Schelklingen, 28.2.2015: die Moral der Geschicht’

IMGP3885

Ja, es war wieder ein erfolgreiches, tolles Konzert. Das Stellwerk war voll, das Team und das Publikum großartig. Doch anstelle den Ablauf zu beschreiben, wie immer, erzähle ich etwas anderes. (Was? Anderes? Also hätte ich es mit Großbuchstabe schreiben müssen? Ich blicke da nicht mehr durch! Vielleicht sollte man jedes Wort mit einem Großbuchstaben beginnen, sicherheitshalber, oder, eigentlich leichter, gar keins, fertig! Aaaahhh!)

epiph doubl

Mein neuer Doubleneck!!

Denn wir gewannen bei diesem Auftritt wichtige Erkenntnisse, die uns anspornen werden, uns zu verbessern. Klar, die technischen Fertigkeiten auf den Instruments gehören dazu, sind aber erstens irgendwann ausgereizt, zweitens in unserem Fall eher zweitrangig. Wichtiger ist die Songauswahl, die Präsentation, die eigentliche technische und mentale Logistik des Ablaufs. Und in diesem kleinen, intimen Lokal, in dem wir sehr nahe am Publikum waren – und auch an uns, denn die Bühne war winzig – konnten wir die Regung jedes Einzelnen sehr gut beobachten: wie sie die Songs aufnahmen, darauf reagierten. Und stellten fest, dass wir noch einiges (Groß schreiben? Sch…drauf!!) besser machen konnten. Einige Beispiele:
Wir begannen recht kräftig, und spielten richtige Kracher, von denen wir wussten, dass sie gut ankommen würden. Und gingen damit baden. Das Publikum war zwar wohlwollend, aber keineswegs euphorisch. Crossroads zum Beispiel, ein Lied, mit dem wir gewöhnlich die Leute von den Stühlen reißen, verpuffte beinahe wirkungslos. Gegen Ende der ersten Runde „hatten“ wir die Leute zwar, aber nach der zweiten Runde meinten einige (klein geschrieben, verdammt!!!), wir hätten uns gegenüber der ersten Runde stark gesteigert. Klar, jeder sieht das anders, und auch das jeweilige Publikum ist unterschiedlich zusammengesetzt und hat dem jeweiligen Lokal entsprechend andere Erwartungen, aber trotzdem gibt es allgemein gültige Regeln, die man beachten sollte: dass man sein Pulver nicht zu früh verschießt, gehört auch dazu.
Außerdem stimmten die Lautstärkenverhältnisse auf der kleinen Bühne nicht. Wolli fühlte sich gestört durch meine laute Gitarrenbox, für mich war das Schlagzeug zu laut, und der Bass war für alle zu wuchtig, außer Wolfi, der ganz vorne stand. Denn wir anderen (!!!) waren sehr nahe an der Wand, wo der Bass immer am lautesten ist. Fazit: die Boxen anders stellen, ein ausgiebiger Soundcheck, bei dem auch diese Faktoren kontrolliert werden…

1959375_10152745639090638_5388420890189324329_n
Zum Glück war das Erfolgserlebnis, das uns das großartige Publikum bescherte, um einiges (???) stärker als diese Störfaktore. DANKE, STELLWERK! (zur Sicherheit alles groß geschrieben – und ich meine es auch so!)
P.S. Leider hatten wir diesmal keinen Fotografen dabei; deshalb nehme ich andere Bilder. SORRY!

photo_00008

SORRY!!

Advertisements

Fiddler’s Green am 24.1.2015

10623726_892175870812665_4170275558447441825_o

Jens, Inhaber, Musiker, Tonmischer, Logistikfachmann und mehr…

Wieder im Fiddler’s Green in Pfaffenhofen/Roth, bei Jens, diesmal ohne Fußball! Große Vorfreude, unser erstes Konzert hier am 19. Mai (siehe dort!) war so toll, dass wir sogar mit Erwartungen hingehen, was ansonsten gar nicht so gut ist, denn Erwartungen können zu Enttäuschung und Frustration führen. Doch nicht hier, im Fiddler’s! Das Lokal ist vom Anfang an brechend voll, obwohl Jens den Eintritt gegenüber dem letzten Mal um einen ganzen Euro erhöht hat – mit Derartiges hatten wir bereits schlechte Erfahrungen. Doch jetzt murrt keiner. Das ist übrigens der Unterschied zu manchem anderen Laden: das Publikum ist wissend und kundig, und meckert nicht über den Eintrittspreis (wie ein gewisser Herr aus meinem vorherigen Bericht)!

10847221_892176184145967_5966693781945617430_o

Das kundige Publikum!

Ja, das Publikum ist kundig, auch was die Musik selbst betrifft. Das wussten wir, und deshalb haben wir unsere Setlist anders zusammengestellt als sonst. Unser erster Set anderswo ist eine Art Herantasten: wir spielen bewährte und nicht allzu harte Standards wie Free Me, Get Back oder You Ain’t Seen Nothin’ Yet – große Songs zwar, aber doch Mainstream, und erst ab der zweiten Runde wagen wir uns an speziellere Sachen wie bluesige oder soulige Stücke (Superstition, Crossroads usw.) heran. Anders im Fiddler’s: hier wissen wir, dass man auch mit „Hardcore“ beginnen kann. Und so machen wir es auch. Der Herr Dr. aus Neustädtlein würde einen Herzinfarkt kriegen bei so vielen für ihn falschen Liedern! Sorry, werter Herr, Rockin’ All Over The World und Atemlos spielen wir nicht… Statt dessen:
Cream, Stevie Wonder und Steely Dan zünden sofort. Es ist nicht wohlwollender Applaus, den wir bekommen, sondern begeisterte Ovation. Yeah Baby, we are home again! Euphorisch spielen wir die Runde zu Ende. Und jetzt erlauben Sie mir, etwas persönlich zu werden, denn ich habe Besuch!

10857347_892174604146125_5724430977431834956_o

Feri aus Budapest, allein am Tisch – Knoblauch??

Mein Cousin, Bruder und bester Freund, Feri aus Budapest ist anwesend. Er kam extra, um uns zu hören, denn ursprünglich planten wir ein gemeinsames Skifahren in Österreich, aber er wollte mich unbedingt mit meiner „neuen“ Band hören, und kam extra hierher. Doch Halt, zuerst muss ich etwas erklären, denn ich sehe schon das Unverständnis: Bruder und Cousin zugleich, wie geht das?? Dabei ist es ganz einfach. Seine Eltern – meine Tante und mein Onkel – adoptierten mich als Kind, und so wurde aus dem Cousin gleichzeitig auch ein Bruder. Doch ich glaube, zumindest bei der ersten Nachkriegsgeneration war Derartiges gar nicht so selten. Da ging es gezwungenermaßen drunter und drüber, und möglicherweise ist mancher aus dieser Zeit sogar sein eigener Onkel – und weiß es nicht einmal…

809e8fd7-1

Adoptiert?

