mittlerweile seit über fünfzig Jahren auf der Bühne, habe alles gespielt: Rock, Pop, Klassik, Musicals, Jazz usw., und weiß sehr wohl, was ich tue, und brauche keine Zurechtweisungen von jemandem, der keine Ahnung hat, und seine Dreistigkeit auch noch überheblich „Verbesserungsvorschlag“ nennt. Kritik kann ich es auch nicht nennen, nicht mit diesen Begründungen, und nicht auf diesem Niveau. Wenn Ihnen unsere Musik nicht gefällt, müssen Sie uns nicht besuchen. Zu etwas Anderem haben Sie nicht das Recht. Einen Brief wie den Ihren habe ich in den bereits erwähnten 50 Jahren noch nicht bekommen: ich danke Ihnen für dieses einmalige Vergnügen!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Peter Gaspar

sage ich doch

Ja, und als ich diese Zeilen zu Papier brachte, beruhigte ich mich erst mal, und las es ein paarmal durch. Und beschloss, den Brief nicht abzuschicken. Denn eine angemessene Antwort, in der man sich mit den “Argumenten” des Gegners auseinandersetzt, erhebt ihn auf das gleiche Niveau, und diese Genungtuung wollte ich ihm dann doch nicht gönnen. Statt dessen verfasste ich einen kürzeren Brief. Und was ich darin schilderte, hat sich tatsächlich zugetragen:

Sehr geehrter Herr Dr. XXXX,

im Mai 2013 nahm ich an einer fünfwöchigen Tournée quer durch Japan teil. Wir spielten auf Open Airs vor jeweils mehreren tausend Menschen, in Tokio, Yokohama, Osaka, Tochigi, Kyoto usw. Unsere Zuschauer waren jedes Mal euphorisch, entzückt und dankbar. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, wir lebten in einem permanenten Zustand der Euphorie. An einem der letzten Tage in Osaka war mir ein großer, blonder Typ aufgefallen, der inmitten von Tausenden Japanern herumsprang, tanzte und klatsche. Als das Konzert vorbei war, winkte er mich zu sich. Freudestrahlend ging ich zu ihm. Nachdem er mich freundlich begrüßte, setzte er mir Punkt für Punkt auseinander, was wir alles falsch machten, warum, und wie er es machen würde. Er war ein deutscher Akademiker…

Meine Antwort befriedigte ihn nicht, und damit waren wir quitt. Aber im Gegensatz zu Ihnen hatte er wenigstens den Mumm, mir seine Meinung dort an Ort und Stelle zu sagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Gaspar

P.S. Als unser Konzert in der Tanzmetropole vorbei war, kam Herr Meiser, den Sie so vehement verteidigen, zu uns auf der Bühne und bedankte sich überschwänglich. Er sagte kein Wort über zu kurze Spielzeit, Publikumsverachtung, falsches Programm und Ähnliches. Und lud uns ein, wieder bei ihm zu spielen. Übrigens: für 13 Euro bekommen Sie unter anderem drei Bier, eine Pizza, oder eine Kinokarte. Und ein vierstündiges, schweißtreibendes, aus ganzem Herzen vorgetragenes Rockkonzert.

Übrigens, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Akademiker, ich habe viele solche Bekannte und Freunde, und einigen von ihnen verdanke ich sogar mein Leben. Ich war nur ein bißchen aufgebracht, gelinde gesagt. Was aber auch Fakt ist: solche Miesmacher können zwar nicht unsere Freude an der Musik schmälern. Aber einen Abend ganz schön verderben. Dabei sind sie es gar nicht wert…

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