Nachruf für Mini Weiß

mini weiß

Ein Freund ist gegangen. Nicht der erste in meinem Leben, auch nicht der erste Musiker, mit denen ich je spielte, aber als der Vorletzte (Franz Bail, ebenfalls Urwerk-Mitglied) ging, gab es den Blog noch nicht. Und ich empfinde es als Pflicht, hier nicht nur über unsere Primestone-Erlebnisse, größtenteils heiter und positiv, zu berichten, sondern auch über die traurigen Geschehnisse in unserem Umfeld: ganz besonders über dieses Geschehnis.img_0524 Fotos: Mini Weiß mit Urwerk40

Wenn jemand stirbt, löst das sehr unterschiedliche Gefühle in mir aus. Wenn ich ihn nicht kenne, lässt es mich ziemlich kalt – sonst würde man verrückt bei all den Toten, über die man täglich hört. Doch wenn ich ihn kenne, sind die Gefühle vielschichtig, je nachdem, ob flüchtiger Bekannte, guter Freund, Kollege, ob unsere Begegnungen überwiegend positiv oder negativ waren… Das ist normal, so kennt es jeder, glaube ich.

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Und je älter man ist, desto häufiger erlebt er, dass jemand in seinem Umfeld stirbt. Auch das ist normal, denn niemand lebt ewig, und das Umfeld altert mit einem. Nur, es ist nicht gleich, wer es ist und wie alt. Mich persönlich trifft am meisten, wenn der Tod jemanden ereilt, der jünger ist als ich. Das empfinde ich als ungerecht, obwohl ich selbstverständlich weiß, dass es unvermeidlich ist. Doch so ist es nun mal.

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In den letzten Jahren starben in meinem Verwandtschaft und Freundeskreis erschreckend viele, die jünger waren als ich. Zu denen gehört nun mein Musikerkollege und Freund Mini Weiß.
Mini lernte ich 1989 kennen, als wir Fireball gründeten. Dann folgte eine längere Pause, wir verloren uns aus den Augen, bis 2007, als ich bei Urwerk40 einstieg. Auch als ich Primestone gründete und Urwerk verließ, blieben wir in Kontakt, bis ich letztes Jahr von seinem Schlaganfall hörte. Ich wollte ihn besuchen, aber zwei Todesfälle in meiner Familie beschäftigten und berührten mich so stark, dass ich den Besuch immer wieder hinauszögerte.

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Und jetzt geht das nicht mehr, wofür ich mir Vorwürfe mache. Doch meine Empfindlichkeiten spielen hier keine Rolle. Mini war elf Jahre jünger als ich! Das ist das eigentlich Ungerechte, nicht der Tod selbst. Wenn man wenigstens sagen könnte, dass er selbst schuld war, aber nicht einmal das. Er lebte gesund, trank nicht, rauchte nicht, hatte eine tolle Familie, Freunde… Das Leben ist nicht fair, sang Grönemeyer vor Jahren.

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Trauer hat viele Gesichter. Oft ist Eigenliebe, Egoismus dabei, auch Heuchelei, manchmal sogar Erleichterung. Sterben die Eltern, der Lebenspartner, oder noch schlimmer das eigene Kind, ist jede Variante der Trauer erlaubt. Stirbt ein Musikerkollege, sind andere Gefühle im Spiel. Der Verlustschmerz ist vielleicht nicht so stark, aber trotzdem ist die pure Trauer da, denn jeder, der aus diesem sehr stark bindendem Umfeld für immer fehlt, hinterlässt eine große Lücke. Wenn man mit jemand zusammen Musik macht, entsteht eine starke Verbindung, die nur ein Musiker nachvollziehen kann; vielleicht ist das beim Bergkletterern oder beim Militär ähnlich, dort, wo man besonders aufeinander angewiesen ist. Beim Musizieren ist es, glaube ich, noch stärker. Dabei entsteht eine magische Atmosphäre, die mit nichts anderem vergleichbar ist. Sich gegenseitig durch musikalische Töne zu verständigen ist ein Privileg und eine Ehre, und darüber hinaus ein so starkes Gefühl der Verbundenheit, dass man es nicht mit Worten ausdrücken kann. Ich bin ziemlich vergesslich, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich mich an jeden erinnere, mit dem ich je auf einer Bühne stand, und das sind immerhin 52 Jahre.

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Mini, ich habe mich absichtlich gehütet, über deine menschlichen Eigenschaften zu sprechen, denn das fände ich so trivial und unwichtig, dass es nicht der Rede wert ist. Und nicht etwa weil ich nichts Schlechtes sagen wollte. Nein, über dich könnte ich nur Gutes sagen. Doch will in diesem Nachruf alles vermeiden, was trivial ist. Und das einzig Wichtige ist, dass wir dich niemals vergessen werden.

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