So. Ich bitte um Verzeihung für diesen kleinen Umweg! Zurück zur zweiten Runde. Mit der bewährten Mischung setzen wir das Programm fort, und legen, was Energie und Intensität betrifft, noch eins drauf. Eine tolle Stimmung! Und dann entlassen wir mit dem bewährten Baker Street die Leute – und uns – in die Pause. Wir werden abgefangen, gelobt, man klopft uns auf die Schulter. Und Cousiruder (oder Brudousin) Feri strahlt. Und riecht nach Knoblauch. Ein Ungar, klar doch, oder? Übrigens, Feri ist Schriftsteller, und wird über uns schreiben. Und uns in Ungarn weiterempfehlen! Wer weiß, vielleicht kommt hier eines Tages ein Bericht über ein Primestone-Tournee in Ungarn…

budapest_by_night

Ungarn, fast so schön wie… im Fiddler’s…

10931681_892175557479363_8764023656309998670_o

wo Wolfi, die Legende die Bude rockt…

Dritte Runde. Jetzt rockt die Bude, denn wir setzen auf Stimmung – Dylan, BAP, Stones! Und mitten drin eine schöne Abwechslung: Wolfi Preuß, unser Frontmann, Bassist und Legende, in Unehren ergraut, feiert seinen 64. Geburtstag. Zusammen mit dem Publikum singen wir ein Ständchen für ihn, dann werden Wunderkerzen angezündet, und Wolfi wird von einem Teil des weiblichen Publikums abgeknutscht. Ich muss zusehen, dass wir auch an meinem Geburtstag spielen, denn in meinem Alter ist so etwas gar nicht selbstverständlich – vor allem, wenn die Damen so jung sind… (Smileyzeichen unbedingt!) Dann noch Free, Clapton, und, etwas gemäßigt, Beatles und Procul Harum beenden den offiziellen Teil. Und die Zugaben richten sich, auch etwas anders als sonst, an den kundigen Rocker: While My Guitar Gently Weeps, Don’t Let Me Down (Beatles) und Long As I Can See The Light glätten die brodelnde Fläche und führen zum (hoffentlich) wohlverdienten Ende. Das Publikum ist selig und wir erst! Schade, dass der Herr Anwalt aus Neustädtlein nicht da ist…

10945824_892174210812831_2383632194179610297_o

…und dafür Wunderkerzen bekommt! Ein Wunder?

Konzert in Neustädtlein, mal gaaaanz anders: Überraschung!

SONY DSC

Am 2. Januar durften wir wieder in der kultigen Tanzmetropole in Neustädtlein auftreten. Es war ein tolles Konzert, mit  unglaublichem Publikum, hilfsbereitem Team und Wahnsinns-Stimmung. Und mit einem Vorfall. Anstelle den üblichen Bericht abzugeben, möchte ich darüber schreiben: ich denke, es ist nicht ganz uninteressant – und eine “nette” Abwechslung im Blog. Vorausschicken möchte ich, dass als das Konzert vorbei war, kam der Lokalbesitzer, Herr Meiser zu uns auf die Bühne, und sagte mit strahlendem Gesicht, das ganze Publikum sei hoch zufrieden mit uns gewesen, alle hätten uns hoch gelobt, kein Einziger hätte gesagt, er sei unzufrieden mit uns gewesen.

Was er da noch nicht wissen konnte: es war doch jemand, der einiges zu bemängeln hatte: am nächsten Tag erreichte uns eine Mail, die ich hier publiziere, freilich ohne den Namen des Absenders. Viel Spaß!

IMG_0092

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich war gestern zahlender Gast in Neustädtlein – wie letztes Jahr schon einmal. Sie machen gute Musik – alle vier Musiker haben sehr gute Anlagen und haben sehr gute Fähigkeiten. Natürlich würde ich mich nicht zu einer mail aufraffen, Wenn es da nicht gewisse Verbesserungsvorschläge geben würde. – und glauben Sie mir : Ich habe mich um auch andere Sache zu kümmern.

CIMG1388

1) Ich zahle 13 Euro Eintritt – andere Gruppen spielen bis 2:00 Uhr – für 10 Euro…. und da sind viel mehr Besucher ! Sie hören um 0:30 Uhr schon auf….und lassen sich ab 0:00 Uhr noch betteln. Machen Sie Ihren Job dort auf der Bühne nicht gerne ? Verdienen Sie nicht gerne etwas Geld mit Ihren Auftritt? (Anmerkung von mir: Beginn war um 20.30 Uhr!)

Um jetzt mal als ein Mann zu sprechen, der Ihre Interessen vertritt : Das Publikum zahlt nicht für Ihre Eitelkeit – es zahlt für einen schönen Abend; dafür sollen Sie – und das Tanzlokal Neustädtlein – sorgen; mithin ist es eine Verachtung Ihrerseits, das Personal zu ridiculisieren – das Lokal könnte noch Getränke verkaufen und Einnahmen generieren…WESHALB verhindern Sie dieses? Sie bekommen eine Gefälligkeit von der Fam. Meißner ( denn da sind nunmal wenige Besucher ) um sich einen Namen zu machen – und Sie danken es mit Verachtung….Ihr Verhalten und Ihre professionelle Auffassung sind völlig daneben!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ihre Titelabfolge hat – noch – keine Struktur. Sie müssen auf einen Höhepunkt im Abend hin arbeiten – dieser Höhepunkt liegt gegen ca. 1:30 Uhr – solange sollten Sie auch das Publikum unterhalten und fürs Geschäft sorgen!

” A Whiter Shade of Pale” und “Hotel California” sind sehr persönliche Lieder von Ihnen – haben aber nichts mit dem Publikum zu tun! Der Applaus von einigen sollte Sie auf keinen falschen Weg führen – Sie müssen Publikum generieren… WAS einige Wenige denken streichelt vielleicht Ihre Seele – hat aber nichts mit dem Geschäft zu tun. Sie? – Sie stehen erst am Anfang und sollten sich auf das wesentliche konzentrieren.

Mit den Rolling Stones haben Sie schon mal ein paar Klassiker aufgenommen – da sind aber noch die “Gassenhauer” zu spielen; ob es AC/DC oder ZZ Top sind, ob es KISS oder Deep Purple sind, ob es Led Zeppelin oder Spencer Davis Group sind, ob es Dazy, Dozy, Mick and Ditch oder T.Rex sind….für Cream und Emersson, Lake and Palmer ist es nicht das Publikum hier!
Auch diese komischen Eagles sind – wenn sie auch ein legendäres Konzert gaben – eine Randgruppe. CCR und Joe Cocker, Queen und Beatles sind dagegen “IN” – und diese haben auch “legendäre Konzerte”gegeben – dieser Ausdruck genügt doch für jedes Konzert, WO der Künstler mal nicht unter Drogen stand – oder gerade mal Nicht unter Drogen und einen “lichten Moment” hatte.

Also : relativieren solche Presseaussagen. Für Sie ist es wichtig, dass Publikum zu Ihren Auftritten kommt – nichts sonst !

Mit freundlichen Grüßen,

Dr jur. XXXXXXXXXXX

SONY DSC

Nicht schlecht, oder? Er nennt das “Verbesserungsvorschläge”! Nun, wir schalteten uns zusammen, gingen in uns, waren sehr, sehr zerknirscht, und dann schrieb ich eine unterwürfige und reumütige Antwort: 

Sehr geehrter Herr Dr. XXXXX,

herzlichen Dank für Ihre „Verbesserungsvorschläge“! Bevor ich Ihnen angemessen antworte, schildere ich kurz eine Szene vom besagten Abend, obwohl auch ich mich um andere Sachen zu kümmern habe: Als die Veranstaltung vorbei war, kam der Besitzer der Tanzmetropole, Herr Meiser zu uns, und sagte freudestrahlend, so ziemlich Wort für Wort:

„Jungs, ihr wart großartig! Und stellt euch vor, nicht ein einziger Gast war unzufrieden! Alle sagten, es sei hervorragend gewesen. Das passiert sehr, sehr selten!“

Also, ich nehme mal an, wenn selbst der Lokalbesitzer so enthusiastisch reagiert, kann es so schlimm nicht gewesen sein. Denn niemand als er kann besser beurteilen, was für sein Lokal gut ist, meinen Sie nicht auch? Kein Wort über falsches Programm, zu kurze Spielzeit usw. Interessant, nicht?

Doch in einem Punkt hat er sich offensichtlich geirrt: jemand war doch unzufrieden: Sie. Das ist natürlich Ihr gutes Recht. Alles ist Geschmackssache, auch die Musik. Doch was Sie ansonsten bemängeln, kann ich leider nicht unbeantwortet lassen. Ob es Ihnen dann gefallen wird, das ist ebenfalls Geschmackssache, mit dem gleichen Ergebnis: mir wird es gefallen, Ihnen nicht. Ich gehe mal Punkt für Punkt auf Ihre Vorwürfe ein.

  1. Der Eintritt. Die zu zahlende Summe bestimmen nicht wir, sondern der eben erwähnte – und hoch zufriedene – Herr Meiser. Was es für seine Bands verlangt, ist seine Sache. Nicht unsere. Und auch nicht Ihre. Außerdem erstaunt es mich immer wieder, wie manche Menschen über den Wert des Geldes denken. Für 13 Euro bekommen Sie sonst gerade mal eine Pizza oder 2 Stunden Kinovergnügen. Für vier Stunden schweißtreibende Rockmusik ist es in Ihren Augen zu viel – auch das ist Ihr gutes Recht.
  2. Stellen Sie sich vor, wir machen unseren Job sehr, sehr gerne. Sonst würden wir, die allesamt nicht darauf angewiesen sind, für die relativ niedrigen Gagen – ich spreche nicht über Neustädtlein, sondern allgemein – gar nicht auftreten. So gerne, dass wir uns vier Stunden lang (incl. Pausen, sonst würden wir es gar nicht schaffen) bis zur Erschöpfung abrackern. Was wir machen, ist keine Tanzmusik, bei der der halbe Sound vom Computer kommt, sondern echte Livemusik, Rockmusik, die sehr, sehr anstrengend ist. Da Sie so viel über Musik wissen, müssten Sie auch dies eigentlich wissen. Ich weiß definitiv, dass kaum eine Rockband länger als vier Stunden durchhält. Übrigens, bei einer Musikvorführung ist nicht die Länge, sondern die Qualität ausschlaggebend. Und was Sie über das angebliche „Betteln lassen“ sagen, ist gängige Praxis: die Band hört auf, das Publikum will Zugaben, und bekommt sie. Ich gehe seit Jahrzehnten zu verschiedenen musikalischen Aufführungen, und es ist immer, überall so. Auch bei uns.
  3. Wenn Ihr Vorwurf, das Personal zu ridiculisieren, stimmen würde, wäre Herr Meiser der erste, der sich darüber beschweren würde, meinen Sie nicht auch? Doch er tut es nicht, im Gegenteil, er ist sehr zufrieden – obwohl wir diesen Vorwurf von ihm akzeptieren würden. Von Ihnen dagegen tun wir das nicht.
  4. Was die Gefälligkeit der Fam. Meiser und unsere angebliche Verachtung betrifft, habe ich bereits in den obigen Zeilen beantwortet. Ihr Vorwurf ist lächerlich!
  5. Die Titelabfolge. Primestone ist keine Partyrockband, denn davon gibt es genug. Wir haben ein ganz bestimmtes Konzept. Wir spielen Classic Rock, und zwar genau die Songs, die ihre Wurzeln im Blues oder anderen ursprünglichen Richtungen haben. Ein anderes Kriterium ist, dass wir nicht wahllos alles Mögliche spielen, sondern nur das, was uns auch liegt. Und vor allem das, was uns vier ohne Einschränkungen gefällt. Und, werter Herr XXXX, das ist die absolute Hauptsache: weil wir eben ohne Einschränkung unseren Spaß auf der Bühne haben wollen. Musik, nur anderen zuliebe gemacht, kommt bei uns nicht in die Tüte! Denn, und auch das ist ein Teil unseres Konzepts, wir wissen, dass das Publikum dies spürt, und uns auch deshalb mag. Weil die Leute merken, dass wir authentisch sind und alles geben. Das wissen wir aus Erfahrung. Es gibt sehr viele Menschen, denen dieses Konzept sehr gut gefällt, das wurde uns seit der Gründung der Band im Jahr 2011 immer wieder bestätigt. Uns ist wohl bewusst, dass es noch eine Menge Songs gibt, die wir nicht spielen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass man an einem einzigen Abend die ganze Musikgeschichte durchspielt, unter anderem auch solche Stücke, die uns nicht liegen und wir sie deshalb schlecht interpretieren würden. Und was Ihre Bewertung der einzelnen Bands betrifft, ist das Geschmackssache, und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Da würde ich Ihnen empfehlen, sich an eine Band (bitte nicht an uns!) zu wenden, die Ihre Lieblingssong von Ihren Lieblingsbands einstudieren soll. Das würde allerdings ein wenig mehr als 13 Euro kosten…Aus diesen Gründen weise ich Ihre „Verbesserungsvorschläge“ hiermit zurück, denn es sind keine. Es sind dilettantische und hochnäsige Belehrungen, von einem Laien, der glaubt, von der Musik mehr zu verstehen als die Musiker selbst. Jawohl, es ist Hochnäsigkeit, wenn ich das sagen darf, auch wenn es sonst nicht meine Art ist, zu verallgemeinern,  typische Akademiker-Hochnäsigkeit, die ich auf die gleiche Weise beantworte, denn auch ich habe studiert – nur erlaube ich mir in de Regel nicht, mich auf eine solche Weise zu äußern – mit dieser Ausnahme. Herr XXXX, ich habe unter anderem auch Musik studiert. Darüber hinaus stehe ich mittlerweile seit über fünfzig Jahren auf der Bühne, habe alles gespielt: Rock, Pop, Klassik, Musicals, Jazz usw., und weiß sehr wohl, was ich tue, und brauche keine Zurechtweisungen von jemandem, der keine Ahnung hat, und seine Dreistigkeit auch noch überheblich „Verbesserungsvorschlag“ nennt. Kritik kann ich es auch nicht nennen, nicht mit diesen Begründungen, und nicht auf diesem Niveau. Wenn Ihnen unsere Musik nicht gefällt, müssen Sie uns nicht besuchen. Zu etwas Anderem haben Sie nicht das Recht. Einen Brief wie den Ihren habe ich in den bereits erwähnten 50 Jahren noch nicht bekommen: ich danke Ihnen für dieses einmalige Vergnügen!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Peter Gaspar

sage ich doch

Ja, und als ich diese Zeilen zu Papier brachte, beruhigte ich mich erst mal, und las es ein paarmal durch. Und beschloss, den Brief nicht abzuschicken. Denn eine angemessene Antwort, in der man sich mit den “Argumenten” des Gegners auseinandersetzt, erhebt ihn auf das gleiche Niveau, und diese Genungtuung wollte ich ihm dann doch nicht gönnen. Statt dessen verfasste ich einen kürzeren Brief. Und was ich darin schilderte, hat sich tatsächlich zugetragen:

Sehr geehrter Herr Dr. XXXX,

im Mai 2013 nahm ich an einer fünfwöchigen Tournée quer durch Japan teil. Wir spielten auf Open Airs vor jeweils mehreren tausend Menschen, in Tokio, Yokohama, Osaka, Tochigi, Kyoto usw. Unsere Zuschauer waren jedes Mal euphorisch, entzückt und dankbar. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, wir lebten in einem permanenten Zustand der Euphorie. An einem der letzten Tage in Osaka war mir ein großer, blonder Typ aufgefallen, der inmitten von Tausenden Japanern herumsprang, tanzte und klatsche. Als das Konzert vorbei war, winkte er mich zu sich. Freudestrahlend ging ich zu ihm. Nachdem er mich freundlich begrüßte, setzte er mir Punkt für Punkt auseinander, was wir alles falsch machten, warum, und wie er es machen würde. Er war ein deutscher Akademiker…

Meine Antwort befriedigte ihn nicht, und damit waren wir quitt. Aber im Gegensatz zu Ihnen hatte er wenigstens den Mumm, mir seine Meinung dort an Ort und Stelle zu sagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Gaspar

P.S. Als unser Konzert in der Tanzmetropole vorbei war, kam Herr Meiser, den Sie so vehement verteidigen, zu uns auf der Bühne und bedankte sich überschwänglich. Er sagte kein Wort über zu kurze Spielzeit, Publikumsverachtung, falsches Programm und Ähnliches. Und lud uns ein, wieder bei ihm zu spielen. Übrigens: für 13 Euro bekommen Sie unter anderem drei Bier, eine Pizza, oder eine Kinokarte. Und ein vierstündiges, schweißtreibendes, aus ganzem Herzen vorgetragenes Rockkonzert.

Übrigens, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Akademiker, ich habe viele solche Bekannte und Freunde, und einigen von ihnen verdanke ich sogar mein Leben. Ich war nur ein bißchen aufgebracht, gelinde gesagt. Was aber auch Fakt ist: solche Miesmacher können zwar nicht unsere Freude an der Musik schmälern. Aber einen Abend ganz schön verderben. Dabei sind sie es gar nicht wert…

1b6ef4835cca20022be17dc17301bb92

Primestone – the beginnings

So! Genug gedichtet, zurück zur schnöden Prosa. Ich habe noch gar nicht erzählt, wie unsere Band entstand, warum und durch welche Umstände. Hiermit hole ich es nach: vielleicht interessiert sich jemand von unseren Freunden und Fans dafür!

Vor Kurzem starb eine entfernte Verwandte von mir – Großtante eines Großonkels oder so – im stolzen Alter von 97 Jahren. Was das mit Primestone zu tun hat? Abwarten!

Als der Großonkel sie einmal besuchte, fiel ihm der seltsame Geruch in der Wohnung auf. „Das bin nur ich,“ sagte die rüstige Greisin fröhlich. „Ich wasche mich nicht mehr.“ „Wieso denn?“ „Einfach. Ich wusch mich regelmäßig, bis ich neunzig war. Seitdem nicht mehr. Ich muss mir das nicht mehr antun!“

Ich kam gerade vom Klavierstimmen. Ein Kunde hatte mich versetzt, und so hatte ich zwei Stunden bis zum nächsten Termin. Und weil ich gerade durch Niederrieden fuhr, fiel mir mein alter Freund Wolli Güthler ein, der dort wohnte, und den ich bereits einige Jahre nicht gesehen hatte. Ich tat etwas, was ich immer wieder tue: etwas Verbotenes. Diesmal war es die Benutzung eines Handy während des Autofahrens. Seine Nummer war im Internet im Nu gefunden. Er war da. Wolli, hast du etwas Zeit? Ich komme!

Seit einer ganzen Weile beschäftigte mich ein ganz bestimmter Gedanke. Nach langen Jahren als Alleinunterhalter war ich seit einiger Zeit endlich Mitglied einer Band: Wir waren gut, aber… Die näheren Umstände sind Privatsache. Jedenfalls fehlte mir etwas. Ich war bereits über sechzig, und seit Jahrzehnten auf der Bühne. Und das letzte Mal, dass ich genau die Musik machte, die mir am besten gefiel, war im Jahr 1966. Seitdem habe ich so ziemlich alles gespielt, was unter die Kategorie Musik fiel: Klassik, Pop, Operette, Musical, Folk, Tanzmusik, Country, Rock, Jazz, Bayrisch, im Theater, in Tanzcafés, in Hotelbars, privat, in Kurhäusern, auf einem Lastwagen, in Stripteasebars, auf Open Air-Bühnen, im Orchestergraben, auf Hochzeiten, Geburtstagen, Beerdigungen… Nur, der Grund war jedes Mal, zumindest zum Teil (und meist doch ausschließlich): Geld. Klar, man musste leben, und das möglichst gut, aber irgendwann merkte ich, dass meine Lieblingsmusik neben der Stille das Vogelgezwitscher war. Und das war kein gutes Zeichen. Nicht für einen leidenschaftlichen Musiker.

Ungarns Antwort auf Jimi Hendrix

So ist das kein Leben… ich will eine neue Band!!

Und, wie bereits erwähnt, war ich mittlerweile über sechzig. Mit dem Alter ist das so eine Sache. Vielleicht um die negativen Seiten zu kompensieren, wird man, zumindest, ein bißchen weise, auch wenn Curd Jürgens anderer Meinung war. Und mit zunehmender Weisheit nimmt die Bereitschaft ab, Dinge zu tun, die anderen Menschen zwar gefallen mögen, aber einem selbst weniger. Drastisch gesagt, je oller, desto LMAA. Capito?

Nicht dass ich nicht käuflich wäre. Wenn die Bezahlung stimmt, singe ich jetzt noch Einen Stern, wenn es sein muss. Aber bei Atemlos endet meine Toleranz. Nie werde ich begreifen, dass eine so unfassbar gute Sängerin, die auch noch makellos aussieht, auf diesen Schßdrck angewiesen ist. Klar, die Kohle. Doch sie ist noch so jung. Ich dagegen… klar, oder? Summa summarum, Jobs, die man nur wegen der Kohle macht, sind immer noch OK, bis zu einem bestimmten Punkt. Allein. Als Alleinunterhalter hat man die Computerbegleitung hinter sich, die einem sehr wenig Freiheiten lässt. Außerdem kann eine kleine Geburtstagsgesellschaft in den seltensten Fällen eine ganze Band bezahlen. Doch in einer Band sah ich immer weniger ein, dass ich Kompromisse machen musste. Eine Band ist mehr als nur die Ansammlung von Musikern: in ihr finden Interaktionen statt wie sonst nirgendwo auf der Welt, sie ist zu schade dafür, sie dazu zu missbrauchen, irgendwelche Hits runterzuleiern… Jedenfalls begann es in mir zu rumoren. Ich stellte mir vor, so ähnlich wie einst, in einer Band zu sein, die nur das spielt, was ihr gefällt. Keine Kompromisse! Nicht beim Bier, und nicht in der Musik.

SONY DSC

Keine Kompromisse…

CIMG0850pix

…beim Bier!

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich will nicht über das Publikum herziehen. You don’t have change the world, sangen bereits die Beatles. Das Publikum ist, wie es ist, und wenn der Geschmack schlecht ist, dann nicht weil die Leute blöd sind, sondern weil die Medien sie permanent zu verblöden versuchen. Erziehung ist ein zweischneidiges Schwert: sie funktioniert in beide Richtungen.

Und hier kommt die Großtante des Großonkels ins Spiel. Fünf Jahrzehnte lang bediente ich jeden Geschmack, nur meinen eigenen nicht – oder nur in Ausnahmefällen. Und im Alter von 64 Jahren beschloss ich, mich – in dieser Beziehung – nicht mehr zu waschen. Klar, für Geld hin und wieder doch, aber wenn es um eine BAND geht, in der ganz andere Möglichkeiten stecken, wollte ich, im übertragenen Sinne, vor Dreck starren. Im Klartext: nur noch die Musik machen, die mir hundertprozentig zusagte, den Rest wollte ich mir nicht mehr antun, ganz wie die Großtante. Dann macht das Spielen in einer Band richtig Spaß. Und Wolli kannte ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit in den frühen 90-ern bei Fireball und wusste genau, dass auch er genauso tickte – und den gleichen Musikgeschmack wie ich hatte.

d3c13969010710c88b0d9577c5893af1

Auch sie wäscht sich nicht wirklich…

Unser Gespräch war lang und kurzweilig. Die Zeit war bei uns beiden reif. Auch Wolli war der ewig gleichen Popmusik überdrüssig. Wir wollten etwas anderes machen. Es sollte eine Musik sein, die im Blues seine Wurzeln hatte, den wir beide liebten. Also Classic Rock. Er ist vielfältig, biegsam, breit gefächert, und vereinnahmt auch andere Stilrichtungen. Außerdem war sie seinerzeit eine Revolution, die ihre Zeit so stark veränderte wie keine andere Musik je zuvor – und danach. Und noch eins: wir wollten zwar covern – warum, habe ich bereits in einem früheren Beitrag erörtert – aber offen sein für eigene Ideen. Kein Nachspielen wie ein Sklave, sondern mit Variationen und Improvisationen anreichern, auch mal etwas verändern… Etwas Humor sollte auch mit einfließen. Und: die Band sollte klein sein, die kleinste mögliche Formation. Je mehr Leute, desto schwieriger die ganze Organisation: Proben, Auftritte, Urlaub, Krankheit – und der auf einen gemeinsamen Nenner zu bringende Musikgeschmack… Ein Gitarrentrio kam für mich nicht infrage, das ist nicht mein Geschmack, außerdem könnte ich dort kein Saxofon spielen. Und ein Keyboard macht eine Band um ein Vielfaches variabler und spannender. (Vor allem wenn es Wolli ist…) Und auch wegen der Herausforderung: einen Song, der im Studio mit unzähligen Spuren entstand, nur zu viert zu spielen, ist nicht einfach. Ein Quartett also. Über die restlichen Mitglieder waren wir uns auch einig, und sogar ziemlich sicher, dass sie mitmachen würden, denn es ging um unseren früheren Kollegen bei Fireball: Wolfi Preuß, die Skarabeus-Legende mit der unverwechselbaren Stimme, den ich bei Urwerk40 wiedersah; und Flogge Lutz, der groovige und leidenschaftliche Rock-Drummer, den ich bei der früheren Band kennen lernte, und der keinen Ton zuviel oder zuwenig spielte (und sprach).

IMGP3885

Das erste Bandfoto, noch ganz inoffiziell.

Die zwei waren dann auch sofort Feuer und Flamme. Wolfi hatte die gleichen musikalischen Wurzeln wie ich, und Flogge war trotz seines zarten Alters ein glühender Classic-Fan, das wusste ich. Die Band war geboren. Kriterien: nur Songs, die jedem von uns gefallen. Demokratie in der Band, ehrlich und geradeaus. Nur die größten Klassiker aller Zeiten. Und persönliche Freiheiten in der Musik, sprich: Mut zu Experimenten, Variationen, Improvisationen, zum eigenen Stil.

Bei den darauf folgenden Gesprächen und Proben kamen dann weitere Ansprüche dazu. Unser Programm sollte wie aus einem Guss sein. Und die Volksmusik des Doppelkontinents Amerika – Blues, Soul, Latin, Reggae – sollte es zu einer Einheit verbinden. Und es sollten auch Lieder dabei sein, die nicht unbedingt jeder spielt. Wir wollten keine Party-Rockband sein.

IMGP3878

Wolli überlegt…

Nur noch der Name fehlte. Die zu finden dauerte wesentlich länger als die Bandgründung. Wir gingen die gesamte Musikgeschichte durch, Cocaine, Abracadabra, Evil Ways, Easy Living… aber laut Internet war jeder dieser Titel bereits von einer Band als Name vereinnahmt – oder es gefiel uns nicht. Andere Worte fielen, englische, auch deutsche. Nichts passte wirklich. Irgendein Wort, das bloß gut klingt und ansonsten nichtssagend ist, wollten wir nicht, denn der Name sollte auch unser Konzept ausdrücken. Unseren ersten Gig im August 2010 bei der Hochzeit vom Helter Skelter-Keyboarder Sascha spielten wir noch unter dem Namen No Respect. Außerdem mussten wir anschließend für anderthalb Jahre die Band stilllegen, um Altlasten abzuwerfen und das Ganze richtig vorzubereiten. Richtig geprobt haben wir erst ab Ende 2011. Und einen Namen hatten wir immer noch nicht. Ein Vorschlag folgte dem anderen, ein Dutzend Namen kamen und gingen, wurden zerkaut, zerstritten und überschlafen. Bis eines Tages Wolli auftauchte, und den Namen Primestone in die Runde warf. Denn wir hatten auch den Namen Urgestein erwogen. Er sah im Wörterbuch nach und fand die Bezeichnung “primery stone”, die zwar eine andere Bedeutung hatte – reinster Stein, also Diamant – aber gut klang, auch wenn sie etwas zu lang war. Er kürzte kurzerhand ab, und das war es!

10616027_814623781901208_6228070526912396794_n

…und findet einen Namen:

1604812_691113457585575_1686938513_n

!

Das war es! Bingo. Das Wort saß. Eine Minute Beratung, fünf Minuten Recherche, ob es ihn bereits gab; die Entscheidung war gefallen. Primestone. Qualitätsstein. Der Name ist Programm und Anspruch in einem.

Und die Großtante kann in Frieden ruhen.

Ode an die Traube Bellenberg in altgriechischen Versen

Möglicherweise mute ich den PrimeStone-Fans etwas zu. Doch ich will nicht immer die gleich Lobpreisung schreiben: diesmal dachte ich, wenn schon Lobpreisung, dann richtig, so wie die alten Griechen es taten, in ihren großen Epen Ilias und Odyssee. Liebe Leser, wenn es euch nicht gefällt, meldet euch: ich mache es dann in Neugriechisch… (Smileyyy…)

Göttin, steh mir bei beim großen Vorhaben, den Auftritt
der greisen, doch wackeren Männern von Primestone, der Lauten, zu preisen,
die im schönen Berge des Bellens das Rock-Opfer bringen.
Immerzu die gleichen schnöden Floskeln zu dreschen
war ich müde und suchte nach anderen Mitteln: so kam ich
auf die Idee des griechischen Versfuß. Athene, du weise
Gottheit geflügelter Zeilen, steh mir bei und helfe!

Nur zu logisch ist mein Wunsch, dies auf diese Weise
zu tun: die stolzen Eltern gaben mir den Namen
Peter: dies ist das griechische Wort für Fels. Doch wiederum
heißt der Fels auf Englisch ROCK. Da schließen sich Kreise!

1507085_859496434080609_7516240390610159480_n

Hurtig beginnen wir das Spiel, das laute, vor vollem
Hause, denn viele waren gekommen, um unsere Gruppe
zu hören, voller Erwartung. Doch vorher will ich die Schar der
schönen Halle, Traube genannt, nach den runden Früchten des
Weinbergs, besingen: allen voran die holde, schlanke
Chrissy. Ihr Lächeln, ihr Haupthaar, das blonde; doch auch ihren Liebreiz.
Auch die And’ren im Team sind fleißig und stets zu Hilfe,
uns mit Speis’ und Trank gar reichlich und rasch versorgend.

Unter den Gästen sind viele, die wir gut kennen. Dieter, der
Hüllen schiebt seinen mächtigen Leib durch das Fußvolk zu uns her;
sie fliegen wie Stroh nach links und rechts durch seine Fülle.
Caro, des Keyboarders zarte und flinke Gattin ist auch da.
Und Fräsi, der sonst seinen mächtigen Bass durch die Luft schwingt. Sogar
der wackere Pesa, der seine Helter und Skelter durch alle
Bühnen des Landes scheucht, und nebenberuflich die armen
Sünder verteidigt vor der Gewalt des großen Staates,
beehrt uns heute, und lobende Worte entflieh’n seinem Munde.

10151875_859496930747226_2698702013386816672_n

Denn wir entfachen ein’ Sturm mit unseren Lauten, Trommeln
und tief tönenden Bässen und breiten Tasten, mit strahlendem
Teppich des gold’nen Klanges, und singen aus voller Kehle
die Lobpreisung dessen, den wir alle als obersten Gott
erkennen: ER schwebt über alle Wipfeln mit strahlendem Antlitz.
Nicht Ruh’ herrscht dort, wo er ist. Nein! Getöse begleitet
ihn, der Brandung des Meeres gleichend, die tosend und brüllend
gegen den Fels schlägt: daher kommt sein ruhmreicher, donnernder Name:

ROCK nennen wir ihn, niederen Würmer der Erde. Mal ist er
rau und ung’stüm, doch manchmal sanft, der edle Hauptgott.
Ihn preisen wir Vier hier, und zweihundert tobende Gäste.

11363_859496527413933_3789205216364625433_n

Opfertrank fließt in Strömen die durstigen Kehlen hinunter,
bei manchen gar reichlich: sie werden berauscht durch den Saft der Gerste,
der ohne Unterlass durch ihre Kehlen rauscht. Sie singen
laut und falsch ihre eigenen heidnischen Verse. Ich mahne sie
streng, sie gehorchen, vor Ehrfurcht erblassend. Doch die Mehrheit
ist durch und durch auf unserer Seite, sie feuern uns an und
treiben zu Leistung’, wie nie zuvor gekannt, so rasend.

10563078_859498497413736_4239184382905798220_n

Doch viel Jungvolk strömt in den Laden, die Gottheit missachtend:
sie kommen nicht wegen uns in die Kneipe. And’re Gelüste
treiben fortwährend sie durch die heiligen Hallen: Gar staunend
sehen sie plötzlich die alten Säcke, die spielen, als ob es
ums Leben ginge: die Saiten und Stöcke brechen, die Tasten
fliegen, die Töne fetzen als Opfer an die Gottheit.

1779271_859498254080427_8445784266127362906_n

Gebannt steh’n sie da, die Jungen und Schönen, bekehrt durch der Alten’
Gehabe: mächtig ergreift sie die Ehrfurcht und Demut vor IHM.
Und ROCK, der Gott aller Götter schließt sie in die Arme,
die gnädig und huldvoll ausbreitend er ihnen entgegenstreckt.

10731135_859498814080371_2080182514897395807_n

Das Opfer vollbracht, verneigen sich die grauen Greise
dort oben. Doch die Menge lässt sie noch nicht geh’n. Sie müssen
weit’re Gesänge zum Loben des großen Gottes anstimmen, erst
später ist das Volk, jung und alt, gesättigt und friedlich.
So geht der Abend zu Ende. Und ROCK, der mächtige Hauptgott
lächelt hinunter vom Berg, dem Olymp, von Wolken umgeben,
und ist sehr zufrieden.

10434169_859498100747109_7766849089494090133_n

Unter Volldampf in der Dampfsäg – 8.11.2014

16392_848579478505638_1928178244167602084_n

Im Nachhinein kann ich jetzt verraten: es war ein Wackeltermin, denn unser Peter – im gegenseitigen Mailverkehr Pätär genannt (das bin ich!) wurde pünktlich zum Saisonbeginn von einer kräftigen Magen-Darmgrippe erwischt, und wurde erst wenige Tage vor dem Auftritt wieder gesund. Doch das ist eigentlich der Alltag eines Musikers: erst der Kampf um einen Termin, dann der Kampf um das Programm, und schließlich der Kampf, dass man den Termin auch wahrnehmen kann – wie auch jetzt.

1920314_848579018505684_6476912503059118590_n

Doch es klappte, wie immer. In den letzten 45 Jahren musste ich ungefähr drei Auftritte wegen Krankheit absagen: diese Zahl spricht für sich. Doch ich schweife ab. Es geht um die Dampfsäg: auf diesen Auftritt freuten wir uns aus verschiedenen Gründen ganz besonders. Erstens, weil es eine tolle Location ist, urig, stimmungsvoll, mit einer ganz eigenen Atmosphäre, zweitens weil wir das nette Team gut kannten, und drittens, weil ein Auftritt dort auch ein gewisses Ansehen bedeutet, denn dort treten immer wieder tolle und namhafte Künstler auf. Aber auch wir hatten zwei gute Gründe, mit denen wir die Leitung überredeten: unser kultureller Auftrag und – Höllenspaß!
Jawohl, liebe Leser, Primestone versteht sich als Kulturerbe, nicht nur wegen unseres Gesamtalters, sondern auch weil wir überzeugt sind, dass Classic Rock mehr ist als bloß Mucke: er ist Geburt, Begleiter und Auslöser einer gesellschaftlichen und kulturellen Revolution. Möglicherweise bekommen wir eines Tages das Prädikat Weltkulturerbe – aber noch stehen uns die Rolling Stones im Weg. Und das ist gut so…

10402772_848581185172134_7755056835104626023_n

Genug theorisiert, auf geht’s zur Praxis. Wir waren etwas besorgt, ob auch genügend Leute kommen würden, denn die Dampfsäg ist kein kleiner Club, und so bekannt sind wir auch noch nicht… Doch alle Beteiligten hatten kräftig die Werbetrommel gerührt, und zu unserer freudigen Überraschung war bis 20 Uhr ganz schön was los! Dementsprechend motiviert legten wir los, und das Publikum reagierte sofort: im Nu entstand die intime Atmosphäre, die wir so lieben… Und bald war der Saal voll!

10710849_848580548505531_4922443805707531706_n

Nun stand dem kulturellen Auftrag und vor allem dem Höllenspaß nichts im Wege! Wir vergaßen auch die aktuellen Anlässe nicht: in Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Jack Bruce spielten wir Sunshine Of Your Love und White Room, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls The Wall, und anlässlich des Streiks der Lokführer Long Train Running.  In den Pausen begrüßten wir die vielen Freunde und Bekannte, die gekommen waren, und für mich war es fast stressig geworden, denn ich musste auch noch eine Armada von Gitarren stimmen… Trotzdem, so viele bekannte Gesichter zu sehen war eine große Freude. Zum Schluss wollten die Ovationen nicht aufhören, und so gaben eine Zugabe nach der anderen, Durchgeschwitzt, glücklich und erledigt wankten wir von der Bühne. Yuri Bilgram und Team waren ebenfalls vollauf zufrieden: Dampfsäg, we’ll be back!

10306242_848580015172251_8925200702987699182_n

Wolli ist zufrieden!

10255434_848578385172414_6401690762667450273_n

Die Legende ist zufrieden!

10532942_848578731839046_4250967998108706454_n

The Animal ist zufrieden…

10448770_848579858505600_8544542267274688318_n

…wie auch sein Animal!

Mein musikalischer Werdegang, Teil 3: WOLLI

                   Bild 1

               Ich, vorher…

 ec1d4cc54c79324dffff8042ffffffef

                                                    … und nachher.

Es war im Frühjahr 1966, ich wurde gerade 6 Jahre alt, da sagte mir mein Vater, er hätte die Möglichkeit, ein gebrauchtes Klavier zu erwerben. Da wir damals noch zur Miete wohnten, musste er zuerst noch den Vermieter fragen, der den 2. Stock bewohnte.

Und wie sollte es auch sein, der sagte: Nein, denn ein Klavier spielendes Kind im Haus kann er nicht brauchen!
Da ich aber unbedingt ein Instrument lernen wollte, machte ich meinem Vater den Vorschlag: ich könnte doch Gitarre lernen, die ist nicht so laut! Außerdem hatten wir bereits eine, da er sich vor einigen Jahren eine Wandergitarre gekauft hatte.

Und so bekam ich Gitarrenunterricht und spielte die schönsten deutschen Volkslieder und Schlager der sechziger Jahre rauf und runter, von: Bald gras ich am Neckar, Horch was kommt von draußen rein, Ännchen von Tharau bis Du bist nicht allein/Roy Black, Mendocino/Michael Holm, Hello Mary Lou usw.

Bis mich vier Jahre später ein Junge, den ich aus dem Kindergarten und aus der Schule kannte – sein Name war Peter Seitz – mich auf der Straße anhielt und fragte: Heh du, du spielsch doch Gitarre, hosch Luscht bei uns mit zum spiela?
Nach einer kurzen Bedenkzeit von ca. 2 Sekunden sagte ich: Klar, i spiel mit!

Somit war der Grundstein einer beispiellosen Musikerkarriere gelegt!
Die Greenhorns waren geboren.

Bild 2

Die Besetzung der noch jungen Band war sehr eigenwillig: 2 Trompeten, 2 Posaunen, Schlagzeug und E-Gitarre (ich!), verstärkt durch ein Telefunken Röhrenradio meiner Oma, aber es war lustig und wir hatten einen Riesenspaß!

Weil alle Mitglieder der Greenhorns bei der Blasmusik waren, bekam ich auch Lust dazu. Ich besorgte mir eine Trompete, und übte damit heimlich in der Werkstatt. Damit es nicht auffiel, stopfte ich ein Öltuch ins Instrument, denn, wie bereits erwähnt, verbot der Vermieter jeglichen Krach im Haus. Doch irgendwann war dieser Reiz weg. (Anm. d. Red.: zum Glück, denn was wäre Primestone ohne Wolli???)

Ich war u.a. auch der Leadsänger der Band, und sang Kracher wie: Schneeglöchen im Februar von Heintje, Du kannst nicht immer 17 sein, und auch ein Lied von Udo Jürgens; Es wird Nacht Senorita… Es beginnt mit einem sehr hohen Trompeten-Intro, und einer unserer Trompeter traf die Töne nicht, es war schrecklich! Und so kam nach Ende des Songs ein Zuhörer zu uns an die Bühne und meinte: Die Trompeten haben falsch gespielt!, aber wir antworteten darauf: Nein, es handelt sich hierbei um einen sogenannten „Dynacord“ (Musikerwitz auf das Wort Akkord: Dynacord ist eine Verstärkermarke), und somit war das Thema erledigt.

Es ließ nicht lange auf sich warten, da kamen auch schon die ersten Auftritte, denn wir waren schon eine kleine Attraktion, da die Bandmitglieder zwischen 10 und 13 Jahre alt waren – vielleicht die erste Boygroup Deutschlands… Wir spielten Kurzauftritte, in Festzelten, ja sogar in der Schweiz waren wir mit unserer Band!

Und weil das Leben sich auch damals schon ständig im Auf- und Umbruch befand, wurde die Band nach kurzer Zeit umstrukturiert und aus der einen Posaune wurde der E-Bass, aus der anderen die E-Gitarre, ich lernte Orgel und unsere erste richtige Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre, Sax, Trompete und Orgel war gegründet: die Beach Rollers!

Bild 3

Es änderte sich nicht nur die Besetzung, nein, auch unsere Songs wurden internationaler. Plötzlich befanden sich Titel wie: Arms of Mary, Under the Moon of Love, Glass of Champagne, Let your love flow, Bad Moon Rising usw.
in unserem Programm. Die Auswahl an guter Pop-Musik war in den 70-ern unerschöpflich, und auch mein Musikgeschmack entwickelte sich weiter. Die Beach Rollers waren mit diversen Umbesetzungen bis 1979 aktiv.

Doch nicht nur die Zeiten wurden härter. Auch die Musik, die wir spielen wollten, sollte härter werden, und es wurde Exhibition auf die Beine gestellt.
In dieser Band spielten wir zum ersten Mal mit zwei Keyboardern. Das eröffnete uns neue Möglichkeiten der Songauswahl, wie z.B. von: Supertramp, The Commodores, Manfred Mann´s Earth Band, Deep Purple, Uriah Heep, Billiy Joel, Little River Band usw., auch unser Equipment war ein Traum:
Orgel, Strings, Fender Rhodes, Hohner D6, Wurlitzer , Mini Moog und im Hintergrund eine Wand aus Hammond Leslie 760, Fender Twin Reverb, Fender Six Reverb und Fender Showman, das war der Hammer! Doch nachdem einige Kollegen aus beruflichen aus der Band ausstiegen, wurde Exhibition Ende 1981 aufgelöst.

Bild 4

Allerdings war ich seit 1978 noch in einer weiteren Band als Gitarrist und Banjo-Spieler tätig: bei der Stable House Jazz Band.

Bild 7

Wir spielten Dixieland und Swing und hatten weit über 10 Jahre hinaus eine super Zeit.
Auch in dieser Formation spielte mein Freund Peter Seitz, der mich Ende 1981 fragte: Wolli, wir wollen eine Tanz- und Showband gründen, machst du mit?
Nach einer kurzen Bedenkzeit von ca. 1 1/2 Sekunden sagte ich: Klar, ich bin dabei!
Nur, dieses Mal hatte ich es mit sieben echten Profimusikern zu tun.

SAMSUNG

Die hatten entweder ihr Instrument studiert, oder eine perfekte Ausbildung erhalten. Da stellte ich mir schon mal die Frage, ob ich auch der richtige bin, aber unser Manager Liviu, ein Rumäne, meinte nur dazu: Schau´ Wolli, jetzt fährst VW Bus, und in einem Jahr fährst Porsche! Nun, einen Porsche habe ich bis heute nicht gefahren…
Mit Abraxas hatte ich eine spannende und musikalisch sehr lehrreiche Zeit verbracht, mit einem Bläsersatz von Trompete, Sax und Posaune, wie ich ihn bis heute nicht mehr hatte!

Bild 8

Bei Abraxas habe ich 1983 aufgehört, denn 83/84 hatte für uns Keyboarder eine neue Zeitrechnung begonnen. Computer wie Commodore C64 und Atari 520 ST sind auf den Markt gekommen, und es war plötzlich möglich, Musik per Midi selbst zu produzieren. Durch diese technischen Möglichkeiten war auch die Zeit der Alleinunterhalter mit ihren Rhythmusgeräten gekommen.Auch ich konnte mich nicht dagegen wehren, und habe die harte Schule des Alleinunterhalters viele Jahre miterlebt.

Diese Ära wurde 1989 unterbrochen, als mich zwei Kollegen aufsuchten, die bei Burning Flare gekündigt hatten, und auf der Suche nach einem Keyboarder waren, denn sie wollten eine neue Formation auf die Beine stellen die Classic Rock spielen sollte. Ohne Bedenkzeit sagte ich zu.

Bild 10

Die Band hieß Fireball und hielt sich bis 1993.

SAMSUNG

Mit Fireball waren wir sehr erfolgreich: wir spielten unter anderem in Attenhausen bei Let’s Fetz, und sogar am Alpsee vor12 000 Menschen! Ich spielte mit grandiosen Kollegen wie Peter Gaspar und Wolfi Preuß, mit denen ich 20 Jahre später meine vermutlich letzte Rockband gründen sollte:

1920014_824016417615820_48092870_n

Liebe Grüße, Euer
WOLLI Güthler

Hallo Wolli,

was heißt hier letzte Rockband? Stell dir vor, eines Tages gehen wir in den wohlverdienten Ruhestand, und dann, irgendwann, nach gefühlten 1000 Jahren beginnt es wieder zu jucken… Dann kommen wir wieder zusammen, du bist 86, Wolfi und ich entsprechend älter, und auch Flogge endlich ein Greis. Dann nennen wir uns PrimeStoneSurvival, und rocken wieder ungemein, denn: Mit 86 Jahren, da fängt das Leben an…

Herzlichst, dein
Pätär